Unterwassertechnologie: Fincantieri bündelt mit vier Zukäufen einen internationalen Champion
Unterwassertechnologie aus einer Hand: Fincantieri übernimmt Mehrheiten an vier Spezialisten, zunächst für rund 600 Millionen Euro. Die Ziele des Unterwasserbereichs sollen so vier Jahre früher erreicht werden, auch der Konzerngewinn soll steigen.

Mehrheitsbeteiligungen an Next Geosolutions, WSense, Graal Tech und Defcomm sollen den Ausbau des Unterwassergeschäfts von Fincantieri beschleunigen. Nach Darstellung des Konzerns entsteht so der weltweit erste vertikal integrierte Anbieter für zivile und militärische Unterwassertechnologie. Zunächst umfasst die Transaktion ein Volumen von rund 600 Millionen Euro.
Vorausgegangen waren die Übernahmen von Remazel (2024) und WASS (2025); die neuen Akquisitionen setzen die Unterwasserstrategie fort, die der Geschäftsplan 2026–2030 angekündigt hat. Den Großteil der Finanzierung stellt die Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro vom Februar 2026. An der Verschuldungsprognose für 2026 ändert sich laut Fincantieri nichts, die Finanzziele für 2028 und 2030 sollen hingegen besser ausfallen.
Acht spezialisierte Unternehmen gehören nach den vier Zukäufen künftig zu Fincantieri. Gemeinsam beschäftigen sie rund 1.500 hochqualifizierte Mitarbeiter – in Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Abgedeckt werden soll damit die gesamte Wertschöpfungskette, angefangen bei Unterwasserplattformen, Sensorik und Robotik über Kommunikationssysteme bis zu Dienstleistungen, jeweils für zivile und militärische Kunden.
Vier Spezialisten für Unterwassertechnologie
Gezielt ergänzen die Neuzugänge das Portfolio:
- Next Geosolutions: einer der führenden Anbieter in Meeresvermessung, Geowissenschaften und Offshore-Unterstützungsleistungen
- WSense: Kommunikationssysteme für den Unterwassereinsatz und Technologien rund um das „Internet of Underwater Things” (IoUT)
- Graal Tech: Spezialist für autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV/ROV)
- Defcomm: Entwickler autonomer unbemannter Überwasserfahrzeuge (USV), die Überwachungs- und Sicherheitsaufgaben übernehmen
Kritische Infrastruktur unter Wasser im Fokus
Eingegliedert werden die Unternehmen in den bestehenden Unterwasser-Hub des Konzerns. Angestrebt sind vollständig vernetzte End-to-End-Lösungen für den Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur, die Sicherheit auf See, Offshore-Energieprojekte und militärische Anwendungen. Wie das aussehen kann, zeigt die Kombination aus Vermessungsdiensten von Next Geosolutions, VARD-Arbeitsschiffen, Aussetzsystemen von Remazel, Drohnen von Graal Tech und Lösungen von WSense für die Kommunikation unter Wasser.
Hinter dem Schritt steht ein Markt, den geopolitische Spannungen und der Schutz kritischer Infrastruktur zunehmend wichtiger machen. Etwa 1,5 Millionen Kilometer Unterseekabel ziehen sich um den Globus; sie tragen 99 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Auch Offshore-Energieanlagen, Pipelines, Häfen und Sensorik unter Wasser rücken für zivile wie militärische Auftraggeber stärker in den Vordergrund.
Finanzziele rücken vier Jahre näher
Wirtschaftlich verschafft die Transaktion dem Konzern einen deutlichen Wachstumsschub. Auf Pro-forma-Basis werden für den Unterwasserbereich schon 2026 rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz und etwa 220 Millionen Euro EBITDA erwartet. Damit wären Ziele, die eigentlich für 2030 galten, vier Jahre vorher erfüllt. Für 2030 lauten die neuen Vorgaben 1,8 Milliarden Euro Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 23 Prozent.
Auf Konzernebene rechnet Fincantieri dank der Übernahmen bereits 2026 mit einem um 13 Prozent höheren EBITDA und einem um 40 Prozent höheren Nettogewinn, jeweils gemessen an der bisherigen Planung. Beim Gewinn je Aktie wird bis 2028 ein Plus von rund 30 Prozent und bis 2030 von etwa 20 Prozent erwartet.
Für CEO Pierroberto Folgiero sind die Übernahmen eine „historische Transformation” des Unternehmens. Durch die vollständige Integration von Technologien, Kompetenzen und operativen Fähigkeiten wachse ein international führender Akteur im Unterwassersegment heran; die Konzernstrategie lasse sich so deutlich schneller umsetzen, und im stark wachsenden Dual-Use-Markt werde die eigene Position nachhaltig gestärkt.
Fotocredits
© FincantieriWeiterlesen

Loitering Munition Virtus von Stark: Panzerbrigade 45 „Litauen“ erprobt das System bei „Freedom Shield 2026“

Drohnenstationen für die Seeüberwachung: Rift beginnt Tests vor der französischen Küste

Seedrohnen für die Ostsee: Schweden kauft Überwachung von Saildrone als Dienstleistung

Seedrohnen: Eviden stellt mit SMX einen elektromagnetischen Navigationssensor vor

