Drohnenabwehr statt Schützenpanzer: Estland legt 500-Millionen-Euro-Programm auf Eis
Tallinn verlängert die Nutzung seiner CV90 und schichtet Mittel um: Drohnenabwehr, Luftverteidigung und Aufklärung erhalten Vorrang. Wie das Geld genau verteilt wird, soll eine neue Empfehlung des Generalstabschefs klären.

Die Regierung in Tallinn hat entschieden, ein Beschaffungsprogramm für neue Schützenpanzer im Umfang von rund 500 Millionen Euro vorerst auszusetzen, wie die estnische Tageszeitung Postimees berichtet. Fließen soll das Geld stattdessen gezielt in Drohnenabwehr, Luftverteidigung und Lageaufklärung.
Notwendige Verschiebungen bei den Prioritäten nannte Verteidigungsminister Hanno Pevkur als Grund: Mindestens zehn Jahre länger als bisher sollen die vorhandenen CV90-Schützenpanzer im Dienst bleiben. Das erfordere zwar erhebliche Investitionen, sei aber deutlich günstiger, als komplett neu zu beschaffen.
Für die Zukunft setzen die estnischen Streitkräfte stärker auf Feuerkraft, Mobilität und unbemannte Systeme, vor allem aber auf bessere Aufklärungsfähigkeiten. Zentrale Bedeutung haben dabei die „Augen und Ohren” der Luftverteidigung, gemeint sind Sensorik und Systeme, die Bedrohungen frühzeitig erkennen.
Lehren aus der Ukraine für die Drohnenabwehr
Mit der Neuausrichtung zieht Estland auch unmittelbar Lehren aus dem Krieg in der Ukraine. Pevkur zufolge rückt in der modernen Gefechtsführung immer mehr die Wirkung auf große Distanz in den Vordergrund, ebenso der umfassende Einsatz von Aufklärungs- und Drohnensystemen. Klassische gepanzerte Verbände behalten demnach ihre Relevanz, büßen aber ihre dominante Rolle ein.
Wofür die frei werdenden Mittel im Einzelnen verwendet werden, wird derzeit noch geplant. Die Basis bildet eine aktualisierte militärische Empfehlung des Generalstabschefs; auf ihrer Grundlage will die Regierung den neuen Investitionsplan beschließen.
Unter Druck setzen die Regierung zusätzlich jüngste Vorfälle im estnischen Luftraum: Wiederholt flogen Drohnen nach Estland ein, die eigentlich Ziele in Russland angegriffen hatten. Laut Postimees zeigen diese Ereignisse, wie dringend die Fähigkeiten zur Drohnendetektion und -abwehr rasch ausgebaut werden müssen.
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© Eesti KaitsevaegiWeiterlesen

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