Drohnenabwehr an der EU-Ostgrenze: Kommissar Kubilius treibt „Drohnenmauer“ voran
Nach dem Eindringen von mindestens 19 russischen Drohnen in Polen will EU-Kommissar Andrius Kubilius die Drohnenabwehr im Osten rasch ausbauen. Die Kosten sind offen, die Ukraine soll Erfahrung einbringen.

Russische Drohnen sind in großer Zahl in den Luftraum von EU-Staaten eingeflogen – nach Polen und den baltischen Staaten zuletzt auch nach Rumänien. Das hat Andrius Kubilius auf den Plan gerufen. Der Litauer, in der EU-Kommission für Verteidigung und Raumfahrt zuständig, drängt nun auf den Aufbau einer „Drohnenmauer” als Element der Drohnenabwehr.
Gegenüber Reuters sagte Kubilius, eine Verteidigungslinie gegen Drohnen sei schon vor dem Vorfall in Polen Thema gewesen. Mindestens 19 russische Drohnen drangen in der Nacht vom 9. auf den 10. September in den polnischen Luftraum ein.

Gespräche über Drohnenabwehr entlang der Ostgrenze
Schon in der kommenden Woche will Kubilius die Verteidigungsminister der EU zu Gesprächen zusammenrufen. Thema ist die Errichtung einer „Drohnenmauer” an der Ostgrenze der Union, ein Vorhaben, das ihm zufolge dringlicher geworden ist.
Reuters gibt Kubilius mit folgenden Worten wieder: „Wir wollen wirklich mit sehr, sehr intensiven und effektiven Vorbereitungen vorankommen, um diese für uns wirklich sehr gefährliche Lücke so schnell wie möglich zu schließen”.
Vorgesehen sind Videokonferenzen, an denen Verteidigungsminister aus Osteuropa sowie ein Vertreter der Ukraine teilnehmen. Ausgetauscht werden sollen dabei die Lehren aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Erst Anfang der Woche hatte Andrius Kubilius Kiew besucht. Die ukrainische Nachrichtenplattform Ukrinform zitiert ihn so: „Der Vorfall mit russischen Drohnen über Polen hat gezeigt, dass wir unsere Fähigkeiten zur Verteidigung gegen mögliche Drohnenangriffe sehr, sehr schnell ausbauen müssen. Dies ist notwendig, und deshalb werden wir bei der Entwicklung dieses wichtigen Projekts mit der Ukraine zusammenarbeiten.”
Kosten noch offen, Aufbau binnen eines Jahres denkbar
Mit den Grenzstaaten, für die das Vorhaben in erster Linie gedacht ist, hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die derzeit „Drohnenmauer” genannte Initiative bereits besprochen.
Die Kosten eines solchen Systems lassen sich laut Kubilius gegenüber Reuters noch nicht abschätzen. Nach den Erfahrungen der Ukraine und Schätzungen von Analysten könnte es aber innerhalb eines Jahres eingerichtet werden.
Davon unabhängig kündigte der ukrainische Verteidigungsminister Denys Shmyhal am Donnerstag an, ukrainische Truppen und Ingenieure würden polnische Kollegen in einer gemeinsamen Gruppe zur Drohnenabwehr schulen. Tag für Tag wehrt die Ukraine mittlerweile zahlreiche russische Aufklärungs- und Angriffsdrohnen erfolgreich ab und setzt dabei auf vergleichsweise günstige Abfangdrohnen.
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