Drohnenabwehr für Fahrzeuge: Grazer Start-up Guardaero holt in München den „Protection Award“
Beim Defence Innovation Pitch Day 2026 in München ging der „Protection Award“ nach Graz. Ausgezeichnet wurde Guardaero für APS1, ein aktives System zur Drohnenabwehr, das Militärfahrzeuge automatisch gegen FPV-Drohnen schützen soll. Die Marktreife ist für 2027 geplant.

Ein Defence-Tech-Start-up aus Österreich hat sich mit Drohnenabwehr in München durchgesetzt: Den „Protection Award” des Defence Innovation Pitch Day 2026 sicherte sich das Grazer Unternehmen Guardaero. Den Ausschlag gab APS1, ein aktives Schutzsystem, mit dem militärische Fahrzeuge automatisch gegen anfliegende Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) abgesichert werden sollen.
Veranstalter der Präsentationsrunde war der Behörden Spiegel. Rund 150 geladene Gäste aus Bundeswehr, Verteidigungsindustrie, Forschung und Start-up-Szene kamen dafür am 19. Oktober in der Alten Rotation in München zusammen. Thema waren neue Technologien, die von der Entwicklung möglichst schnell in die militärische Nutzung gelangen sollen.
Im Vordergrund standen – anders als bei den üblichen Treffen mit Investoren – praktische Vorführungen, Prototypen zum Anfassen und das direkte Gespräch mit militärischen Nutzern. Gezeigt wurden nicht nur Lösungen für Drohnenabwehr und Schutz, sondern etwa auch Neuheiten aus Sensorik, Robotik, Kommunikation und Aufklärung.
In der Kategorie „Protection” lag Guardaero mit APS1, seinem aktiven System gegen Drohnen, vorn.
Letzte Verteidigungslinie gegen FPV-Angriffe
Gegründet wurde das Unternehmen 2025. Es arbeitet an einem modularen System, das Militärfahrzeuge im unmittelbaren Nahbereich vor Angriffen aus der Luft durch Drohnen schützen soll. Passive Sensoren erfassen und verfolgen die anfliegenden Drohnen, bekämpft werden sie anschließend von einem kinetischen Effektor.
Derzeit verwendet Guardaero dafür eine Lösung auf Schrotbasis. Gedacht ist APS1 als letzte Verteidigungslinie gegen angreifende Drohnen, die vorhandene Schutzmaßnahmen ergänzt.
Weil die Technologie an kein bestimmtes Fahrzeug gebunden ist, kann sie grundsätzlich auch nachträglich in vorhandene Flotten eingebaut werden – das reicht vom Geländewagen bis zum gepanzerten Gefechtsfahrzeug.
Drohnenabwehr in Forschungsprojekt mit dem Bundesheer erprobt
Ausgezeichnet wurde Guardaero nicht zum ersten Mal. Schon Anfang 2025 hatte das Unternehmen bei der ersten Austrian Defence Innovation Conference (ADIC) in Klagenfurt die Defence Innovation Garage Challenge für sich entschieden.
Aus diesem Sieg ging ein Forschungsprojekt mit dem österreichischen Verteidigungsministerium und dem Bundesheer hervor. Unter realen Testbedingungen ist das System seither mehrfach erprobt worden, angreifende Drohnen wurden dabei erfolgreich bekämpft.
Gemeinsam mit dem Bundesheer zeigte Guardaero APS1 im Mai 2026 auf einem Militärfahrzeug, und zwar beim Technologie-Tag des Europa-Forums Wachau.
Nach Angaben von Lukas Kerschdorfer, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, kann das System Drohnen derzeit auf bis zu 80 Meter Entfernung erkennen und ab etwa 50 Metern bekämpfen.
Ziel Marktreife 2027
Wirtschaftlich ist das Start-up zuletzt ebenfalls vorangekommen. Eine Seed-Finanzierungsrunde im niedrigen einstelligen Millionenbereich wurde im Frühjahr abgeschlossen. Unter den Investoren sind Angels United und die BKlemen Beteiligungsgesellschaft.
Das Team ist inzwischen zweistellig. Zusätzlich zum Hauptsitz in Graz unterhält Guardaero einen Standort in Gilching in Bayern.
Die Scharfschusstests sind erfolgreich abgeschlossen, im Zentrum der Entwicklung steht jetzt der Einbau des Schutzsystems in verschiedene Fahrzeugplattformen. Für eine breitere Nutzung in militärischen Fahrzeugflotten soll APS1 bis 2027 marktreif sein.
Durch den Preis in München rückt das österreichische Unternehmen auf dem deutschen Verteidigungsmarkt stärker in den Blick. Damit bietet sich ihm die Chance, potenziellen Industriepartnern und militärischen Nutzern seine Technologie direkt zu präsentieren.
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