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Drohnenabwehr per Mobilfunknetz: Rheinmetall und Deutsche Telekom entwickeln gemeinsamen Schutzschirm

Ein Abwehrschirm gegen Drohnen und Cyberangriffe ist das Ziel: Für die Drohnenabwehr bringt Rheinmetall seine Effektoren ein, die Deutsche Telekom ihr Mobilfunknetz. Geschützt werden sollen kritische Infrastrukturen, zivile Betriebsstätten und Großveranstaltungen.

Rheinmetall will mit Mobilfunknetz Drohnen aufspüren
© iStock/NewSaetiew

Gegen Drohnen und Cyberangriffe bauen Rheinmetall und die Deutsche Telekom gemeinsam einen Abwehrschirm. Bei dieser Entwicklung für die Drohnenabwehr steht der Schutz kritischer Infrastrukturen, ziviler Betriebsstätten und großer Veranstaltungen im Mittelpunkt.

Wie viel eine einzige Drohne anrichten kann, belegen die wiederholten Vorfälle am Münchner Flughafen und an anderen europäischen Flughäfen: Der Betrieb steht komplett still, Passagiere stranden, wirtschaftliche Schäden entstehen. Aus früheren Einzelfällen ist heute Alltag geworden.

Netzbetreiber trifft Verteidigungskonzern

An diesem Punkt knüpft die Zusammenarbeit der beiden Konzerne an. Aus Düsseldorf kommt mit Rheinmetall ein Verteidigungsunternehmen, das auf jahrelange Erfahrung in der Drohnenabwehr zurückgreift. Der Telekommunikationsanbieter aus Bonn steuert sein flächendeckendes Mobilfunknetz bei, dazu umfangreiches Know-how bei der Absicherung großer Ereignisse.

Entstehen soll ein modulares Schutzsystem der beiden DAX-Unternehmen, das sich flexibel auf unterschiedliche Bedrohungslagen einstellen lässt. Das Konzept dahinter heißt Multi-Threat-Protection: In Phase eins steht die Drohnenabwehr im Zentrum, später soll die Lösung auch Bedrohungen an Land, auf dem Wasser und im Cyberraum abdecken.

Bausteine je nach Gefährdungslage

Je nach Szenario und Gefährdung kombinieren die Partner verschiedene Technologien – von der Erkennung über die Identifikation bis hin zur Abwehr. Sensorik beherrschen beide Unternehmen, für die Effektoren ist Rheinmetall zuständig. Von der Deutschen Telekom stammen sichere Kommunikationsnetze und 5G-Campusnetze, Cloud-Technologie sowie Datenanalyse.

Aus den einzelnen Fähigkeitsbausteinen entstehen flexibel kombinierbare, maßgeschneiderte Lösungen. Der Grund: Ein Flughafen oder eine Blaulichtorganisation braucht andere Schutzmechanismen als Kraftwerksbetreiber oder Industrieunternehmen.

Wie unterschiedlich die Anforderungen auch ausfallen, das Ziel bleibt stets dasselbe: Drohnen früh zu detektieren und der Bedrohung mit Störsignalen, Abfangdrohnen oder – abhängig von Umgebung und Zulässigkeit – mit laserbasierten Abwehrsystemen zu begegnen.

Wenn das Netz selbst Alarm schlägt

Die Mehrzahl der derzeit am Markt erhältlichen Drohnen wird noch von einem Piloten in Sichtweite gesteuert, und zwar per Fernbedienung über eine Funkfrequenz. Zum Aufspüren kombiniert die Telekom Video-, Audio-, Radiofrequenz- und Remote-ID-Sensoren mit Radar.

Bewährt haben sich vor allem in dicht bebauten Stadtgebieten passive Radiofrequenz-Sensoren. Weil sie kein eigenes aktives Suchsignal aussenden, können sie ohne Weiteres an Funkmasten angebracht werden. Im sogenannten unteren Luftraum erfassen sie derzeit mehr als 90 Prozent aller Drohnen.

Immer häufiger werden jedoch handelsübliche wie selbstgebaute Drohnen per Smartphone über das Internet gesteuert. Möglich macht das der flächendeckende Ausbau leistungsfähiger Mobilfunknetze – über große Distanzen und praktisch von jedem Ort aus.

Wie sich derart mobilfunkgesteuerte Drohnen identifizieren lassen, untersucht die Telekom deshalb gemeinsam mit der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr sowie im Projekt „Sensation” des Bundesforschungsministeriums. Neu daran: Das Mobilfunknetz wird selbst zu einem aktiven Teil der Verteidigung.

Verdächtige Kommunikationsmuster erkennt das Netz und meldet mögliche Bedrohungen in Echtzeit. Damit reicht der Ansatz weit über klassische Radar- oder Kamerasysteme hinaus und eröffnet der Früherkennung eine neue Dimension. Selbst ein aktives Unterbinden solcher Steuerungsdatenströme ist technisch möglich; die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür sind derzeit noch in Klärung.

Ein Lagezentrum für ganz Deutschland

Auch diese neue Form der Drohnendetektion soll in das gemeinsame Vorhaben von Rheinmetall und Telekom eingehen. Langfristig haben die Partner ein deutschlandweites Drohnenlagezentrum im Blick.

Diese Plattform wird – anders als militärische Luftlagebilder – nicht klassifiziert und ist für alle Kunden offen. Unternehmen und Infrastrukturbetreiber nutzen damit nicht nur, was ihre eigenen Systeme erkennen, sondern bekommen auch Informationen über Detektionen bei anderen Nutzern und aus öffentlich zugänglichen Quellen.

Aktuelle Bedrohungen bewertet eine Datenfusion mit KI-gestützten Prognosen, die zudem Folgeanalysen erlaubt. Getragen vom leistungsstarken Mobilfunknetz der Telekom und einem entsprechenden terrestrischen Netz entsteht so ein Schutzschirm mit regionaler wie überregionaler Wirkung.

Erfahrung aus realen Einsätzen

Seit 2016 testet die Telekom, was Drohnendetektion leisten kann. Zu ihren Kunden gehören verschiedene Behörden ebenso wie die Bundeswehr, Flughäfen und Unternehmen. Kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents hat der Konzern im In- und Ausland bereits gegen Drohnen abgesichert.

Rheinmetall will mit Mobilfunknetz Drohnen aufspüren
© iStock, primipil

Während der Fußball-Europameisterschaft 2024 spürte das Telekommunikationsunternehmen im Auftrag der Polizei illegale Drohnenflüge zuverlässig auf. Weil die Lokalisierung punktgenau war, fanden Einsatzkräfte die Piloten rasch.

Rheinmetall wiederum gehört zu den führenden Systemhäusern der Flugabwehr im Nah- und Nächstbereich. Effektoren des Technologiekonzerns aus Düsseldorf werden derzeit in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten eingesetzt.

Mit der Polizei Hamburg und der Hamburg Port Authority ging Rheinmetall im Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft ein. Entwickelt werden sollen Konzepte zur Detektion und Abwehr von Drohnen für einen der anspruchsvollsten Standorte Europas: Wegen seiner dichten Infrastruktur, der maritimen Bedingungen und der vielen Funkquellen gilt der Hamburger Hafen als besonders schwieriges Umfeld für Detektionssysteme.

Drohnenabwehr bald kommerziell verfügbar

Ehrgeizig sind die Zeitpläne. Bei verschiedenen Kunden laufen einzelne Lösungen bereits im produktiven Betrieb. Fertig sind die Komponenten aus Phase eins für Erkennung, Identifikation und Abwehr von Drohnen; in wenigen Monaten werden sie kommerziell erhältlich sein – auch als Kombination der Fähigkeiten beider Konzerne.

In Phase zwei und den weiteren Ausbaustufen kommen zusätzliche Schutzfunktionen gegen Angriffe aus dem Cyberraum hinzu, was gerade für kleinere und mittlere Betriebe interessant wird.

Sicherheit nur noch vernetzt

Gemeinsam ist beiden DAX-Unternehmen die Überzeugung, dass sich Sicherheit heute nur noch vernetzt denken lässt.

Die strategische Dimension des Projekts brachte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, so auf den Punkt: „Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.”

Seitens der Deutschen Telekom unterstrich Vorstandsvorsitzender Tim Höttges: „Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Mit der Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringt die Telekom Drohnenabwehr auf ein neues Level.”

Zusammen mit Rheinmetall werde so die Souveränität gestärkt und ein Beitrag geleistet, um Sorgen in der Bevölkerung zu verringern.

Fotocredits

© iStock/NewSaetiew · © iStock, primipil
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