Abfangdrohne Yolka: Russland bringt sein System gegen ukrainische Angriffsdrohnen in die Breite
Seit Wochen tauchen immer mehr Einsatzvideos der Yolka auf. Sie zeigen eine Abfangdrohne, die wie ein MANPADS-System bedient wird, nach dem Fire-and-Forget-Prinzip fliegt und laut russischen Angaben schon über 100 Ziele bekämpft haben soll.

Einsatzvideos der Yolka (Ёлки/Tannenbaum) häufen sich seit Wochen spürbar. Als autonome Abfangdrohne soll das System im Rahmen der Drohnenabwehr ukrainische unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) bekämpfen. Lange Zeit machte das System den Eindruck eines Nischenprojekts, mittlerweile dürfte es in der breiten Erprobung bei der Truppe angekommen sein. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Russland die Entwicklung beendet und die Serienfertigung zumindest vorbereitet, womöglich auch schon gestartet hat.
Aus russischer Sicht heißt das: Einsatzreif ist die Hardware, mit einer Massenfertigung ist zu rechnen, sofern sie nicht bereits anläuft. Genannt wird Moskau als Ort der Produktion.

Vom Roten Platz an die Front
Ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit geriet die Yolka erstmals bei den Maiveranstaltungen 2025 auf dem Roten Platz in Moskau. Auf einem geleakten Video ist die Drohne in der Nähe des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sehen. Getragen wird sie, halb verdeckt, von einer Person, die allem Anschein nach zu dessen Personenschutz zählt.
Im Anschluss geriet das System öffentlich weitgehend in Vergessenheit. Abgesehen von einzelnen Bildern und Videos deutete nichts auf eine Verwendung in großem Umfang hin. Inzwischen sieht das anders aus: Die Zahl der Yolka-Videos wächst seit Wochen, und was darauf zu sehen ist, verdient Beachtung.
Russische Medienberichte und die Aufnahmen selbst lassen gleichermaßen erkennen, dass die Yolka einem MANPADS-System (-> Kleinstraketen mit großer Wirkung: Was sind MANPADS?) nicht nur in der einfachen Handhabung ähnelt, sondern auch im Flugverhalten.
Als „einfach und intuitiv” wird die Bedienung beschrieben. Der Schütze richtet die Optik – analog zu einer MANPADS-Rakete – über einen Handgriff mit Startschiene auf das Ziel aus. Ist das System aktiviert, sind Piepsignale mit hörbar wechselnder Frequenz zu vernehmen, ehe der Start ausgelöst wird.
Videos der russischen Abfangdrohne „Yolka“
1/2#WarOfDrones pic.twitter.com/ypXrjluJt7— Martin Rosenkranz🇦🇹🇪🇺🇺🇳🇺🇦🇮🇱 (@MartinRosenkra3) June 13, 2026
Zwei Paar X-Flügel prägen die Bauform. Vorne sitzt ein kleineres X zur Stabilisierung; am hinteren X sind pro Fläche jeweils ein Propeller sowie Steuerflächen zu erkennen. Der Kopf trägt zwei Optiken und Kühlschlitze. Nach dem äußeren Eindruck dürfte die Struktur im 3D-Druck gefertigt werden.

Abfangdrohne nach dem Fire-and-Forget-Prinzip
Am MANPADS-Prinzip orientiert sich also nicht allein die Handhabung durch den Schützen, sondern ebenso das Verhalten der Drohne. Deutlich erkennbar folgt das Bedienkonzept dem „Fire-and-Forget”-Prinzip: Ist die Drohne gestartet, kann der Schütze den weiteren Flug nicht mehr beeinflussen – ihm bleibt nur noch die Rolle des Zuschauers.
Zu sehen bekommt er dabei Bemerkenswertes. Offenkundig nutzt die Yolka eine proportionale Navigation. Ihren Kurs gleicht sie also so an das Ziel an, dass die Peilung zum Ziel im Verhältnis zur eigenen Flugrichtung unverändert bleibt. Die Yolka läuft nicht der jeweils aktuellen Zielposition hinterher, sondern hält einen konstanten Kollisionswinkel ein und verkürzt so die Distanz.

Einen Gefechtskopf hat die Drohne russischen Artikeln zufolge nicht. Beschädigt oder zerstört wird das Ziel durch die kinetische Energie, die beim Aufprall frei wird. Dem Zielsystem wird eine KI-gestützte Mustererkennung zugeschrieben, die gezielt die Rotoren der angegriffenen Drohnen anvisieren soll.
Die Angaben zur Höchstgeschwindigkeit liegen bei 200 bis 250 km/h. Für die effektive Einsatzreichweite werden 2 bis 5 Kilometer genannt, für die maximale Einsatzhöhe 1,5 bis 2 Kilometer.
Mehr als 100 bestätigte Abschüsse melden die jüngsten russischen Berichte. Über 100 Ziele sollen demnach bereits erfolgreich mit dem System bekämpft worden sein.
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