Abfangdrohnen gegen Geran-2: Kiew überführt Projekt „Klarer Himmel” in den Regelbetrieb
Fast 550 abgefangene Geran-2 in der Pilotphase, nun 5,3 Millionen Euro für den Ausbau: Kiew setzt mit „Klarer Himmel” auf Abfangdrohnen. Gegen Sättigungsangriffe gilt das System derzeit noch als anfällig.

Russische Geran-2-Angriffsdrohnen mit Abfangdrohnen zu bekämpfen, war in Kiew bislang ein Experiment – nun geht das Projekt in den regulären Betrieb über. Offiziell mitgeteilt hat das die Militärverwaltung der Stadt Kiew (KMVA) am 11. Juli. Bisher lief das System „Klarer Himmel” (Чистое небо) im Pilotformat; für die Skalierung stehen jetzt 5,3 Millionen Euro (260 Millionen Griwna) bereit.
Timur Tkatschenko, Leiter der KMVA, erklärte: „Auf Anweisung des Präsidenten führen wir ein vollwertiges System zum Abfangen feindlicher Drohnen ein, die in Richtung Kiew fliegen”.
Eine Kuppel aus Abfangdrohnen über der Stadt
Entstehen soll eine städtische Anti-Drohnen-Kuppel, getragen vom massenhaften Einsatz kleiner Abfangjäger – überwiegend Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View). Abgefangen wird auf Grundlage von Radar- und Sichtdaten. Auf militärische Kommandoposten ist „Klarer Himmel” nur in geringem Maß angewiesen, das System kann dezentral arbeiten. Die Abfangeinsätze finden auf kurze Distanz statt, häufig rammt die FPV-Drohne ihr Ziel.
Zum System gehören die Berechnung der Abfanggeometrie, ein Zentrum für Überwachung und Koordination sowie ein Schulungszentrum samt Übungsgelände, auf dem neue Taktiken und technische Mittel erprobt werden.

Einschränkend räumt Kiew ein, dass Sättigungsangriffe das System zumindest derzeit noch verwundbar machen. Greifen 20 bis 30 Angriffsdrohnen als Schwarm aus verschiedenen Richtungen an, könnten sie die Verteidigung durchbrechen, sofern die Berechnungen nicht ausreichen.
Zugleich ist der Einsatz einer Abfangdrohne gegen eine Geran-2 deutlich günstiger und schneller als andere Mittel der klassischen militärischen Luftverteidigung – und in größerer Zahl verfügbar.
In seiner experimentellen Phase hat Kiews „Klarer Himmel” fast 550 russische Geran-2-Drohnen abgefangen. Das Projekt steht beispielhaft für taktische Anpassung an einen Mangel an Flugabwehrraketensystemen und eine überlastete klassische Luftverteidigung.
Einen Ersatz für die mehrschichtige Verteidigung mit Raketen und Radar stelle „Klarer Himmel” nicht dar; vielmehr lassen sich damit kritische Einrichtungen rasch abdecken – allen voran die Hauptstadt Kiew.
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