Abfangdrohnen der nächsten Generation: Spys, Skyron 400, P1-Sun Jet Killer und Sting
Ob Spys von WIY Drones, Skyron 400 von Quantum Systems oder die Jet-Killer-Version von Skyfall: Neue Abfangdrohnen werden schneller und steigen höher. Ein Überblick über Projekte in Entwicklung und Systeme, die bereits fliegen.

Gegen Luftziele mit hoher Geschwindigkeit sollen neue Abfangdrohnen eingesetzt werden – und damit das Gefüge der Flugabwehr ein weiteres Mal verändern.
Abfangdrohnen von WIY Drones: von Strila bis Spys
Schritt für Schritt baut WIY Drones aus der Ukraine seine Palette an Abfangdrohnen aus. Den Anfang machte die Strila, die bis zu 350 Stundenkilometer schnell fliegt. Zwölf Minuten Flugdauer, eine Reichweite von rund 20 Kilometern und eine Flughöhe von bis zu 6.000 Metern machen sie ideal für das Abfangen von Angriffsdrohnen wie Shahed und Geran-2 sowie von Aufklärungsdrohnen der Typen Zala, Orlan und SuperCam. Kodifiziert ist die Strila nach den Standards der NATO (NCS).

Auf mehr Reichweite ausgelegt ist die Strila 2 LR: Bis zu 30 Minuten hält sie sich in der Luft, in einem Radius von 25 Kilometern kommt sie auf bis zu 310 Stundenkilometer. Deutlich höhere Geschwindigkeit verspricht die Spys, an der derzeit noch entwickelt wird. Mit bis zu 600 Stundenkilometern ist sie fast doppelt so schnell wie die beiden langsameren Schwestermodelle, im Gegenzug fällt die Flugzeit auf fünf Minuten und die Reichweite auf bis zu zwölf Kilometer.
Für die Spys sind außerdem ein automatischer Start, ein selbsttätiger Anflug in das Abfanggebiet und eine KI-gestützte, automatisierte Zielerfassung in Arbeit. Ein Radar weist der Abfangdrohne ihr Ziel zu, vergleichbar mit einer Flugabwehrrakete. Über Tageslicht- oder Wärmebildkameras und eine Videoverbindung mit mehreren Kanälen verfolgt der Bediener den Flug mit. Als Wirkmittel dient ein HE-Gefechtskopf mit 300 Gramm.
Eine weitere Variante, Spys HL, befindet sich ebenfalls in Entwicklung. Sie startet nicht automatisch und ferngesteuert vom Boden: Ein Schütze schaltet sie über Griffstück und Schulterstütze manuell auf das Ziel auf, ähnlich wie bei einer MANPADS-Flugabwehrrakete (-> MANPADS: Kleinstraketen mit großer Wirkung). Weil der Werfer kompakt ist, lässt sich das System rasch verlegen und ohne ortsfeste Infrastruktur starten. Gedacht ist es für den mobilen Schutz von Stellungen, Einheiten und kritischer Infrastruktur.
Skyron 400 aus dem Joint Venture mit Quantum Systems
Gemeinsam mit dem deutschen Drohnenspezialisten Quantum Systems hat WIY Drones im April 2026 das Joint Venture Quantum WIY Industries (QWI) gegründet. Aus dieser Kooperation stammt der Next-Gen Counter-UAV Intercepter. Entwickelt hat Quantum Systems die Skyron 400, um eine Lücke zu schließen: jene zwischen leistungsstarken Luftverteidigungssystemen wie Iris-T SLM, NASAMS und Patriot auf der einen und Drohnenabwehrsystemen auf Kanonenbasis mit geringerer Reichweite auf der anderen Seite. Auf massive Bedrohungen durch unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) soll das System skalierbar reagieren.

Abgestimmt ist die Skyron 400 auf die Flugprofile moderner Loitering Munitions: Sie fliegt bis zu 380 Stundenkilometer schnell, bis zu 50 Kilometer weit und 25 Minuten lang und fängt Ziele in bis zu 5.000 Metern Höhe ab. Das Gleichgewicht wiederherzustellen ist das erklärte Ziel. Konstruiert wurde die Drohne gegen Angriffsdrohnen und gegen Aufklärungsdrohnen in mittlerer Flughöhe; schnelle und präzise Einsätze sind mit ihr zu einem Bruchteil der Kosten möglich. Wertvolle Luftverteidigungssysteme stehen so weiterhin für jene Bedrohungen bereit, gegen die sie eigentlich konzipiert wurden.
Als Steuerungssoftware kommt Mosaic UXS zum Einsatz. Externe Radarsensoren übernehmen das Erkennen und Zuweisen der Ziele. Der Bediener kontrolliert die Abfangdrohne und teilt ihr ein Ziel zu, danach navigiert sie allerdings autonom.

Skyfall: Jet-Killer-Version der P1-Sun
Auch Skyfall, ein Drohnenentwickler aus der Ukraine, hat nachgelegt. Mit der Version P1-Sun Jet Killer wurde die Abfangdrohne P1-Sun auf die Bekämpfung schnellerer Ziele in großer Höhe optimiert. Innerhalb von 15 Minuten legt sie bis zu 30 Kilometer zurück, sie steigt auf bis zu 9.000 Meter und fliegt bis zu 370 Stundenkilometer schnell. An Bord befindet sich ein HE-Gefechtskopf mit 500 Gramm. Zur Ausstattung der bereits eingesetzten P1-Sun Jet Killer gehören eine Tageslicht- oder Infrarotkamera, analoge oder digitale Bildübertragung sowie ein KI-Modul, das Ziele automatisch erkennt.
? Рекорд перехоплень на висоті: воїни 105-го прикордонного загону ДПСУ, перехопили ворожий ZALA Z-20 дроном-перехоплювачем STING на висоті 6 858 м.
БПЗ pic.twitter.com/LjtxvRS9gY— 10 квітня (@buch10_04) July 31, 2026
Wild Hornets und die Sting
Neue Rekorde scheut Wild Hornets, ein Drohnenspezialist aus der Ukraine, nicht. Mehr als 9.000 Ziele hat das Unternehmen nach eigenen Angaben allein im ersten Halbjahr mit der Abfangdrohne Sting abgefangen. Unter den jüngsten auffälligen Zahlen finden sich mehrere erfolgreiche Einsätze gegen die russische Aufklärungsdrohne Zala Z-20 in 5.000 bis 7.000 Metern Höhe. Dazu kommt Hornet CTRL, ein eigenes System, mit dem Piloten Sting-Abfangdrohnen über Hunderte Kilometer Entfernung steuern und erfolgreich einsetzen.
Fotocredits
© WIY Drones · © Quantum Systems · © SkyfallWeiterlesen

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