Drohnenabwehr mit 70-Millimeter-Rakete: Thales Belgien zeigt Proxy auf der Eurosatory 2026
Auf der Eurosatory 2026 waren 70-Millimeter-Raketenwerfer allgegenwärtig. Thales Belgien zeigte dort erstmals den Suchkopf der Proxy, einer Rakete für die Drohnenabwehr im niedrigen fünfstelligen Preisbereich – manche Details ließ das Unternehmen offen.

Die Eurosatory 2026 in Paris erstreckte sich über vier große Hallen und zwei große Außenflächen mit zusammen mehr als 285.000 Quadratmetern. Ob bemannte oder unbemannte Fahrzeuge, ferngesteuerte Waffenstationen in großer Zahl oder fliegende Drohnen: In sämtlichen Hallen und auf den Freigeländen tauchte immer wieder dasselbe Element auf – der 70-Millimeter-Raketenwerfer. Häufig gehörten auch Modelle der aktuellen FZ275 LGR von Thales Belgien zu den Präsentationen; aus vielen Werfern ragte die unverwechselbare Spitze eines Raketenmodells. Erstmals zu sehen war der Suchkopf der jüngsten Generation dieser passiv lasergelenkten 70-Millimeter-Rakete, die Thales Belgien für die Drohnenabwehr (C-UAS) positioniert, jedoch nur an einem Ort: in Halle 6 bei Thales Belgien selbst.
Proxy: Annäherungssensor auf LiDAR-Basis
Bei der FZ275 LGR MOD.40, die in der Pressemeldung kurz „Proxy” heißt, fallen die Änderungen erheblich aus. Ihren Namen verdankt sie einem neu integrierten 360-Grad-Annäherungssensor, der auf LiDAR basiert. Ebenfalls neu ist ein Splittergefechtskopf, der eigens gegen Bedrohungen aus der Luft entwickelt wurde. Positioniert wird die Rakete als C-UAS-System gegen Drohnen der NATO-Klassen 1 (weniger als 150 Kilogramm) und 2 (150 bis 600 Kilogramm). Starten lässt sie sich vom Boden, aus der Luft oder von See aus.
Ausdrücklich angestrebt wird, die Gesamtkosten der Luftverteidigung zu senken, indem mit hochwertigen Raketen wie AMRAAM oder Patriot sparsam umgegangen wird. Sie sollen ausschließlich Zielen vorbehalten bleiben, die solch hohe Leistungen erfordern.
Während diese sehr teuren Effektoren sechs- und siebenstellige Preise erreichen, kostet die Proxy einen niedrigen fünfstelligen Betrag.
Ob ein Laser/Infrarot-Dualsuchkopf eingebaut ist, der einen Fire-and-Forget-Betrieb erlauben würde, wollte Thales Belgien nicht bestätigen. Offen bleibt ebenso, ob ein neuer Motor mit größerer Reichweite entwickelt wurde. Derzeit trägt der Raketenkopf weiterhin die Markierungen 2, 4, 6 und X für die zulässigen Höchstschussweiten. Je nach Geschwindigkeit und Höhe des Trägersystems kann die Maximalschussweite aber auch über sechs Kilometer hinausreichen. Inoffiziellen Informationen zufolge trifft die Rakete deutlich präziser, als es die offiziell angegebene Kreisfehlerwahrscheinlichkeit (CEP) von unter einem Meter auf sechs Kilometer Entfernung erwarten ließe.
Produktion soll weiter drastisch steigen
Die Fertigung will Thales Belgien nochmals drastisch ausweiten. Dass viele Länder großes Interesse haben, belegen die zahlreichen 70-Millimeter-Raketenwerfer auf der Eurosatory.
Frühere Pressemeldungen des Unternehmens nannten 700 Stück für 2024, 3.500 für 2025 und rund 10.000 für 2026. Laut der jüngsten Meldung soll sich die Produktion zwischen 2026 und 2028 nochmals verdreifachen, damit die steigende internationale Nachfrage bedient werden kann. Um eine zuverlässige und leistungsstarke Versorgung sicherzustellen, will Thales Belgien zudem seine industrielle Präsenz und die Nähe zu strategischen Kunden ausbauen.
Technische Daten der FZ275 LGR
Bei einem Durchmesser von 2,75 Zoll (70 Millimeter) ist die aktuelle Version der FZ275 LGR etwa 1,8 Meter lang und 12,7 Kilogramm schwer, wovon 4,1 Kilogramm auf den Sprengkopf entfallen. Bei der Proxy ist mit veränderter Länge und verändertem Gewicht zu rechnen; Daten dazu liegen aber noch nicht vor.
Als Startplattformen kommen unter anderem Hubschrauber, Flugzeuge vom Propellermuster bis zum Jet, Bodenfahrzeuge und Marineplattformen infrage. Bekämpfen lassen sich mit der FZ275 LGR Ziele am Boden, auf See und in der Luft. Das 70-Millimeter-Raketensystem geht in seiner Historie auf das Hydra-70-System zurück; seine enorme Vielseitigkeit und die in Einsätzen unter unterschiedlichen operationellen Bedingungen gezeigte Effektivität haben es bei vielen Streitkräften sehr beliebt gemacht.
Beim Österreichischen Bundesheer werden zumindest die neuen Hubschrauber AW169 Lion und der neue Jettrainer M-346FA die FZ275 LGR als Bewaffnung erhalten.
FZ123: Drohnenabwehr ohne Lenkung
Auch die FZ123 von Thales Belgien ist eine C-UAS-Lösung, die auf dem 70-Millimeter-System aufbaut. Lenkung und Reichweite opfert die 14 Kilogramm schwere Rakete zugunsten eines massiven, acht Kilogramm schweren Splittergefechtskopfs mit 6.500 Stahlkugeln.
Vom Einsatzkonzept her erinnert das an die Ahead-Munition des Skyranger (-> Wie funktioniert die Ahead-Munition?). Zunächst wird die Flugbahn des Ziels vermessen, anschließend berechnet ein Vorhaltrechner den Kollisionspunkt von Rakete und Ziel. Über einen entsprechend eingestellten Zeitzünder explodiert der Gefechtskopf in unmittelbarer Nähe des Ziels und erzeugt eine große Wolke aus Stahlkugeln, die das Ziel im Optimalfall zerstört. Die ungelenkte FZ123 kostet einen niedrigen vierstelligen Betrag und liegt damit nochmals deutlich unter der gelenkten FZ275 LGR.











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