Drohnenangriff „Spider Web“: Ukraine greift mehr als 40 russische Flugzeuge an
Tu-95, Tu-22M3, A-50: Mit FPV-Drohnen aus abgestellten Lastwagen hat der ukrainische SBU am 1. Juni mehrere Luftwaffenbasen tief in Russland getroffen. Was über den Drohnenangriff bekannt ist – und was noch offen bleibt.

Ein Drohnenangriff, der Geschichte schreibt: Mit einem Schlag ohne Beispiel hat die Ukraine Russland am 1. Juni ins Herz seiner Luftstreitkräfte getroffen. Mehrere Luftwaffenbasen gerieten gleichzeitig ins Visier der massiven Attacke. Für die russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte und die strategische Luftfahrt geht dieser Tag als der schwärzeste in ihre Geschichte ein.
Wie groß der Schaden insgesamt ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Fest steht aber, dass die strategische Luftfahrt Russlands – Langstreckenbomber ebenso wie zugehörige Flugzeuge, etwa Tanker und luftgestützte Frühwarnsysteme – ganz wesentliche Teile ihrer Kapazitäten unwiederbringlich eingebüßt hat.
Offenbar griff der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) im Zuge einer groß angelegten Sonderoperation mehr als 40 Flugzeuge auf ihren Heimatstützpunkten tief im russischen Hinterland an. Viele davon wurden zerstört oder zumindest schwer beschädigt. Erst in den kommenden Tagen werden Satellitenbilder eine genauere Bewertung des Ausmaßes erlauben. „Spider Web” lautet der Name dieser einzigartigen Spezialoperation.
Auf Videos, die von russischer Seite veröffentlicht wurden, steigen Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) aus Lastwagen auf, die nahe den Flugplätzen abgestellt worden waren. Auch Häuser in der Umgebung der Flugplätze sollen dafür präpariert worden sein. Die Ukraine wiederum präsentierte Aufnahmen, auf denen diese Drohnen die abgestellten Flugzeuge auf den Flugplätzen zerstören.
Ziele des Drohnenangriffs: diese Flugplätze in Russland
- Belaya bei Irkutsk (52°54’54.0″N 103°34’30.0″E) – 4.800 km Entfernung von Kiew
- Olyena Air Base südlich von Murmansk (68°09’06.0″N 33°27’50.0″E) – 2.000 km Entfernung von Kiew
- Luftwaffenbasis Ivanovo Severny (57°03′30″N 40°58′54″E), 250 km nordöstlich von Moskau – 1.000 km Entfernung von Kiew
- Luftwaffenbasis Dyagilevo (54°38′30″N 39°34′18″E), 170 km südöstlich von Moskau – 800 km Entfernung von Kiew
- außerdem ein noch nicht näher bezeichneter Standort bei Murmansk sowie einer im Raum Moskau
Herber Verlust für die russischen Luftstreitkräfte
Als getroffene Typen werden die Tu-95 und die Tu-22M3 genannt. Öffentlichen Quellen zufolge besaß Russland zuletzt 47 Tu-95, deren Produktion vor 32 Jahren auslief. Vom überschallschnellen Mittelstreckenbomber Tu-22M3 sollen es 57 Maschinen gewesen sein; hier endete die Fertigung vor 28 Jahren. Berichtet wird außerdem von zerstörten A-50, von denen es bestenfalls ein Dutzend gibt. Auch sie kann Russland wegen der Sanktionen nicht ersetzen, zumal das Nachfolgeprojekt A-100 eingestellt werden musste – Russland kommt nicht an die nötigen Technologien.

Damit zielte der SBU eindeutig darauf, genau jene militärischen Kapazitäten Russlands zu vernichten, mit denen die Ukraine seit Kriegsbeginn im Februar 2022 mit Langstrecken-Lenkflugkörpern beschossen wird. Ein Jahr, sechs Monate und neun Tage soll die Vorbereitung von „Spider Web” gedauert haben. Nach aktuellen Zahlen wurden 117 Drohnen eingesetzt.
Welche sicherheitspolitischen und militärstrategischen Folgen der Angriff hat, ist ebenfalls noch offen. Dass solche Angriffe machbar sind, davor warnen Fachleute schon seit Jahren.
Aus heutiger Sicht sind die meisten militärischen Einrichtungen und de facto die gesamte zivile kritische Infrastruktur solchen Angriffen völlig ungeschützt ausgeliefert – nicht nur hierzulande, sondern auf der ganzen Welt.
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