Drohnenbeschaffung neu geordnet: Ukraine setzt auf Einsatzdaten, Marktplatz und garantierte Mindestversorgung
Die Drohnenbeschaffung der Ukraine folgt neuen Regeln: Gekauft wird, was sich laut Einsatzdaten im Gefecht bewährt hat, Frontverbände bestellen über einen Online-Marktplatz. Im ersten Halbjahr 2026 wurden Verträge über 333,6 Milliarden Hrywnja geschlossen.

Die Ukraine weitet ihre Drohnenrüstung massiv aus und ordnet Drohnenbeschaffung wie Versorgung der Frontverbände neu. Für das erste Halbjahr 2026 meldet die staatliche Beschaffungsagentur DOT, die im Auftrag des Verteidigungsministeriums handelt, Verträge für Drohnen im Umfang von 333,6 Milliarden Hrywnja – umgerechnet rund 6,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ungefähr eine Verdopplung. Den größten Posten bilden Kampfdrohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View), denen im laufenden Krieg die zentrale Rolle im Gefecht zukommt.
Ein Teil der Käufe wird über DOT-Chain Defence abgewickelt, einen staatlichen Online-Marktplatz. Dort verfügen Frontverbände über eigene Budgets und suchen sich die Systeme aus, die sie unmittelbar benötigen; Verträge, Zahlungen und Logistik übernimmt anschließend DOT. Sind die Drohnen auf Lager, erreichen sie die Einheiten im Schnitt binnen neun Tagen.
Zusätzlich gilt seit März ein neues, stärker auf Daten gestütztes Modell des Verteidigungsministeriums. Maßgeblich für den Kauf sind nicht mehr in erster Linie einzelne Anforderungen, sondern tatsächliche Einsatzdaten aus digitalen Systemen wie ePoints, DOT-Chain, Brave1 Market, DELTA und Mission Control. Auf dieser Grundlage priorisiert der Generalstab jene unbemannten Systeme, die sich im Gefecht nachweislich bewährt haben; erst danach vergibt DOT die Verträge. So sollen ausschließlich kampferprobte Systeme beschafft und zugleich Korruptionsrisiken verringert werden.
Bei bestimmten Drohnentypen kommen außerdem geschlossene Ausschreibungen hinzu. Bewährt hat sich dieses Verfahren schon beim Kauf von 155-Millimeter-Artilleriemunition, wo es Einsparungen von über 16 Prozent brachte.
Drohnenbeschaffung mit garantierter Mindestversorgung
Zeitgleich läuft das Projekt „Basic Level” an. Es soll den Frontverbänden jeden Monat eine garantierte Mindestmenge an Drohnen sichern. Die erste Phase umfasst FPV-Drohnen mit Funk- oder Glasfasersteuerung, DJI-Mavic-Drohnen, Bomberdrohnen, Aufklärungsdrohnen mit Starrflügeln sowie leichte mittlere Angriffsdrohnen. Zugelassen sind vorerst nur Einheiten, die direkt an der Front stehen und aktiv an Kampfhandlungen beteiligt sind – also die Verbände, die den Drohnenkrieg Tag für Tag führen.
Fotocredits
© Ukraine MoDWeiterlesen

Loitering Munition Virtus von Stark: Panzerbrigade 45 „Litauen“ erprobt das System bei „Freedom Shield 2026“

Drohnenstationen für die Seeüberwachung: Rift beginnt Tests vor der französischen Küste

Seedrohnen für die Ostsee: Schweden kauft Überwachung von Saildrone als Dienstleistung

Seedrohnen: Eviden stellt mit SMX einen elektromagnetischen Navigationssensor vor

