Drohnenkrieg und Psyche: Markus Reisner vor Militärpsychologen – „Krieg hat sich radikal verändert“
Kleine Einheiten, kaum Deckung, enorme psychische Belastung: Bei der 80. Tagung der Militärpsychologen in Wien zeigte Oberst des Generalstabsdienstes Markus Reisner, was der Drohnenkrieg mit massenhaftem Drohneneinsatz für Soldaten und Gesellschaft bedeutet.

Wie der Drohnenkrieg das Gefechtsfeld umgekrempelt hat, stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Oberst des Generalstabsdienstes Markus Reisner. Am 10. April skizzierte er bei der 80. Tagung der Militärpsychologen im Verteidigungsministerium in Wien ein eindringliches Bild des modernen Krieges – mit besonderem Blick auf die dramatischen Veränderungen, die der massenhafte Einsatz von Drohnen ausgelöst hat.
Dass sich der Charakter des Krieges grundlegend gewandelt hat, war die zentrale Erkenntnis des Bundesheer-Offiziers. Anhand des Ukraine-Krieges legte Reisner dar, dass klassische Gefechtsformen mehr und mehr verschwinden und neuen, technologisch bestimmten Mustern weichen. Große mechanisierte Angriffe, wie man sie zu Beginn des Konflikts noch sah, enden heute häufig mit massiven Verlusten (-> Scharfe Kritik nach Panzerangriff bei Pokrowsk). Verantwortlich dafür sind vor allem Minenfelder, präzise Artillerie und in erster Linie Drohnen (-> Aktuelle Zahlen aus dem Drohnenkrieg in der Ukraine).

Reisner zufolge sind Drohnen auf dem Gefechtsfeld inzwischen allgegenwärtig und entscheidend. Billige Systeme, die nur wenige hundert Euro kosten, kommen in großer Zahl zum Einsatz; sie erlauben eine ständige Aufklärung und die gezielte Bekämpfung einzelner Soldaten. Die Kernbotschaft lautete: „Es gibt kaum mehr Möglichkeiten, sich zu verbergen”.
Als Konsequenz stützen sich beide Seiten immer stärker auf kleine, bewegliche Einheiten, deren Signatur so gering wie möglich ist (-> Wie Russland mit Motorrad-Sturmgruppen die Front druchbrechen will). Gekämpft wird zunehmend in einer Art „verteilten Gefechtsführung”, in der Tempo, Anpassungsfähigkeit und die Integration von Technologie den Ausschlag geben.
Was der Drohnenkrieg mit der Psyche macht
Passend zum Rahmen der Veranstaltung ging Reisner besonders eindringlich auf die psychologischen Folgen dieser Entwicklung ein. Weil Drohnen einzelne Soldaten gezielt verfolgen und bekämpfen können, entsteht eine permanente Bedrohung, die enormen Stress und schwere Traumata verursacht. Noch verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass entsprechende Gefechtsaufnahmen in sozialen Medien sichtbar sind und sich weit verbreiten.
Zudem stellte Reisner klar, dass sich die Veränderungen nicht auf das klassische Gefechtsfeld begrenzen. Längst habe der Krieg auch den Informationsraum erreicht; er wandle sich immer mehr zu einem hybriden Konflikt, von dem auch westliche Gesellschaften betroffen seien.
Am Ende stand für ihn fest: Mehr als ein regionaler Konflikt ist der Krieg in der Ukraine ein Lehrbeispiel dafür, wie künftig Krieg geführt wird – mit weitreichenden Folgen für Streitkräfte, Ausbildung und Gesellschaft.
Fotocredits
© Oleksandr Syrsky/ OB Ukraine · © Unmanned Magazine/ZachariasWeiterlesen

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