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Unmanned Systems / Aerial Drones

Drohnenkrieg als Punktespiel: Ukraine belohnt Treffer auf russische Soldaten mit Punkten

Wer per Video einen Drohnentreffer belegt, sammelt Punkte und tauscht sie im „Brave 1 Market“ gegen Ausrüstung. Das Bonussystem im ukrainischen Drohnenkrieg wird laufend nachjustiert – mit messbaren Folgen an der Front.

Angriff mit FPV-Drohne auf Soldaten
© Archiv

Mit einem Anreizsystem, das stark an Videospiel-Mechaniken erinnert, belohnt das ukrainische Militär im Drohnenkrieg nun militärische Leistungen. Seit Kurzem erhalten Einheiten und Soldaten Punkte, wenn sie per hochgeladenem Video belegen, dass ihre Drohnen russische Ziele getroffen haben.

Eingelöst werden können die Punkte danach auf einem neu eingerichteten Marktplatz namens „Brave 1 Market”, und zwar gegen neue Ausrüstung.

Drohnenpreise auf FPV-Market
FPV-Drohnen gibt es auf dem „Brave 1 Market” schon ab rund 250 Euro. Ein Spitzenmodell mit hoher Reichweite kommt auf 2.500 Euro. · © Archiv

„,Brave 1 Market’ wird wie Amazon für das Militär sein. Er wird es Militäreinheiten ermöglichen, Technologien, die sie an der Kriegsfront benötigen, direkt zu kaufen”,
so Mykhailo Fedorov, stellvertretender Premierminister und Minister für digitale Transformation der Ukraine – und verantwortlich für das „Army of Drones Bonus”-System.

Drohnenpreise auf FPV-Market
Die günstigste Glasfaserdrohne kommt aktuell auf rund 500 Euro. Ein Modell mit 25 Kilometern Reichweite gibt es um 1.500 Euro. · © Archiv

Wichtig ist dabei: Die reguläre Versorgung der Truppe ersetzt „Brave 1 Market” nicht. Der Marktplatz ergänzt sie lediglich – Einheiten können dort bestellen, was sie gerade brauchen und womit sie ihre Einsätze nach eigener Einschätzung wirksamer führen können. Zugesagt wird eine Lieferung binnen einer Woche.

Drohnenpreise auf FPV-Market
Besonders teuer wird es bei den Aufklärungsdrohnen: Die zypriotische Poseidon MkIV schlägt mit über 400.000 Euro zu Buche. Selbst die bei kleineren Einheiten äußerst beliebte ukrainische Sirko kostet immerhin knapp 16.000 Euro. · © Archiv

Derzeit testet die Regierung in Kiew das Motivationssystem und verfolgt, wie sich veränderte Punktwerte auf dem Gefechtsfeld auswirken. Fedorov nennt ein Beispiel: „Wir haben beispielsweise die Anzahl der Punkte für die Eliminierung von Infanterie von zwei auf sechs erhöht – dadurch hat sich die Zahl der vernichteten Feinde innerhalb eines Monats verdoppelt”.

Hochgeladen werden die Videos über eine Schnittstelle im militärischen Kommunikations- und Lageerfassungssystem Delta der Ukraine. Punkte gibt es erst, nachdem eine übergeordnete Stelle den Treffer gründlich geprüft und bestätigt hat.

An der Spitze liegt derzeit – wenig überraschend – die Einheit Birds of Magyar, die bis Ende April 16.298 Punkte gesammelt hat.

Drohnenpreise auf FPV-Market
Das beliebteste ukrainische KI-System zur automatischen Steuerung von FPV-Drohnen im Endanflug kostet rund 220 Euro. Ein optisches Stabilisierungssystem für nächtliche Einsätze der Baba Jaga-Bomberdrohnen schlägt mit 530 Euro zu Buche. · © Archiv

Punktetabelle im Drohnenkrieg

So bewertet die aktuelle Tabelle erfolgreiche Treffer:

  • getöteter russischer Soldat: 6 Punkte
  • beschädigter Panzer: 20 Punkte
  • zerstörter Panzer: 40 Punkte
  • zerstörtes mobiles Raketensystem: bis zu 50 Punkte
  • zerstörtes hochwertiges Flugabwehrsystem: 80 Punkte
Drohnenpreise auf Brave 1 Market
Tragbare UAV-Detektoren sind bereits ab 50 Euro erhältlich – wer mehr investieren kann, bekommt Geräte im Wert von bis zu 530 Euro. Ein vollständiges Peilsystem, das die Ortung feindlicher Drohnen ermöglicht, kostet hingegen rund 45.000 Euro. · © Archiv

Im Gegenzug lässt sich unter anderem Folgendes erwerben:

  • kleine 7-Zoll-Drohne mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View): 2 Punkte
  • FPV-Drohne mit Nachtsicht: 6 Punkte
  • schwere Baba Jaga-Bomberdrohne: 43 Punkte

Öffentlich einsehbare Punktwerte gibt es auf dem „Brave 1 Market” bisher nicht. Aus den Drohnenpreisen lässt sich ein Punkt aber auf etwa 115 bis 120 Euro taxieren. Nüchtern gerechnet bringt ein getöteter russischer Soldat damit neues Material im Wert von rund 700 Euro.

Drohnenpreise auf Brave 1 Market
Einfache unbemannte Bodenfahrzeuge, gerade leistungsfähig genug zum Ausbringen einer Panzermine, sind bereits ab 2.100 Euro erhältlich. Das kettengetriebene UAV Droid TW, das sogar ein 12,7-Millimeter überschweres Maschinengewehr (ÜsMG) tragen kann, kostet rund 25.000 Euro. · © Archiv

Wie weit dieses Material reicht, zeigen Zahlen von Major Robert Brovdy, Kommandant der Birds of Magyar. Im März verlor seine Einheit 52 Baba Jaga-Bomberdrohnen, die im Schnitt 69 Einsätze überstanden, bevor sie abgeschossen wurden. Hinzu kamen 228 verlorene Mavic-Aufklärungsdrohnen nach durchschnittlich 45 Einsätzen pro Stück. Verbraucht wurden außerdem 7.874 FPV-Drohnen.

Punktestand der Einheiten
Die Einheiten vergleichen ihre Punktestände inzwischen offen über soziale Medien. Doch bevor man ein abschließendes Urteil fällt, bleibt die zentrale Frage: Wie weit würde man selbst im Überlebenskampf gehen? · © Archiv

Für April melden die Birds of Magyar zuletzt: 1.804 russische Soldaten getroffen, 1.041 davon getötet; 93 Panzer getroffen, 18 davon zerstört; 21 Feldraketenwerfer getroffen, 8 davon zerstört; 22 Selbstfahrlafetten getroffen, 6 davon zerstört. In Summe stehen 5.840 getroffene Ziele auf der Liste, von denen demnach 2.001 auch zerstört wurden.

In einem aktuellen Video sagt Magyar dazu: „Es gibt viele Zahlen, aber sie sind wichtig”. Und weiter: „Wir haben einen langen und harten Kampf vor uns.”

Nachwort des Autors: Dieser Text berichtet über den Krieg in der Ukraine. Eine moralische oder ethische Bewertung nehme ich bewusst nicht vor; sie bleibt jeder Leserin und jedem Leser überlassen.

Fotocredits

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