Zum Inhalt springen
Unmanned Systems / Aerial Drones

FPV-Drohnen im Bundesheer: Welche Lehren die Ausbildung aus dem Drohnenkrieg ziehen will

Zwei Wochen bis zu FPV-Grundfähigkeiten, Drohnenbau binnen weniger Tage: Beim Theresian Military Academic Forum (TMAF) in Wiener Neustadt zeigten Vortragende, wie die Theresianische Militärakademie FPV-Drohnen in die Ausbildung holen will.

Ukraine: Current figures from the drone war
© Ukraine MoD

Waffen und Taktiken wandeln sich durch den Krieg in der Ukraine ebenso wie die militärische Ausbildung – auch beim Österreichischen Bundesheer. Wie aus dem Bausatz für FPV-Drohnen, gesteuert mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View), ein Waffensystem wird, war Thema eines Vortrags beim Theresian Military Academic Forum (TMAF) in Wiener Neustadt.

„From Commercial-off-the-Shelf (COTS)-Components to efficient Weapon System” lautete der Titel. Gefreiter Bastian Wagner (FH Joanneum Graz), Fähnrich Moritz Böhm und Oberst des Generalstabsdienstes Markus Reisner legten dar, wie handelsübliche FPV-Drohnen zu militärisch relevanten Fähigkeiten werden – und weshalb Österreich anfangen muss, die nötigen Kompetenzen systematisch aufzubauen.

Ausgangspunkt war die Einsicht, dass klassische Großsysteme allein moderne Konflikte nicht mehr entscheiden. „Die Veränderungen gehen weit über die Einführung neuer Waffen hinaus”, so der Vortrag. Gerade an der Ukraine lasse sich ablesen, wie technologische Innovationen operative Konzepte umformen, gängige Doktrinen in Frage stellen und das Verhältnis von Industrie, Streitkräften und Gefechtsfeld neu bestimmen.

Gefreiter Bastian Wagner, Fähnrich Moritz Böhm und Oberst des Generalstabsdienstes Markus Reisner bei ihrem Vortrag im Rahmen des TMAF
Gefreiter Bastian Wagner, Fähnrich Moritz Böhm und Oberst des Generalstabsdienstes Markus Reisner bei ihrem Vortrag im Rahmen des TMAF. · © Unmanned Magazine/Zacharias

Zur Veranschaulichung verwiesen die Vortragenden auf die NATO-Übung „Hedgehog 25”. Ein kleines ukrainisches Drohnenteam aus nur zehn FPV-Piloten habe dort mit improvisierten Systemen innerhalb weniger Stunden massive Wirkung erzielt. „Nach nur einem halben Tag war ein Großteil der Ziele zerstört”, sagte Reisner. Gezielt hätten die ukrainischen Operatoren Schwächen bei Organisation, Aufklärung und Schutzmaßnahmen genutzt. Als besonders kritisch wurde hervorgehoben, dass im Szenario sogar rückwärtige Bereiche kaum gegen Drohnen geschützt gewesen seien.

Auf einen Satz gebracht lautete die Kernaussage:

Es gibt heute keinen Ort mehr zum Verstecken.— Vortrag beim TMAF

Aus FPV-Drohnen seien hochflexible und äußerst kosteneffiziente Waffen geworden, die aufklären, bewegliche wie stationäre Ziele bekämpfen und kleine Einheiten unterstützen könnten. Als ausschlaggebende Vorteile nannten die Vortragenden „Flexibilität, einfache Konfigurierbarkeit und niedrige Kosten”.

Auch die Wirtschaftlichkeit wurde durchgerechnet: Ein FPV-System koste lediglich einen Bruchteil klassischer Panzerabwehrwaffen, sodass sich für den Angreifer selbst bei geringer Trefferquote ein äußerst attraktives Kosten-Nutzen-Verhältnis ergebe. Zugleich betonten die Vortragenden, dass bloße Zahlen die militärische Wirksamkeit nicht vollständig abbilden.

FPV-Drohnen als Schwerpunkt der Ausbildung

Breiten Raum nahm die Ausbildung ein. Künftig benötigten moderne Streitkräfte neben körperlich belastbaren Soldaten auch Bediener und Führungskräfte mit technologischem Know-how. „Technologie entwickelt sich heute schneller als klassische Beschaffungszyklen”, lautete eine Aussage. Wer die technischen Grundlagen beherrsche, passe sich rascher an neue Bedrohungen und Improvisationen des Gegners an.

Österreich betreffe das in besonderem Maß: Im Ernstfall würden sich operative Szenarien vermutlich östlich des Landes abspielen, entlang kritischer Infrastruktur, Mobilitätskorridore und urbaner Räume. Kleinen Kräften könnten FPV-Drohnen dort beträchtliche zusätzliche Fähigkeiten verschaffen, in hybriden wie in konventionellen Szenarien.

An entsprechenden Ausbildungsansätzen arbeitet die Theresianische Militärakademie daher bereits. Präsentiert wurde ein Stufenkonzept, das vom theoretischen Verständnis über das Training am Simulator bis zu realem Betrieb und Bau von FPV-Drohnen führt. Offiziere und Soldaten sollen so früh die Möglichkeiten und Grenzen dieser Systeme kennenlernen.

Bemerkenswert sind die vorgestellten Erfahrungswerte: Rund zwei Wochen Ausbildung reichten demnach, damit ein Rekrut einsatzreife FPV-Grundfähigkeiten erwirbt. Schon nach wenigen Tagen am Simulator und Übungen mit handelsüblichen Drohnen seien erste reale Zielanflüge möglich.

Eine zentrale Rolle kam auch dem Eigenbau zu. Im Krisenfall müsse Österreich rasch zusätzliche „Force Multiplier” herstellen können. Dem Vortrag zufolge lerne sogar Personal ohne Vorkenntnisse binnen weniger Tage, mehrere FPV-Drohnen am Tag zu bauen.

Eindeutig fiel das Fazit aus: Ausschlaggebend sei nicht der bloße Zugang zu Technologie, sondern die Fähigkeit, sie zu verstehen, anzupassen und in militärische Strukturen einzubinden.

Training wird zum entscheidenden Bindeglied zwischen kommerzieller Technologie und militärischer Wirkung.— Vortrag beim TMAF

Fotocredits

© Ukraine MoD · © Unmanned Magazine/Zacharias
Werbung336 × 280
Perimeter Protection 2027 – Jetzt Ticket sichern! 19.–21. Januar 2027, Nürnberg (incontent)

Weiterlesen

Die Woche der unbemannten Systeme.