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Unmanned Systems / Aerial Drones

Loitering Munition „Hornet“: Wie der Marsianer-2 über Donezk die Spielregeln in der Ukraine verändert

Hinter der KI-gesteuerten Drohne, die Russland als „Marsianer-2” fürchtet, steht das Start-up White Stork von Ex-Google-Chef Eric Schmidt. Russische Analysen zeichnen ein detailliertes Bild der Loitering Munition – von der GPS-freien Navigation bis zur getarnten Funkverbindung.

Martian-2 drone
© Archiv

In das geltende Schema der aktuellen US-Administration passt Eric Schmidt, früher Chef von Google, nicht. Anders als der US-Präsident und dessen Gefolge steht Schmidt klar an der Seite der Ukraine – und das nicht bloß ideologisch oder mit einigen großzügigen Spenden, sondern mit geballter Finanzkraft, Kompetenz und den Kontakten eines superreichen Technikgurus.

Erstmals sorgte sein Start-up White Stork 2024 für Schlagzeilen: Im Jänner jenes Jahres machte Forbes das geheime Unternehmen publik. Anschließend blieb es lange vergleichsweise still, gegenüber Medien wollte sich Schmidt nicht äußern. Laut Forbes gelang es ihm in dieser Phase jedoch, „namhafte Mitarbeiter von Apple, Space X, Google und Bundesbehörden” anzuwerben, wobei Universitäten und KI-Hackathons eingebunden wurden. Ziel des Projekts: KI-gesteuerte Drohnen für die Ukraine.

Marsianer-2-Drohne
Hornet/Marsianer-2: Vollständig erhaltene Exemplare sind die absolute Ausnahme. Der Gefechtskopf detoniert laut russischen Angaben mit nahezu 100-prozentiger Zuverlässigkeit – meist bleibt nur das Heck übrig. · © Archiv

Der Begriff „Марсианин-2” erschien zum ersten Mal am 29. September 2025 in russischen Kanälen. In einem Video der russischen Drohnen-Spezialeinheit „Rubikon” ist zu sehen, wie die Flächendrohne abgefangen wird. Den regulären russischen Streitkräften und der Szene der Militärkorrespondenten und -blogger war sie damals offenbar noch unbekannt – anders als „Rubikon”, einer Einheit mit deutlicher Sonderstellung innerhalb der russischen Drohnenkräfte.

Von Schmidts „geheimer Operation” berichtete im Jänner 2026 die Plattform „dronexl”. Demnach seien über 80.000 KI-gestützte Waffensysteme im Einsatz, und die autonom KI-gesteuerten Kampfdrohnen erzielten eine Trefferquote von über 70 Prozent.

Objekterkennung
Immer öfter sind die „Kästchen“ als Indiz für die Objekterkennung und/oder automatischer Zielfolge durch ein KI-System auf den Videos ersichtlich. · © Archiv

Sogar die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti kam nicht umhin, darüber zu berichten. Am 4. März sprach dort Dmitri Sadownik, stellvertretender Generaldirektor des Herstellers des russischen Drohnendetektors „Schatten”, über neue ukrainische Kampfdrohnen.

Die KI-Loitering Munition „Hornet“ ist bei den Russen aktuell als „Marsianer-2“ gefürchtet.
1/2#WarOfDrones pic.twitter.com/h1LEvqhmXp
— Martin Rosenkranz🇦🇹🇪🇺🇺🇳🇺🇦🇮🇱 (@MartinRosenkra3) April 17, 2026

Immer häufiger stoßen die Russen weit hinter der Front auf Trümmer. Bei der Kampfdrohne handelt es sich nicht um einen Quadrocopter, sondern um ein Fluggerät vom Typ „Flugzeug”. Von vereinzelten Feldversuchen kann keine Rede mehr sein – ein neues System steht mittlerweile in umfassendem Kampfeinsatz. Sein Name ist „Hornet”, im russischen Militär läuft es unter der Rufbezeichnung „Marsianer-2”.

Navigation ohne GPS, Funk im WLAN-Band

Einer russischen Analyse zufolge weist die Drohne einzigartige Merkmale auf. Für die Navigation ist sie nicht mehr auf GPS angewiesen, stattdessen orientiert sie sich autonom an Geländemerkmalen. Neu ist nicht die Technik selbst, sondern dass sie in einer rund 10 Kilogramm schweren Drohne mit Elektromotor steckt – deren Konstruktion so einfach ist, dass sie sich günstig und in großer Zahl fertigen lässt.

Hinzu kommt ein fortschrittliches elektrooptisches System zur Zielerfassung und -erkennung, das auf künstlicher Intelligenz beruht. Daten und Videos überträgt die Drohne nach russischen Analysen über verschlüsselte Signale, die keinem Standard entsprechen. Gemeint ist damit offenbar ein fortschrittliches Frequenzsprungverfahren, eventuell kombiniert mit AES-Verschlüsselung oder vergleichbaren Verfahren.

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So intensiv wie derzeit wurde die Marsianer-2 bislang kaum analysiert. · © Archiv
Marsianer-2-Drohne
Die verbauten Komponenten gelten als hochwertig und zweckmäßig. · © Archiv
Marsianer-2-Drohne
Kühler und Lüfter deuten auf leistungsstarke Elektronik hin. · © Archiv
Marsianer-2-Drohne
Die Prozessoren stammen von Qualcomm, ihre detaillierte Analyse läuft noch. · © Archiv
Marsianer-2-Drohne
Der potenzielle nutzbare Frequenzbereich wird als sehr breit eingeschätzt. · © Archiv

Russische Fachleute für elektronische Kampfführung halten die Hornet für Standarddetektoren und Funkfrequenzscanner für praktisch nicht erfassbar. Neueste Analysen vermuten, dass die Übertragung in den zivilen Wi-Fi-Bändern bei 2,4 GHz und 5,8 GHz versteckt ist. Darin läge der Trick des „Marsianers”: Er funkt auf genau den Frequenzen, die Filter von Systemen der elektronischen Kampfführung als zivile Signale ausblenden.

Die Kommunikationshardware dürfte jedoch von Beginn an sehr flexibel konzipiert sein. Nach Angaben des Kanals „Nutzlast” kommt ein RTL8812EU-WiFi-Chip zum Einsatz, dessen Frequenzen sich mittels Leistungsverstärkern und Frequenzumsetzern in nicht standardmäßige Bänder verlagern lassen. Russische Analysten halten fest: „Generell ist der Frequenzbereich der verwendeten Komponenten sehr groß, wahrscheinlich sind alle Frequenzen bis 6 GHz verfügbar”.

Nach dem Artikel bei RIA Novosti wuchs die Aufmerksamkeit. Die russische Technikanalyseplattform „Hammer der Hexen” nannte die Hornet/Marsianer-2 am 8. April „die gefährlichste Bedrohung für unsere logistischen Einrichtungen”. Mittlerweile liegt russischen Technikern ein vollständiges Exemplar der Drohne zur Untersuchung vor. Dass sich russische Stellen einzelnen Drohnentypen besonders widmen, ist zwar nicht ungewöhnlich, in diesem Fall geht das Ausmaß aber deutlich über das übliche Maß hinaus. Mitte April zählt der Marsianer-2 zu den beherrschenden Themen in russischen Kanälen.

Die technischen Daten der Loitering Munition

Gefertigt ist der Rumpf aus Styropor und gegossenem Kunststoff. Bei einer Länge von 1,4 Metern misst die Flügelspannweite 2,2 Meter. Das Gewicht liegt ohne Gefechtskopf und Batterie bei etwa 5 Kilogramm, mit beidem bei rund 10 Kilogramm.

Angetrieben wird die Drohne von einem bürstenlosen 4720-Elektromotor mit 300 kV, der 100 bis 120 km/h und im Sturzflug rund 200 km/h ermöglicht; beschrieben wird er außerdem als sehr leise. Russische Videos, die Treffer auf eigene Kräfte zeigen, ohne dass sich die eingesetzte Waffe identifizieren lässt, bringt man inzwischen mit der Marsianer-2 in Verbindung.

Als Akku dient ein 12S-System auf Basis von Samsung-INR21700-50S-Zellen: 1,9 Kilogramm schwer, 180 × 70 × 70 Millimeter groß, mit 10.000 mAh Kapazität. Für den Gefechtskopf werden 1,5 bis 4 Kilogramm angegeben, dazu eine elektronische Abstandszündung und möglicherweise eine projektilbildende Ladung, die auch leicht gepanzerte Ziele durchschlagen kann. Die Reichweite beziffert die russische Seite auf mindestens 60 bis 70 Kilometer, teils auf bis zu 145 Kilometer.

Das untersuchte Modell hat zwei Tageslichtkameras an Bord. Der russische Kanal „bmpd” schreibt: „Die Bildqualität ist sehr beeindruckend”. Vermutlich dient die nach unten gerichtete Kamera der Navigation, die andere der Zielerfassung und Zielverfolgung. Laut „Hammer der Hexen” sind auch Angriffe in der Dämmerung belegt; womöglich gibt es Varianten mit Nacht- oder Wärmebildkameras.

Die Verarbeitung gilt als hochwertig: Kabel in Luftfahrtqualität sind verbaut, die Prozessoren kommen vom US-Halbleiterhersteller Qualcomm.

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Marsianer-2 im Visier eine Abfangdrohne. Das derzeit beste Abwehrmittel gegen die KI gesteuerte Loitering Munition. · © Archiv

Einzuordnen ist Hornet/Marsianer-2 als klassische Loitering Munition. Den Einsatz schildern russische Quellen so: Meist fliegt die Drohne in niedriger Höhe von etwa 200 Metern entlang von Transportrouten und ist dabei schwer zu entdecken und kaum hörbar. Im Endanflug wird sie schneller als 50 Meter pro Sekunde, sodass am Boden nur ein bis drei Sekunden Vorwarnzeit bleiben. Zentrales Problem ist diese extrem kurze Reaktionszeit, die Ausweichmanöver praktisch unmöglich macht.

Sergey Kolyasnikov vom Kanal „Zergulio” – russischer Propagandist, Militärblogger und Mitglied des Blogger-Rates der Staatsduma – zufolge habe es „an der Front einen qualitativen Wandel bei den Drohnen gegeben. Im Grunde hat die Ukraine eine neue Generation in Betrieb genommen, die ernsthafte logistische Schwierigkeiten verursacht.”

Fotocredits

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