LBA Systems: Italien genehmigt Drohnen-Joint-Venture von Leonardo und Baykar unter strengen Auflagen
Italiens Regierung hat dem Joint Venture LBA Systems von Leonardo und Baykar im Juni zugestimmt – mit Verkaufsbeschränkungen und der „goldene Macht“-Regel. Die Auflagen zeigen, welche Bedeutung die Kooperation militärisch, industriell und sicherheitspolitisch hat.

Im Juni hat die italienische Regierung dem Joint Venture LBA Systems zugestimmt, das Baykar und Leonardo im März 2025 per Memorandum of Understanding (MoU) gegründet hatten. Die Auflagen, die mit der Genehmigung einhergehen, deuten auf die militärische, industrielle und sicherheitspolitische Bedeutung der Zusammenarbeit hin.
Drohnen darf das Joint Venture demnach nur an Länder verkaufen, die politisch an Europa und die NATO gebunden sind; dasselbe gilt für jede daraus folgende internationale Weiterentwicklung. Außerdem greift Italien auf die sogenannte „goldene Macht”-Regel zurück, die bei Fusionen und Übernahmen strategische nationale Interessen des Landes schützt. Auf ihrer Grundlage kann die Regierung Bedingungen vorschreiben und Geschäfte sogar blockieren.

LBA Systems: Zugang für Baykar, Grenzen bei den Kernmärkten
Durch die harten Vorgaben will Rom verhindern, dass europäische Drohnentechnologie in andere Regionen abfließt. Darin spiegeln sich die Sensibilität der Technologien und der strategische Stellenwert der Partnerschaft für Italiens nationale Sicherheit. Für Baykar öffnet LBA Systems allerdings indirekt den Weg in den EU/NATO-Raum, wo das Unternehmen bislang nur sehr eingeschränkt aktiv war. Zugleich trifft die Länderbeschränkung vor allem jene Regionen, die bisher Baykars wichtigste Absatzmärkte sind: Afrika, den arabischen Raum und Asien.
In der Partnerschaft trifft Leonardos Know-how bei Zertifizierung und Missionssystemen auf Baykars führende Position bei unbemannten Plattformen und KI-Technologien. Die Anteile sind zu je 50 Prozent auf beide Unternehmen verteilt, Sitz des Joint Ventures ist Italien. Ins Visier nimmt man vor allem den wachsenden europäischen Markt für unbemannte Luftfahrzeugsysteme (UAS), dessen Umsatz bis 2035 auf an die 100 Milliarden Euro geschätzt wird.
Aus technologischer Sicht hat die Kooperation großes Gewicht, weil sie die einander ergänzenden Fähigkeiten beider Firmen optimal ausschöpft. Leonardo bringt umfangreiche Erfahrung bei Entwicklung und Zertifizierung von Missionssystemen, Nutzlasten und integrierten Multi-Domain-Technologien mit – Bereiche, die für die nächste UAS-Generation entscheidend sind. Baykar wiederum zählt weltweit zu den Vorreitern bei KI-gesteuerten unbemannten Plattformen, die schon in verschiedenen Gefechten zum Einsatz kamen.

Wie stark die Kooperation politisch gestützt wird, unterstreichen Aussagen italienischer und türkischer Politiker sowie von Unternehmensvertretern. Für Leonardo-CEO Roberto Cingolani ist die Partnerschaft, wie er betonte, ein neuer strategischer internationaler Verbündeter bei unbemannten Technologien und bedeutet eine deutliche Steigerung der Fähigkeiten beider Unternehmen.
Selçuk Bayraktar, Vorsitzender und CTO von Baykar, sprach von einem wichtigen Meilenstein, um den technologischen Fußabdruck von Baykar zu erweitern und die globale Präsenz des Unternehmens zu stärken. Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto wertete die Kooperationsvereinbarung als wichtigen Schritt hin zu Innovation und internationaler Zusammenarbeit.
Fotocredits
© LBA Systems/Baykar · © Unmanned Magazine/Rosenkranz · © BaykarWeiterlesen

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