Abfangdrohne Sting: Wild Hornets melden Abschüsse jetgetriebener Shaheds
Jetgetriebene Shaheds galten bislang als zu schnell und zu hoch für kleine Abfänger. Der ukrainische Hersteller Wild Hornets meldet nun mehrere Treffer seiner Abfangdrohne Sting, gesteuert teils aus Hunderten Kilometern Entfernung.

Längst erkennen auch Militärfachleute unbestritten an, dass die Ukraine beim Einsatz von Drohnen erhebliche Fortschritte macht. Hinter dem Konzept der Abfangdrohne steht ein Flugabwehrmittel, das wenig kostet und sich in großen Stückzahlen fertigen lässt.
Gleich mehrere Abfangerfolge meldet nun der Hersteller Wild Hornets – erzielt nicht gegen die klassischen, von Propellern angetriebenen Langstrecken-Kamikazedrohnen vom Typ Shahed/Geran-2, sondern gegen deren jetgetriebene Version, die deutlich teurer ist und schneller sowie höher fliegt. Jet-Shaheds hatte man bisher oberhalb dessen verortet, was Abfangdrohnen leisten können.

Wie die Abfangdrohne Sting entstand
Pro Monat stellt Wild Hornets 10.000 Drohnen unterschiedlicher Art her, unter anderem die große FPV-Drohne Hornet Queen – gesteuert mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) – sowie die Sting. Ersonnen wurde deren Konzept erst im Frühjahr 2024, zwei Jahre alt ist die Sting also noch nicht einmal. Ab Juni 2024 testete man mehrere Prototypen und variierte Akkus, Propeller und Kameras; daraus ging eine Konfiguration hervor, die seither für das ukrainische Militär gefertigt wird. Aus dem April 2025 stammt der erste Abschuss.
Leicht ist diese Aufgabe allerdings nicht. Abzuwägen gilt es zwischen einer ökonomischen Geschwindigkeit mit langer Flugdauer und hohem Tempo, das die Reichweite verringert – eine durchaus schwierige Entscheidung. Für die Zielsuche bleibt den Piloten allein ihre Kamera. Selbst wenn per Radar Informationen zur Position des Ziels vorliegen, muss es zunächst optisch gefunden werden.
Dass dieser Ausgleich gelungen ist und gute Drohnenpiloten auf die Sting vertrauen, belegt die Statistik: Gemessen an der Zahl zerstörter Shaheds und Gerbera ist sie seit Oktober 2025 ohne Unterbrechung Nummer-1-Abfangjäger – sieben Monate hintereinander.

Steuerung über Hunderte Kilometer
Als neueste Entwicklung gilt das System Hornet Vision Ctrl. Es erlaubt dem Operator, die Abfangdrohne aus Hunderten Kilometern Entfernung vom Startpunkt zu lenken. In Betrieb ist das System seit Ende März. Zwei Schaheds holte der FPV-Pilot Roman „Hulk” von der Einheit Bulva Anfang April aus 500 Kilometern Entfernung vom Himmel. Mitte April folgte mit 2.000 Kilometern ein Rekord – der Drohnenpilot saß dabei am Notebook nicht einmal mehr in der Ukraine.
Verraten wird nicht, wie schnell und hoch die Sting tatsächlich fliegen kann. Laut offiziellen Angaben erreicht sie 280 km/h und bis zu 5.000 Meter Höhe, steigt mit bis zu 30 Meter pro Sekunde und kommt bis zu 37 Kilometer weit; als taktischen Einsatzradius nennt man 18,5 Kilometer. 500 Gramm der 3,7 Kilogramm Startgewicht entfallen auf den Gefechtskopf. Fest steht aber, dass die Shahed mit Jet-Antrieb höher und vor allem schneller unterwegs ist als die Propellerderivate.
Interceptor STING downs another jet-powered Shahed 🔥
The “Rubin” crew of the 1020th Anti-Aircraft Missile Regiment has taken down their second jet-powered target in a week. And even with Hornet Vision Ctrl remote control.
The enlarged warhead can carry up to 50 kg of… pic.twitter.com/4megj8Bu2S— Wild Hornets (@wilendhornets) May 3, 2026
Möglicherweise gehen die Erfolge bereits auf das Konto der Sting 2.0. Nach dem Produktionsstart wird diese Variante derzeit in Kleinserie gefertigt und dem Militär aktuell für Tests überlassen. Wie rasant die Entwicklung verläuft, zeigt sich auch daran: Erst seit etwa einem Jahr fliegt Sting 1 und liefert sehr gute Resultate – ein Ausruhen auf diesen Lorbeeren erlaubt der Angriffskrieg Russlands jedoch nicht. Ein potenzieller Nachfolger steht deshalb schon in den Startblöcken. Bekannt ist von ihm allerdings nur der Name, Fotos und Daten fehlen.
Verglichen mit den relativ günstigen MANPADS (-> Kleinstraketen mit großer Wirkung: Was sind MANPADS?), deren Preis sich im unteren sechsstelligen Euro-Bereich bewegt, kostet die Abfangdrohne Sting geradezu verschwindend wenig. Für eine Drohne fallen etwa 1.000 bis 2.000 Euro an; weitere 4.000 Euro kostet das notwendige Zubehör wie die erforderliche 360-Grad-Antenne und das Steuerungssystem.

Ins Ausland geliefert wird die Sting nicht: Der Bedarf im eigenen Land für die sogenannte „kleine Luftverteidigung” übersteigt, was die 1.500 3D-Drucker von Wild Hornets leisten können. Thijs Wolters schreibt dazu in der niederländischen Zeitung De Telegraaf:
Über der Ukraine tobt ein Luftkrieg, der fast ausschließlich von unbemannten Flugzeugen geführt wird. Die Sting spielt dabei die Hauptrolle und ist für die Ukraine mindestens genauso wichtig wie die Spitfire für die Briten während der Luftschlacht um England.— Thijs Wolters, De Telegraaf
Zu ergänzen bleibt nur, dass die Luftschlacht um England bekanntlich von den Briten gewonnen wurde.
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