Abfangdrohnen aus der Ukraine: Japan kauft P1-Sun bei SkyFall
Erstmals bezieht Tokio Abfangdrohnen aus ukrainischer Produktion. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi bestätigte den Vertrag mit SkyFall über die P1-Sun – offen bleiben Stückzahl, Auftragswert und welche Variante geliefert wird.

Zum ersten Mal kauft Japan Abfangdrohnen in der Ukraine ein. Auf einer Pressekonferenz in Tokio teilte Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi am 9. Oktober 2026 mit, dass sein Ministerium mit dem ukrainischen Hersteller SkyFall einen Vertrag über den Ankauf der „P1-Sun” abgeschlossen habe. Zur Stückzahl, zum Auftragswert und zur Konfiguration gab es keine Angaben.
Im veröffentlichten Protokoll des japanischen Verteidigungsministeriums wird Koizumi so wiedergegeben: „Das japanische Verteidigungsministerium hat bereits einen Vertrag zum Kauf von Abfangdrohnen des ukrainischen Unternehmens SkyFall unterzeichnet. Wir arbeiten an einer möglichst raschen Lieferung”.
Tokio setzt damit auf Technik, die unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine entstanden ist und fortlaufend weiterentwickelt wird. Unklar ist jedoch, welche Ausführung Japan bekommt. Zur Abfangdrohnenfamilie P1-Sun von SkyFall zählen neben der Grundversion auch die reichweitenstärkere Version „Long” und die schnellere Version „JetKiller”.

Abfangdrohnen der P1-Sun-Familie im Detail
Gedacht ist die modulare P1-Sun für den Kampf gegen gegnerische unbemannte Fluggeräte. Weil ihr Körper zum Teil im 3D-Druck entsteht, sollen sich Anpassungen schnell umsetzen und große Stückzahlen fertigen lassen. SkyFall gibt für die Grundversion rund 23 Kilometer Reichweite, über 17 Minuten Flugzeit und eine Flughöhe von bis zu 5.000 Metern an. Als Höchstgeschwindigkeit wurden im Juli 2026 310 Kilometer pro Stunde genannt. Bis zu 800 Gramm Sprengstoff sollen ausreichen, um das angeflogene Ziel zu zerstören. Mit rund 1.000 Euro pro Stück ist die Drohne weit billiger als eine Flugabwehrrakete.
Auf 33 Kilometer Reichweite und eine Steighöhe von bis zu 9.000 Metern kommt die Variante P1-Sun Long. Am schnellsten ist der P1-Sun JetKiller, dessen Vorstellung im Juli 2026 auf der Airshow in Farnborough erfolgte: Bis zu 370 Stundenkilometer, Einsatzhöhen bis 9.000 Meter, bis zu 15 Minuten Flugzeit und ein Gefechtskopf von 500 Gramm stehen in seinem Datenblatt. Dabei handelt es sich um Maximalwerte, die nicht unbedingt alle zugleich erreicht werden.

Ein Firmensprecher, der nur unter dem Codenamen Ares auftritt, gibt an, der JetKiller sei in lediglich drei Monaten entwickelt worden und habe im Truppenversuch schon mehr als ein Dutzend Drohnen mit Strahlantrieb abgeschossen. Seit August 2026 wird er in Serie gebaut, mit bis zu 50.000 Stück pro Monat. Ende September 2026 zeigte SkyFall in veröffentlichten Aufnahmen, wie eine russische Geran-5 mit Strahltriebwerk abgeschossen wurde.
Abhängig von der Ausstattung gibt es Kameras für den Tag- oder Nachteinsatz sowie eine analoge oder digitale Bildübertragung. Optional lässt sich ein KI-Modul einbauen, das laut SkyFall Ziele in bis zu einem Kilometer Entfernung erkennt und verfolgt. In der Endphase des Abfangens hilft es, ein vollständig autonomes System wird die Drohne dadurch aber nicht. Eingebunden bleibt der Bediener, der die Drohne über ein internetbasiertes System auch aus großer Entfernung steuern kann.
Lernen von der Front
Ausdrücklich verwies Koizumi zur Begründung auf die Kampferfahrung der ukrainischen Truppen. Wie das ukrainische Portal Militarnyi den Minister wiedergibt, kämen dank schneller Rückmeldungen von der Front an die Fabrik alle zwei bis drei Wochen verbesserte Drohnenversionen heraus. Bei der Entwicklung der eigenen Verteidigungsindustrie wie auch bei der Stärkung der industriellen Basis könne Japan viel von der Ukraine lernen. Tokio brauche Fähigkeiten zur Abschreckung und Reaktion und prüfe weitere Schritte.
Hinter der Beschaffung steht eine veränderte Bedrohungslage. Immer häufiger verwendet Russland Varianten der Geran-Familie mit Strahlantrieb, die erheblich schneller und höher fliegen als die bisherigen Propellerversionen. Im September 2026 war nach Angaben von Yurii Ihnat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, etwa jede zweite eingesetzte Shahed mit einem Strahltriebwerk ausgestattet. Abfangdrohnen mit herkömmlichem Propellerantrieb kommen hier an ihre Grenzen.
Für SkyFall ist der Auftrag aus Japan der bisher prominenteste Exporterfolg. Bereits im Februar 2026 hatte das Unternehmen gemeldet, dass die P1-SUN in ihren ersten drei Produktionsmonaten über 1.000 russische Ziele abgefangen habe. Insgesamt seien mehr als 10.000 russische Drohnen neutralisiert worden, so Firmenchef Mykola Makovieiev. Im Juni 2026 kam eine Partnerschaft mit Airbus Defence and Space hinzu, um die Abfangdrohnen in die europäische Luftraumüberwachung einzubinden. Japan erhält mit den günstigen Interceptor eine untere Verteidigungsschicht unter der teuren Raketenflugabwehr. Zugleich belegt der Vertrag, dass die Ukraine vom Empfänger militärischer Hilfe zum Exporteur kriegserprobter Verteidigungstechnologie geworden ist.
Fotocredits
© Unmanned Magazine/Rosenkranz · © SkyFallWeiterlesen

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