Abfangdrohnen für die Ukraine: Russland bestellt wegen Terra-Drone-Investition japanischen Botschafter ein
Abfangdrohnen des Typs Terra A1 will Terra Drone gemeinsam mit dem ukrainischen Startup Amazing Drones in großem Stil bauen. Moskau nennt das „offen feindselig”, die Aktie des japanischen Herstellers legt dagegen deutlich zu.

Eine Investition in Abfangdrohnen von „nur” 7,3 Millionen Euro, getätigt von einem japanischen Drohnenhersteller, bleibt für Japans Botschafter in Moskau nicht ohne Folgen. Akira Muto, japanischer Botschafter in Russland, wurde ins Moskauer Außenministerium einbestellt. Bekannt gemacht hat das nun Maria Sacharowa, russische Diplomatin und Pressesprecherin des russischen Außenministeriums.
Als „offen feindselig” wertet Russland die Investition des börsennotierten Unternehmens Terra Defense in das ukrainische Startup Amazing Drones. Laut dem russischen Außenministerium schadet die Vereinbarung der Sicherheit Russlands. Wegen der „unfreundlichen Politik” der neuen japanischen Regierung sind die bilateralen Beziehungen aus Sicht Moskaus auf einen historischen Tiefpunkt gefallen. An der Börse stieg der Kurs der Terra-Drone-Corporation daraufhin um 11,6 Prozent und erreichte die höchste Notierung seit letztem Juli.

Zum Hintergrund: Am 31. März hatten Toru Tokushige, CEO von Terra Drone, Maxim Klimenko, CEO des ukrainischen Unternehmens Amazing Drones LLC, sowie Vertreter des Verteidigungsclusters Brave1 eine strategische Partnerschaft verkündet. Angestrebt wird, Abfangdrohnen des Typs Terra A1 in großem Maßstab zu produzieren.
Verteilte Produktion statt großer Fabriken
Worauf es Toru Tokushige dabei vor allem ankommt, ist das ukrainische Know-how, die Drohnenproduktion zu dezentralisieren und zu skalieren. Der CEO von Terra Drone begründet das so:
Wenn man einen großen Fabrikkomplex auf herkömmliche Weise baut, wird er sofort zu einem leichten Zielobjekt […] Ukrainische Ingenieure haben bereits umfangreiche Erfahrung mit der Dezentralisierung der Produktion und der Arbeit unter ständiger Bedrohung. Wir lernen aktiv von ihnen.— Toru Tokushige, CEO von Terra Drone
Große Fabriken zu bauen, lehnt das Unternehmen derzeit ab. Geprüft wird stattdessen ein verteiltes Produktionsmodell, das ukrainische Fachleute im Krieg entwickelt haben und das die Verwundbarkeit gegenüber Raketen- und Drohnenangriffen erheblich senkt.

Gleichzeitig will Terra Drone japanische Ingenieure und Produktionsspezialisten in die Ukraine holen. Bekämpft werden sollen mit der Abfangdrohne Terra A1 Shahed, Geran-2, Gerbera und andere Drohnen.
Abfangdrohnen im Wettbewerb: was die Terra A1 kann
Das Unternehmen selbst beschreibt die Terra A1 als „hochmobiler Abfangjäger, für den schnellen Einsatz, den sofortigen Start und die Hochgeschwindigkeits-Abfangmanöver auf kurze Distanz konzipiert”.
Von außen betrachtet weicht die Drohne nur unwesentlich von anderen Abfangdrohnen ihrer Klasse ab: Der Rumpf ist keilförmig, vier Schubpropeller sind X-förmig angeordnet. Hinzu kommen eine kleine Tragfläche, die für Auftrieb und Stabilität im Kurvenflug sorgt, sowie vier Stabilisierungsflossen am Heck. Ins Auge fällt, wo die Kamera sitzt – am Rumpf in Höhe der X-Flügel. Offen bleibt damit, was sich unter der Spitze verbirgt.
Angegeben werden bis zu 300 km/h Geschwindigkeit und bis zu 32 Kilometer Reichweite; die maximale Flugzeit soll bei etwa 15 Minuten liegen. Im Video von Terra Drone sticht die hohe Beschleunigung hervor: Schon nach 30 Sekunden ist die Terra A1 750 Meter hoch, 550 Meter vom Startplatz entfernt und mit 100 km/h unterwegs.
Im Sektor der Abfangdrohnen konkurrieren die Systeme derzeit scharf miteinander: Rund 20 Hersteller in der Ukraine liefern sich einen Wettstreit unter hohem Innovationsdruck. Erst in diesen Tagen wurde bekannt, dass die Europäische Union über das EU4UA-Förderprogramm zwölf ukrainische Unternehmen mit jeweils bis zu 150.000 Euro unterstützt, damit diese Lösungen zum Schutz des ukrainischen Luftraums entwickeln.
Fotocredits
© KI-Illustration/Martin Rosenkranz · © Terra DroneWeiterlesen

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