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Counter-UAS

Drohnenabwehr gegen Schwärme: EOS und MARSS setzen auf „Human on the Loop“

Mit der Übernahme durch EOS entsteht ein Anbieter schlüsselfertiger Drohnenabwehr. Gründer Johannes Pinl erklärt, warum bei Schwarmangriffen der Mensch nur noch überwacht – und welche Rolle Laser, Kostenlogik und Abfangdrohnen spielen.

Apollo MARSS EOS
© EOS

Auf Drohnenabwehr sowie KI-gestützte Sicherheits- und Überwachungssysteme hat sich das britische Technologieunternehmen MARSS spezialisiert; Grundlage dafür ist die hauseigene Plattform NIDAR. Im Mai dieses Jahres ging MARSS an das australische Unternehmen Electro Optic Systems (EOS), mit dem bereits eine langjährige Zusammenarbeit bestand (-> EOS stärkt mit MARSS seine Position im Counter-UAS-Markt).

In seiner Defence-Sparte entwickelt EOS Technologien, mit denen sich Waffen- und Aufklärungssysteme optimieren und integrieren lassen. Ferngesteuerte Waffensysteme, Fahrzeugtürme, Hochenergie-Laserwaffen und modulare Drohnenabwehr zählen unter anderem zu den Kernprodukten.

Vereinfacht ausgedrückt wachsen mit der Übernahme Hardware und Software zusammen. Daraus geht ein Anbieter hervor, der „schlüsselfertige” Lösungen zur Drohnenabwehr für den militärischen wie den zivilen Bereich liefert.

NIDAR
Das NIDAR-Interface von MARSS. · © EOS

Rund 60 Installationen, vor allem im Mittleren Osten

Johannes Pinl, gebürtiger Österreicher, ist Gründer und Geschäftsführer; sein Unternehmen mit Sitz in London besteht seit gut 15 Jahren. Auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory 2026 sagte er zu den eingesetzten Lösungen: „Wir haben ungefähr 60 Installationen weltweit, vor allem im Mittleren Osten.” Herzstück der Technologie ist die sogenannte „Automatic Kill Chain”, eine hochintegrierte und automatisierte Wirkungskette. Sie beginnt bei der ersten Radardetektion in bis zu 20 Kilometern Entfernung, führt über die Verifikation durch elektro-optische Infrarotkameras und endet mit der finalen Klassifizierung und der computergestützten Bekämpfung des Ziels.

Vom Menschen in der Schleife zum Menschen als Aufsicht

Ob eine kommerzielle Drohne, ein Quadrocopter oder eine größere Angriffsdrohne wie etwa eine Shahed anfliegt, ermittelt das System bei der Zielerkennung mithilfe künstlicher Intelligenz. Moderne Taktiken wie hochgesättigte Schwarmangriffe bringen den Menschen in der Luftraumüberwachung allerdings zunehmend an seine Grenzen. „Der Human-in-the-Loop-Gedanke ist in diesem Fall nicht mehr realistisch. Mehr als vier bis fünf Drohnen gleichzeitig kann der Mensch nämlich nicht überblicken”, sagt Pinl. Technisch ist die Systemarchitektur deshalb als „Human on the Loop” ausgelegt: Sensorische Erfassung und Einleitung der Gegenmaßnahmen laufen vollautomatisch ab, während der menschliche Operator am Gefechtsstand in erster Linie die Lage überwacht.

Als Multi-Domain-System verbindet die MARSS-Plattform Sensordaten aus dem Luftraum, von der Oberfläche und aus dem Unterwasserbereich zu einem gemeinsamen Lagebild. Maritime Bedrohungen lassen sich gezielt über Sonarsensoren identifizieren. „Die Sensoren unterscheiden etwa zwischen Tauchern und Mini-U-Booten”, ergänzt Pinl. Darüber hinaus reichert Open Source Intelligence (OSINT) die Darstellung an. Auf See etwa fragt das System Hintergrunddaten von Schiffen automatisch ab, damit sich deren Historie und die zuletzt angelaufenen Häfen bewerten lassen.

EOS MARSS
Waffenstationen für die Flieger- und Drohnenabwehr am Messestand von EOS & MARSS auf der Eurosatory 2026. · © Stefan Tesch

Drohnenabwehr mit Blick auf die Kosten

Auf die wirtschaftliche Seite zielt eine Softwarefunktion, der sogenannte „Cost per Kill”. Nach Kriterien wie Reichweite, Kollateralschaden und Kosten empfiehlt das System dem Bediener die drei optimalen Effektoren. Pinl veranschaulicht das so: „Dadurch wird verhindert, dass günstige Bedrohungen mit unverhältnismäßig teuren Mitteln bekämpft werden, wie etwa ein Thales LMM Rakete für 200.000 Euro pro Schuss gegen einen simplen Quadcopter”. Und weiter: „Der Bediener muss lediglich die Entscheidungen treffen, welcher Effektor zum Einsatz kommen soll.”

Hochenergielaser: Der Schuss kostet fast nichts

Damit die Betriebskosten der Abwehr auf Dauer niedrig bleiben, setzen MARSS und EOS auf hochenergetische Laser. 2027 geht ein erster 100-Kilowatt-Laser in Produktion, der bereits an die NATO verkauft wurde. Bei einer Reichweite von bis zu 2,5 Kilometern muss er die Drohne rund eineinhalb bis zwei Sekunden bestrahlen. „Das ist eine kosteneffiziente Lösung, weil ein Schuss quasi nichts kostet”, schildert Pinl. Er spielt damit auf die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten einer Laserkanone an, die auf der Eurosatory unter dem Namen Apollo präsentiert wurde und im zweistelligen Millionenbereich liegen soll. Für den Treibstoff des integrierten Generators sollen dagegen lediglich ein bis zwei Euro pro Schuss anfallen.

Johannes Pinl
Johannes Pinl (rechts), Gründer und Geschäftsführer von MARSS, beim Interview mit Militär Aktuell für diesen Beitrag sowie für eine Podcast-Folge. · © MARSS

Abfangdrohnen kommen ohne Sprengladung aus

Eine weitere Abwehrmethode bilden neu entwickelte Interceptor-Drohnen. Die elektrisch angetriebenen Abfangdrohnen werden einsatzbereit in Containern gelagert; sie rammen die anfliegende Drohne gezielt mit einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern und zerstören sie so. Weil sie keine Explosivstoffe enthalten, lassen sie sich ohne Probleme in der Nähe bewohnter Gebiete oder von Infrastruktur wie Kraftwerken oder Flughäfen aufstellen.

Interceptor
Interceptor-Drohne mit Metallkopf und ohne Sprengstoff. · © EOS

Zur Auslieferung kündigt Pinl an: „In den nächsten Monaten sollen die ersten Interceptor-Drohnen zum ersten Kunden im Mittleren Osten geliefert werden. Durch die Kombination aus integrierter KI und Infrarotkamera wird dabei eine Treffergenauigkeit von 98 Prozent erzielt”.

Getragen vom globalen Verteidigungsmarkt expandiert EOS derzeit umfassend; die Zahl der Beschäftigten wird sich im laufenden Jahr voraussichtlich verdreifachen. MARSS hat vor Kurzem ein neues Büro im französischen Nizza eröffnet, ein weiteres in Deutschland ist ebenfalls geplant.

Exklusive Kooperation mit BAE Systems

Parallel zum personellen Wachstum baut das Unternehmen strategische Kooperationen aus: Auf der Eurosatory wurde eine exklusive Zusammenarbeit mit BAE Systems im Bereich der Drohnenabwehr bekannt gegeben.

Für das Drohnenabwehrsystem BATS (BAE Systems’ Anti Threat System) stellt MARSS die KI-gestützte NIDAR-Plattform für Führung und Steuerung (C2) bereit. Als „intelligentes Nervenzentrum” bindet NIDAR sämtliche Sensoren und Effektoren unabhängig vom Hersteller ein. Weil asymmetrische Bedrohungen automatisiert erkannt, klassifiziert und bekämpft werden, verkürzt sich der Entscheidungszyklus – das soll auch bei koordinierten Schwarmangriffen schützen.

Fotocredits

© EOS · © MARSS · © Stefan Tesch
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