Drohnenabwehr mit Drohnen: Wie die Ukraine Geran-2 und Aufklärungsdrohnen aus der Luft abfängt
Russland fertigt Geran-2 in Mengen, mit denen Flugabwehrraketen nicht Schritt halten. Die Ukraine setzt deshalb in der Drohnenabwehr zunehmend auf eigene Drohnen – von Quadrocopter-FPV bis zu speziellen Abfangjägern wie der Sting.

Das Gefüge der Flugabwehr verschiebt sich – und damit auch die Drohnenabwehr. Auslöser ist eine Entwicklung, die Ende der 1980er-Jahre mit der IAI-Drohne Harpy begann. Im Iran wurde sie mit der Shahed-Serie weitergedacht und weiterentwickelt; heute schießt Russland sie als Geran-2 Tag für Tag zu Hunderten auf die Ukraine ab.
Nach aktuellen Schätzungen kann Russland vom Langstreckenflugkörper Geran-2 täglich bis zu 170 Stück herstellen. Es handelt sich um eine fliegende Bombe mit Kolbenmotor, die je nach Ausstattung gut 1.500 Kilometer weit oder weiter fliegt. Auf ukrainischer Seite rechnet man damit, dass Russland absehbar auch 500 Stück pro Tag fertigen könnte.

Die Technik wird immer ausgefeilter: Indizien sprechen dafür, dass Russland den Flugpfad der Drohnen inzwischen während des Fluges über das ukrainische Mobilfunknetz umprogrammieren kann. Zu geänderten Taktiken haben aber auch die Stückzahlen geführt, in denen die Drohnen eingesetzt werden.
Um nicht vom Radar erfasst zu werden, flogen die Drohnen früher sehr tief. Die Ukraine antwortete mit akustischen Systemen für Frühwarnung, Zielerfassung und Erkennung. Außerdem stellte sie mobile Flugabwehrgruppen auf, die sich in bedrohten Gebieten bewegen und die Drohnen mit Rohrwaffen bekämpfen.
„Wir können sie alle sehen. Radargeräte können sie aufspüren. Aber es ist unmöglich geworden, sie mit Maschinengewehren abzuschießen.“
Yuriy Chumak, ukrainischer Fliegerabwehrsoldat
Etwa ein Drittel der Geran-2-Drohnen können die mobilen Gruppen nach Aussage von Präsident Wolodymyr Selenskyj abschießen. Um weitere solche Gruppen aufzustellen, wirbt die Ukraine derzeit um Freiwillige aus Bevölkerungsgruppen, die nicht wehrpflichtig sind. Weil die Geran-2 stundenlang quer durch das Land bis in die Westukraine fliegen, braucht es diese Abwehrverbände auch weit hinter der Front.
Bei immer größeren Drohnenmengen ist Tiefflug allerdings nicht mehr überall nötig – Flugabwehrraketen sind schlicht nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Erkennbar ist ein Trend: Nachfolgende Drohnen eines Schwarms meiden Gebiete, in denen zuvor Drohnen abgeschossen wurden, und fliegen in Höhen, die Rohrwaffen nicht mehr erreichen.

Drohnenabwehr gegen Aufklärer und Loitering Munition
Gleiches trifft auf den Kampf gegen fliegende unbemannte Aufklärungsmittel und Loitering Munition zu. In großen Stückzahlen produziert Russland Aufklärungsdrohnen der Typen Zala-421, Supercam und Orlan sowie Loitering Munition der Typen Lancet und Molniya. Seit Längerem schon kann die auf Kriegsproduktion umgestellte russische Wirtschaft weit mehr Drohnen herstellen, als der gesamte Westen an Flugabwehrraketen zu fertigen vermag.
Auf dieses Ungleichgewicht antwortet die Ukraine mit Drohnen. Bereits im ersten Quartal 2024 gelang es erstmals, Loitering Munition des Typs Molniya mit Quadrocopter-Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) abzufangen.
Warriors WU Samurai with the help of the Wild Hornets, they took down 2 Lancets, a Molniya-2, an Orlan, and a Supercam ????????
The Sky Rusoriz is in action! @sternenkofund pic.twitter.com/pqsvhELJXL
Inzwischen – Stand Ende des zweiten Quartals 2025 – ist es flächendeckend etabliert, Aufklärungsdrohnen mit Quadrocopter-FPV oder mit Flächen-FPV wie der Taras-P abzufangen. Neu hinzu kommen Trägerdrohnen: Diese Flächendrohnen nehmen bis zu zwei Quadrocopter-FPV mit, bringen sie auf Abfanghöhe und vergrößern so Reichweite und Einsatzhöhe der Abfangdrohnen.

Abfangjäger gegen Shahed und Geran
Spezielle Abfangjäger gegen Shahed-136/Geran-2-Drohnen sollen mittlerweile vier ukrainische Unternehmen entwickeln. Berichten zufolge sind zwei davon mit ihren Entwürfen bereits sehr erfolgreich.
Seit der ersten Junihälfte beteiligt sich auch Wild Hornets an der Jagd, ein bekannter ukrainischer Drohnenhersteller. Erstmals tauchten Prototypen seiner Abfangdrohne namens Sting im Oktober 2024 in Kurzvideos auf. Vom 19. Mai 2025 stammt das erste Video, das einen erfolgreichen Einsatz der Sting gegen eine Geran-2 zeigt.
???? russian Shahed was taken down by our STING interceptor drone ????
And this is just the beginning ????
Shahed drones strike Ukrainian cities every day — we need more STINGs to protect lives.
Please donate and help us stop them.
???? Apple Pay, Google Pay, Credit cards:… pic.twitter.com/k2c7VybPfC
Derzeit läuft damit ein Wettrüsten: auf der einen Seite kostengünstige Tiefangriffswaffen, die in immer größerer Zahl verfügbar sind – auf der anderen Abwehrmittel, die ebenso zahlreich und bezahlbar zur Verfügung stehen müssen.
Fotocredits
© Polen Mod, Archiv · © ArchivWeiterlesen

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