Schweizer Armee: Korpskommandant Roos fordert radikales Umdenken – „genug Bücher geschrieben“
Milliarden für Drohnen, ein neues Drohnenbataillon – und trotzdem nicht genug: Beim ersten Sicherheitsforum Drohnen Schweiz in Thun verlangte Korpskommandant Benedikt Roos von der Schweizer Armee weniger Perfektionismus, weniger Bürokratie und mehr Tempo.

Milliarden investiert die Schweizer Armee in Drohnen und Drohnenabwehr, sie plant ein eigenes Drohnenbataillon und schafft neue Strukturen. Korpskommandant Benedikt Roos genügt das aber nicht. Am 19. Oktober verlangte er beim ersten Sicherheitsforum Drohnen Schweiz in Thun einen grundlegenden Kulturwandel – mit weniger Perfektionismus, weniger Bürokratie und vor allem erheblich mehr Tempo.
Mit Blick auf die zunehmend angespannte Sicherheitslage in Europa warnte Roos: „Wir sind auch nicht mehr im Frieden”. Fast wortgleich hatte sich kürzlich auch der neue österreichische Generalstabschef Harald Vodosek geäußert. Die Vorstellung, das Land sei dank geografischer Lage und Neutralität automatisch geschützt, müsse die Schweiz hinter sich lassen.
Eskaliere die Lage an der NATO-Ostflanke militärisch, könne die Schweiz zum rückwärtigen Raum werden und damit selbst ins Visier geraten, warnte der Korpskommandant. Als potenzielle Ziele nannte er Energieversorgung, Datenzentren und die wichtigen Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen. Mit modernen Technologien seien Angriffe über große Entfernungen möglich.

Schweizer Armee: Milliarden und ein neues Drohnenbataillon
Aus den veränderten Bedrohungen hat die Schweizer Armee Konsequenzen gezogen. Über die kommenden zwölf Jahre sind für Drohnenabwehr und Robotik mehr als zwei Milliarden Schweizer Franken (rund 2,17 Milliarden Euro) eingeplant. Schon 2028 soll ein eigenes Drohnenbataillon stehen; für das Frühjahr 2027 ist die erste Rekrutenschule dafür vorgesehen.
Zudem bauen Armee und Armasuisse unter dem Projektnamen „Eiger” ein Innovationsökosystem auf, in dem Streitkräfte, Rüstungsbeschaffung, Wissenschaft und Industrie enger zusammenrücken sollen. Für Roos steht dennoch fest, dass neue Strukturen und zusätzliches Geld allein nicht genügen werden.
„Es geht nicht darum, dass die Schweizer Armee jetzt mehr Geld braucht, sondern es geht darum, die Schweiz braucht mehr Sicherheit.“
Korpskommandant Benedikt Ross
Appell: „Jetzt müssen wir endlich Dinge tun“
Besonders scharf ging der Korpskommandant mit der bisherigen Planungs- und Beschaffungskultur ins Gericht. Überzogene Sonderwünsche und langwierige Verfahren müsse die Schweiz ebenso hinter sich lassen wie den Anspruch, jede technische Lösung schon vor der Einführung bis ins letzte Detail zu definieren. Unmissverständlich appellierte er: „Irgendwann haben wir genug Bücher geschrieben, jetzt müssen wir endlich Dinge tun”.
Anstatt über Jahre perfekte Systeme zu planen, müsse die Armee rascher beschaffen, in der Praxis erproben und danach laufend verbessern. Das erfordere auch mehr Mut zum Risiko und die Bereitschaft, Fehler als Teil der Entwicklung hinzunehmen.
Auch nationale Sonderanpassungen, wie sie verbreitet sind, stellte Roos infrage: Weshalb solle ein System, das in Deutschland oder Frankreich funktioniere, nicht ebenso in der Schweiz zum Einsatz kommen können?

Mehr Experimente, weniger Vorschriften
Ebenso sieht Roos bei den regulatorischen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Wer moderne Drohnen entwickle, brauche Testgelände, auf denen sich Systeme unter realistischen Bedingungen erproben lassen – selbst wenn dabei einmal eine Drohne abstürzt.
Er nannte als Beispiel improvisierte bewaffnete Drohnen aus der Ukraine: Deren Erprobung würde in der Schweiz an zahlreichen Vorschriften scheitern. Gerade bei Technologien, deren Innovationszyklen extrem kurz sind, könne sich die Schweiz solche Hürden immer weniger leisten.
Ein Appell über die Armee hinaus
Ausdrücklich wandte sich Roos dabei nicht nur an die Streitkräfte. Politik, Industrie und Wissenschaft müssten ebenfalls enger kooperieren und eingespielte Abläufe hinterfragen. Am Potenzial dafür fehle es nicht: Gerade die Schweizer Milizarmee eröffne Zugang zu hochqualifizierten Fachleuten aus den unterschiedlichsten Technologiebereichen.
Nun gelte es, dieses Potenzial endlich konsequent zu nutzen. Damit ging die Botschaft des Korpskommandanten weit über die Ankündigung neuer Drohnenprogramme hinaus: Auch wenn die Schweiz Milliarden investiert und neue Verbände aufstellt, droht sie ohne grundlegend veränderte Arbeitsweise mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt zu halten. Roos selbst formulierte es so: „Wir müssen vorwärtsgehen.”
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© Unmanned Magazine/ZachariasWeiterlesen

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