FPV-Drohnen mit über 7 GHz: Ukraine eröffnet neue Runde im Frequenzkrieg
FPV-Drohnen der Ukraine funken inzwischen jenseits der russischen Frequenztabellen. Warum Warngeräte und Störsender damit ins Leere laufen, welche Einschränkungen der 7-GHz-Bereich mit sich bringt und wie lange der Vorsprung halten könnte.

Dauern Kriege lange, machen die eingesetzten Technologien große Entwicklungssprünge – das gilt auch für FPV-Drohnen, also Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View). Ein historisches Beispiel: Von 1939 bis 1941 bestand die Ausstattung der Panzerdivisionen der deutschen Wehrmacht überwiegend aus dem Panzerkampfwagen II, der 9 Tonnen wog, 15 Millimeter Panzerung trug und 140 PS leistete.
Ab 1943 brachten es Panzer V Panther und Panzer VI Tiger dagegen schon auf 45 bis 57 Tonnen, bis zu 110 Millimeter Panzerung und 700 PS. Bei den Standardjägern verlief es ähnlich: Die jeweils modernsten Messerschmitt Bf 109 und Spitfires hatten zu Kriegsbeginn rund 1.000 PS, bis Kriegsende waren es etwa 1.500 PS.

Wie der Drohnenkrieg zum Frequenzkrieg wurde
Für den Drohnenkrieg in der Ukraine gilt nichts anderes. Bei den ersten FPV-Kamikazedrohnen stammten Sender- und Empfängermodule aus ziviler Großserienfertigung. Entsprechend waren ihre Frequenzen nach den gesetzlichen Normen reguliert.
Spezialisten der elektronischen Kampfführung zeichneten die Signale auf den Schlachtfeldern akribisch auf, werteten sie aus und ordneten sie bestimmten Drohnenklassen oder Typen zu. Beide Seiten entwickelten Analyse- und Warngeräte sowie Störsender und setzten sie ein, um die erkannten Frequenzbereiche zu überwachen, gegebenenfalls zu warnen oder ihre Nutzung zu unterbinden.
Als wohl wichtigste Antwort auf diesen „Frequenzkrieg” gilt die kabelgelenkte Drohne. Im Februar 2024 wurden in der Ukraine zum ersten Mal Trümmer einer russischen Drohne entdeckt, die einen zehn Kilometer langen Lichtwellenleiter mitführte.

FPV-Drohnen funken jenseits von 6 GHz
Jetzt schlagen russische Spezialisten in Drohnenforen Alarm. In Trümmern von FPV-Drohnen der ukrainischen Streitkräfte stießen sie auf Sender und Antennen, deren Videoübertragung mit 6,7 GHz (6.700 MHz) und sogar 7,2 GHz (7.200 MHz) lief.
Bedeutsam ist das, weil russische Warngeräte und Störsender nicht auf diese Frequenzen eingestellt sind. Russische Frequenztabellen für den Drohneneinsatz enden in allen bekannten Varianten bei 6,0 GHz (6.000 MHz) – so weit jenseits der bekannten Skala bewegt sich die Ukraine inzwischen.

Manche Geräte könnten sich womöglich per Softwareupdate anpassen lassen. Technisch sind viele der genutzten Warn- und Störsysteme für so hohe Frequenzen aber überhaupt nicht ausgelegt – sie werden damit nutzlos.
In großer Zahl verfügt Russland über Ausrüstung, die zwischen 370 MHz und 2,7 GHz (2.700 MHz) arbeitet. Daneben gibt es einzelne Sets, die bis 100 MHz hinunter reichen, und andere, die bis 5,95 GHz (5.950 MHz) abdecken. Höhere Spektren lassen sich nur noch mit Spezialausrüstung jener Einheiten erfassen, die auf elektronische Kampfführung spezialisiert sind.
Konkret heißt das: Ukrainische FPV-Drohnen mit passender Ausrüstung können agieren, ohne dass russische Soldaten gewarnt werden oder ihre Frequenzen sich stören lassen.

Wann zieht Russland nach?
Offen ist, wie lange der technologische Vorsprung hält. Die Erfahrung zeigt, dass angepasste russische Systeme mitunter erst nach mehreren Monaten im Gefechtsfeld ankommen.
Im praktischen Einsatz brauchen FPV-Drohnen mit derart hohen Frequenzen meist einen fliegenden „Repeater”. Signale in diesem Bereich setzen nämlich zwingend eine freie Sichtlinie zwischen Sender und Empfänger voraus. Im Gegenzug kann die Übertragungsreichweite sehr groß sein, und es gibt deutlich mehr Kanäle. In niedrigeren Frequenzbändern müssen sich FPV-Piloten absprechen, um einander nicht zu stören; im 7-GHz-Bereich hingegen können viele Drohnen zugleich und parallel im selben Einsatzraum fliegen.
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