Zum Inhalt springen
Unmanned Systems / Aerial Drones

Aufklärungsdrohne Molniya-2R: Russland fliegt mit Windows 11 und Starlink

Raspberry Pi, chinesischer Mini-PC, Gimbal-Kamera aus dem Versandhandel: Eine in der Ukraine erbeutete russische Aufklärungsdrohne zeigt, wie weit der COTS-Ansatz reicht – und warum die Kosten deutlich unter 10.000 Euro bleiben.

Russian reconnaissance drone Molniya-2R
© Archiv

Was Bilder bereits nahelegten, hat die jüngste Analyse nun bestätigt: Die Aufklärungsdrohne der „Blitz”-Familie, die die Ukraine erbeutet hat und die offiziell Molniya-2R heißt, setzt auf das Betriebssystem Windows 11. An Bord ist zudem ein Starlink-Terminal von SpaceX, dem US-amerikanischen Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen von Elon Musk.

Mit dem Starlink Mini Kit UTA-231, einem All-in-One-System, steht Highspeed-Internet fast überall zur Verfügung. Diese „zuverlässigen Internetverbindung” (O-Ton Starlink) nutzt inzwischen auch Russland zunehmend im Angriffskrieg gegen die Ukraine.

SpaceX wirbt darüber hinaus mit vielseitigen Möglichkeiten der Stromversorgung. Gerade das macht das Terminal ideal für den Einbau in eine günstige COTS-Aufklärungsdrohne (Commercial Off The Shelf/kommerzielle Produkte „aus dem Regal”). Auch die restlichen Komponenten zeigen, wie konsequent hier auf COTS gesetzt wird: Für Rechenleistung sorgen ein Raspberry Pi 5 aus Großbritannien und ein Raskat Start 107-Minicomputer, der auf einem chinesischen F8 Mini-PC basiert. Betrieben wird das Gesamtsystem mit Windows 11.

Minicomputer aus der zivilen Massenproduktion
Minicomputer aus der zivilen Massenproduktion übernehmen die Datenverarbeitung in der Molniya-2R. · © Archiv

Warum Russland bei der Aufklärungsdrohne spart

Hinter der kostengünstigen Lösung steht der inzwischen enorm gestiegene Verbrauch an Aufklärungsdrohnen. So kann die Ukraine mittlerweile rund 950 Abfangdrohnen pro Tag an ihre Drohnenpiloten ausliefern, und die zeigen Wirkung. Russische Quellen melden einen erheblichen Mangel an taktischen Aufklärungsdrohnen, weil an der Front hohe Verluste entstehen. Dabei verfügt Russland mit Orlan-10/30, Zala und Supercam über Hersteller mit großen Fertigungskapazitäten. Kleinere Produzenten wie ALB-Aero mit der Albatros M5 sollen die Lücken ebenfalls schließen.

Das genügt offenbar nicht. Immer mehr werden Aufklärungsdrohnen zu Einweggeräten. Man hat mehrfach versucht, die Systeme mit Rückwärtskameras und teils automatisierten Ausweichmechanismen zu schützen. Daraus entstanden zwar mitunter spektakuläre „Drohnen-Luftkämpfe”, ein durchschlagender Erfolg blieb bisher aber aus. Agiler und schneller sind die Abfangdrohnen.

Russische Molniya-Kamikazedrohne
Eine russische Molniya-Kamikazedrohne im Visier einer ukrainischen Abfangdrohne. · © Archiv

Abgeleitet ist die Molniya-2R von der extrem kostengünstigen und einfach zu fertigenden Sperrholz-Drohne Molniya-2.

Der Pilot nutzt eine fest eingebaute FPV-Kamera (FPV: Sicht aus der Ich-Perspektive, First-Person View). Dazu kommt eine dreiachsig stabilisierte Gimbal-Kamera mit 2K-Auflösung, zehnfachem optischem und 30-fachem digitalem Zoom. Diese Kameraeinheit namens ZR10 lässt sich frei über den chinesischen Versandhandel beziehen; mit Tracking-Modul kostet sie rund 800 Euro.

Gimbal
Ein kostengünstiger Gimbal aus chinesischer Serienproduktion liefert die Aufklärungsbilder. · © Archiv

Für das Starlink Mini Kit samt Lizenz fallen etwa 300 Euro an, für die Sensorlast rund 800 Euro und für die beiden Mini-PCs mit Windows-11-Lizenz zusammen etwa 510 Euro. Selbst mit weiteren Komponenten kostet die Aufklärungsdrohne so deutlich weniger als 10.000 Euro. Bis zu 40 Kilometer soll ihre Reichweite betragen.

Dass bei den russischen Streitkräften in jüngster Zeit immer häufiger Starlink-Terminals verwendet werden, darauf hat zuletzt Serhii „Flash” Beskrestnov hingewiesen, ukrainischer Experte für Kommunikationstechnologie und elektromagnetische Kriegsführung.

Fotocredits

© Archiv
Werbung336 × 280
Perimeter Protection 2027 – Jetzt Ticket sichern! 19.–21. Januar 2027, Nürnberg (incontent)

Weiterlesen

Die Woche der unbemannten Systeme.