Drohnenangriff auf Moskau: Ukrainische Jetdrohnen durchbrechen die Flugabwehrringe der Hauptstadt
Mehr als 1.000 Drohnen an einem Tag, Ziele rund um die Hauptstadt und auf der Krim: Nach dem Drohnenangriff auf Moskau erklärt der Kommandeur der ukrainischen USF das ruhige Leben dort für beendet. Im Fokus stehen die Jetdrohnen BARS-FS und BARS-CM und der Pipelinering um die Stadt.

Nach dem jüngsten Drohnenangriff auf Moskau hat die Stadt aus Sicht von Robert „Magyar” Brovdi ihre „Sicherheitsgarantie” für ein ruhiges Leben eingebüßt. Brovdi kommandiert die unbemannten Systemstreitkräfte (USF) der ukrainischen Streitkräfte und schrieb in seinen sozialen Medien: „Moskau schläft von nun an nie mehr. Die einseitige Garantie zu einem ruhigen Leben in Patriki und Umgebung (Patriarchatsviertel am Moskauer Gartenring, eines der teuersten und angesehensten Viertel Moskaus; Anmerkung der Redaktion) wurde gestrichen”. Dazu stellte er ein Foto, das den Flügel einer Drohne mit dem Schriftzug „Moskau schläft nie” zeigt.
Magyar’s poetry:
Moscow never sleeps from now on.
Version 17.05 — the odds are now even: the one-sided subscription to a peaceful life on Patriarch’s Ponds and its outskirts has been revoked.
Eustace to Alexei Grigorovich: it matters how you enter the right conversation, but… pic.twitter.com/MpUpFsXkZx— 414 Magyar’s Birds (@414magyarbirds) May 17, 2026
An jenem Tag schickte die Ukraine deutlich mehr als 1.000 Drohnen in Richtung Russland. Gemeinsam mit den Streitkräften der Ukraine griffen Spezialisten des SBU-Zentrums für Spezialoperationen „Alfa” die Region Moskau an, ebenso die Infrastruktur und die Luftverteidigungssysteme des Militärflugplatzes „Belbek” auf der Krim. Mit dabei waren außerdem die 412. unbemannte Systembrigade, die 107. Raketenartilleriebrigade aus Kremenchuk, die 19. Raketenbrigade „Heilige Barbara” sowie das 1. unbemannte Systemzentrum.
Ukrainian Bars low cost cruise missile spotted flying over Russia’s capital, Moscow, early this morning. pic.twitter.com/1JlIvm0D9l— OSINTtechnical (@Osinttechnical) May 17, 2026
Getroffen wurden im Raum Moskau diese Ziele:
- das Werk „Angstrem” in Zelenograd, ein Halbleiterlieferant des russischen Rüstungskomplexes, gegen den US-Sanktionen verhängt sind;
- die Ölraffinerie von Moskau;
- die Treibstoffverladestation „Sonechorskaja” sowie
- die Treibstoffverladestation „Volodarskaja”.
Auf besonderes Interesse von Analysten stößt der Schlag gegen die Verladestationen. Sie sind Teil eines Pipelinerings um Moskau, der mehr als 400 Kilometer lang ist. Über ihn gelangen Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Flugkerosin aus den Raffinerien in Moskau, Rjasan und Kstowo im Großraum Moskau zu den Abnehmern. Unter anderem starten an den Verladestationen auch die Tankwagen, die die Tankstellen in Moskau und Umgebung beliefern.
Man rechnet damit, dass die Ukraine weiter versuchen wird, diesen Ring stillzulegen oder seinen Betrieb zumindest zu stören.

Jetdrohnen BARS-FS und BARS-CM beim Drohnenangriff auf Moskau
Eingesetzt wurden gegen Moskau Drohnen aus ukrainischer Entwicklung, darunter An-196 Lutiy, Firepoint FP-1 und FP-2, BARS-FS und BARS-CM Gladiator. Öffentlich gezeigt wurden die beiden Jetdrohnen BARS-FS und BARS-CM am 11. Mai in Kiew – und zwar bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung, mit der die Verteidigungsminister Deutschlands und der Ukraine, Boris Pistorius und Mykhailo Fedorov, einen gemeinsamen Verteidigungscluster namens „Brave Germany” gründen wollen.

Worin sich BARS-FS und BARS-CM vor allem unterscheiden, dürfte das Verhältnis von Nutzlast zu Reichweite sein. Diese Strategie hat die Ukraine schon bei den Drohnen Firepoint FP-1 und FP-2 verfolgt.
Als Antrieb dient bei Bars ein Turbojetmotor KingTech K-450G4+ aus Taiwan. Er erzeugt bis zu 45 Kilogramm Schub und verbraucht dabei 1,1 Kilogramm Treibstoff pro Minute. Der Marschflugkörper bzw. die Drohne erreicht bis zu 800 km/h, kommt 700 bis 800 Kilometer weit und trägt einen Gefechtskopf von 50 bis 100 Kilogramm. Diese Leistungsdaten beruhen allerdings auf russischen Schätzungen.
Für Navigation und Steuerung sorgen mehrere Komponenten: ein Satellitennavigationsmodul POK-T, ein Empfänger für das globale Satellitennavigationssystem (GNSS) vom Typ OEM719 des kanadischen Unternehmens Novatel samt Erweiterungsmodul, ein Flugsteuerungscomputer Cube Orange+ der australischen Firma Cubepilot, ein in China gefertigter Radarhöhenmesser Nanoradar NRA24 sowie ein CRPA-Antennensystem TUALAJ 8600 mit acht Elementen vom türkischen Hersteller Tualcom.

Mit aktiven Antennenarrays bilden CRPA-Antennen ein gerichtetes Empfangsmuster. Das TUALAJ 8600 verarbeitet sämtliche gängigen GNSS-Signale, nämlich GPS L1/L2/L5/L6 plus Kompatibilität mit M-Code, GLONASS G1/G2, Galileo E1/E5a/E6 und BeiDou B1/B2a/B3.
Was die russische Flugabwehr abfing
Funktionsfähig bleibt die russische Flugabwehr dennoch, wie die gemeldeten Abschüsse belegen. Zunächst war in russischen Meldungen von 586 abgefangenen Drohnen über ganz Russland die Rede, davon 85 in Richtung Moskau. Am Ende gab das russische Verteidigungsministerium für den 17. Mai 1.054 ukrainische Flugzeugdrohnen an, die binnen 24 Stunden abgeschossen worden seien. Damit lag die Zahl der von russischen Kräften innerhalb von 24 Stunden abgeschossenen Langstreckendrohnen erstmals über 1.000.
Massiver Drohnenangriff auf Russland: Das Land, insbesondere Moskau, wurde in der Nacht von einer der schwersten ukrainischen Angriffswellen seit Kriegsbeginn ins Visier genommen.
Trotz Verbot stellten Einwohner Bilder der Angriffe ins Netz.🧵 pic.twitter.com/GcedRNaaeQ— Anna (@AnnaDeMilanese) May 17, 2026
„Die Hauptstadt gilt als die am besten von der Luftverteidigung geschützte Stadt des Landes. Daher sind die massiven ukrainischen Angriffe ein Versuch zu demonstrieren, dass die von der russischen militärpolitischen Führung ergriffenen Maßnahmen nicht funktionieren”— ein russischer Kommentator
Fotocredits
© t.me/V_Zelenskiy_official · © x.com/NOELreports · © Museum of the Russo-Ukrainian War · © ArchivWeiterlesen

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