Drohnenhersteller Primoco UAV SE: Guardia Civil in Spanien bestellt One 150
Rund 4 Millionen Euro bringt der erste Großauftrag 2026 dem tschechischen Drohnenhersteller ein. Die Guardia Civil will mit der One 150 See- und Grenzräume überwachen – während Primoco in Písek die Produktion ausbaut.

Den ersten Großauftrag des Jahres 2026 hat Primoco UAV SE, Drohnenhersteller aus Tschechien, öffentlich gemacht. Auftraggeber ist die spanische Guardia Civil, das Vertragsvolumen liegt bei rund 4 Millionen Euro (etwa 100 Millionen tschechische Kronen).
Als landesweit tätige Sicherheitskraft mit militärischer Struktur deckt die Guardia Civil in Spanien ein breites Aufgabenspektrum ab und steht vor einigen der vielschichtigsten Sicherheitsherausforderungen im heutigen Europa. Tag für Tag gehen ihre Angehörigen gegen internationale organisierte Kriminalität, Schmugglernetze und illegale Migration vor. Sie schützen die Staatsgrenzen ebenso wie strategisch bedeutende Häfen und Flughäfen, sichern kritische Infrastrukturen, übernehmen Anti-Terror-Einsätze und leisten einen Beitrag zum Schutz natürlicher Ressourcen.
Technologisch soll künftig das unbemannte Luftfahrzeug (UAV) Primoco One 150 eine wichtige Rolle übernehmen. Mit seiner außergewöhnlich langen Flugdauer und modernen Sensorsystemen soll es der spanischen Guardia Civil ermöglichen, große See- und Grenzgebiete dauerhaft zu überwachen und Bodeneinheiten in schwer zugänglichem Gelände taktisch zu unterstützen.
Mehr Kapazität beim Drohnenhersteller
Schon 2025 war für Primoco UAV SE ein erfolgreiches Jahr: Insgesamt 42 Drohnen wurden bestellt, der Gesamtwert belief sich auf 43,5 Millionen Euro (1,06 Milliarden tschechische Kronen).

Gleichzeitig wird das Werksgelände am Firmenflugplatz Písek‑Krašovice umfassend erweitert. Gebaut werden dort derzeit ein neuer Hangar und moderne Schulungseinrichtungen, die in der ersten Hälfte dieses Jahres vollständig in Betrieb gehen sollen.
Für eine komplett neue Produktionshalle im Katastergebiet der Stadt Písek (Südböhmen) reichte Primoco UAV zudem Ende 2025 einen Antrag auf Baugenehmigung ein. Entstehen soll das Gebäude in der benachbarten Industriezone. Ist es fertig, kann das Unternehmen seine maximale Produktionskapazität auf bis zu 300 unbemannte Luftfahrzeuge im Jahr anheben.
Primoco UAV SE im Porträt
Unter den europäischen Herstellern mittelgroßer unbemannter Luftfahrzeuge zählt Primoco UAV SE zu den größten. Wichtigstes Produkt ist die Drohne Primoco One 150: Sie startet mit maximal 150 Kilogramm, bleibt je nach Konfiguration und Ausrüstung außergewöhnliche 10 bis 15 Stunden in der Luft und trägt bis zu 20 Kilogramm Nutzlast. Starts und Landungen laufen vollautomatisch ab.

Als einziges UAV seiner Klasse weltweit ist die Primoco One 150 nach dem militärischen STANAG 4703 der NATO zertifiziert. Hinzu kommen eine zivile Betriebsgenehmigung der European Union Aviation Safety Agency und ein Lufttüchtigkeitszeugnis nach ICAO Annex II.
Ausgelegt ist die Primoco One 150 für anspruchsvolle Aufgaben im zivilen wie im militärischen Bereich. Zu ihren Einsatzfeldern gehören etwa die Überwachung von Waldbränden, mobile Kommunikationsnetze, die Unterstützung von Rettungseinsätzen bei Naturkatastrophen, die Umweltüberwachung und die Kontrolle von Grenzen und Küsten.
Militärisch kommt das System in erster Linie bei Missionen zur Aufklärung und Überwachung (ISR, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance) zum Einsatz. Moderne Technologien, darunter künstliche Intelligenz, die Daten in Echtzeit erkennt und analysiert, sowie eine hohe Kompatibilität machen die Plattform auch für besonders fordernde autonome und militärische Einsatzszenarien geeignet.
Mehr als 250 Drohnen vom Typ One 150 hat Primoco UAV SE bis heute gebaut. Im Einsatz sind sie mittlerweile auf vier Kontinenten, unter anderem im Ukraine-Krieg. So hat Luxemburg nach Angaben des luxemburgischen Verteidigungsministeriums schon im November 2022 sechs One 150 an die Ukraine geliefert. Zudem beschaffte die deutsche Bundesregierung 2025 insgesamt 18 Aufklärungsdrohnen dieses Typs für die ukrainischen Streitkräfte.
Notiert ist das Unternehmen an der Prague Stock Exchange im Segment Prime Market. Mit rund 205 Millionen Euro (5 Milliarden tschechische Kronen) Marktkapitalisierung gehörte Primoco 2025 zu den 100 wertvollsten Unternehmen der Tschechischen Republik. An der Spitze steht Gründer und Vorstandsvorsitzender Ladislav Semetkovský.
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