Freund-Feind-Erkennung: Ukraine markiert Drohnen mit „Invasionsstreifen“
Hunderte Drohnenmodelle teilen sich den Himmel über der Ukraine, Herkunft und Zweck sind oft nicht zu erkennen. Bei der Freund-Feind-Erkennung greifen Drohneneinheiten auf eine Idee zurück, die 1944 über der Normandie zum Einsatz kam – allerdings ohne einheitliches Schema.

Bei der Jagd auf Drohnen über der Ukraine stellt sich ein Problem der Freund-Feind-Erkennung, das die Kriegsgeschichte längst kennt. Hunderte verschiedene Modelle sind heute im dortigen Luftraum unterwegs. Woher eine Drohne stammt, ist häufig ungewiss, und auch ihr Einsatzzweck lässt sich beim ersten Hinsehen nicht mehr eindeutig bestimmen.

Mit dem Tempo der Entwicklung hält keine Typenkunde mehr Schritt. Anfangs zeigten Erkennungsfibeln noch Bilder von rund 50 Modellen. In einem russischen Drohnenforum wollte jemand wissen, was hinter den „mysteriösen Streifen aus Isolierband oder blauem Klebeband” auf ukrainischen Drohnen steckt. Die Antwort kam rasch: Gemeint sind sogenannte „Invasionsstreifen”.
Eine Lösung aus dem Jahr 1944
Schon im Zweiten Weltkrieg nahmen alle Seiten eigene Flugzeuge unter Beschuss – obwohl Hoheitsabzeichen existierten und die Zahl der Luftfahrzeugtypen vergleichsweise überschaubar blieb.
Für die Invasion in der Normandie im Juni 1944 erwartete man eine bis dahin unerreichte Menge an Flugzeugen im Luftraum. Zugleich drohte die frühe IFF-Technik (Freund/Feind-Kennung per Funk) überlastet zu werden. Am 17. Mai 1944 gab Air Chief Marshal Sir Trafford Leigh-Mallory, Befehlshaber der Allied Expeditionary Air Force, deshalb ein Kennzeichnungsschema frei, das unter dem Namen „Invasionsstreifen” bekannt wurde.

Tragflächen und Rumpf vor dem Höhenleitwerk erhielten – ergänzend zu Hoheitsabzeichen und Kennungen – fünf Streifen, abwechselnd schwarz und weiß, jeweils 46 Zentimeter breit. Am 1. Juni 1944 wurde das Schema erfolgreich getestet. Zwei Tage später ging der Befehl zum Aufmalen an die Truppentransporter, am 4. Juni folgten die Jagd- und Bomberstaffeln der Alliierten Luftstreitkräfte. Nachdem die Alliierten die Lufthoheit über Frankreich errungen hatten, verschwanden die Streifen bis Ende 1944 wieder vollständig.
Technische Freund-Feind-Erkennung für taktische Drohnen fehlt
Bei den ukrainischen Drohnen lässt sich ein derart einheitliches Schema nicht erkennen. Ein festes Muster fehlt, und längst nicht jede Drohne ist mit Streifen versehen. Manche zeigen das ukrainische Hoheitsabzeichen, andere stattdessen oder zusätzlich blaue, gelegentlich auch gelb-blaue Streifen. Auch der Abstand zwischen ihnen ist nicht festgelegt.


Naheliegend ist daher die Annahme, dass Drohneneinheiten an der Front hier zu Notlösungen greifen und – anders als 1944 – keine allgemeine Anordnung ergangen ist. Wie sich zehntausende Drohnen, die gleichzeitig im Luftraum sind, technisch als Freund oder Feind erkennen lassen, dafür sind noch keine Lösungen bekannt.
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