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Unmanned Systems / Aerial Drones

Molniya-Drohne: Russlands „Blitz“ aus Sperrholz, Alurohren und Klebeband

Rund 15 Bauteile, wenige Mannstunden und vermutlich unter 400 Euro Materialkosten: Die Molniya-Drohne trägt dennoch bis zu fünf Kilogramm Gefechtskopf bis zu 30 Kilometer weit. Ein Blick auf Bauweise und Einsatz.

Russian Molniya drone
© Archiv

Hochpreisige Waffensysteme, lange Lieferzeiten, knappe Verfügbarkeit – in dieser Welt hat Russlands anhaltender Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder einmal einen Ausreißer nach unten hervorgebracht. Selbst im ohnehin sehr billigen Segment der Kleindrohnen tritt die neue russische Molniya-Drohne („МОЛНИЯ“/Blitz) als Minimalist auf.

Russische Molniya-Drohne
Einfacher Aufbau: Die Molniya besteht aus zwei Alustangen, Sperrholz und Folie. · © Archiv

Einen Rumpf hat der Konstrukteur der Flügeldrohne gar nicht erst spendiert. Das Grundgerüst besteht vielmehr aus zwei Alurohren, verbunden durch Querelemente aus lasergeschnittenem Sperrholz. Auch Spant und Rippen des folienbespannten Rechteckflügels sind aus Sperrholz gefertigt, und das Höhenleitwerk ist identisch aufgebaut. Zur Steuerung genügen dem unbemannten Luftfahrzeug (UAV) drei Servos: je einer für die beiden Querruder an den Tragflächen und einer für das einteilige Höhenruder. Am Seitenleitwerk gibt es überhaupt keine Steuerfläche; es dient als Träger für einen Videotransmitter.

Russische Molniya-Drohne
Die Molniya-Drohne wird vor dem Einsatz an der Front rasch zussamen gebaut und mit einem Gefechtskopf versehen. · © Archiv

Wie simpel die Konstruktion ist, zeigt ein weiteres Detail: Alle drei Steuerflächen sind offenbar gleich groß und haben identische Montage- und Anlenkpunkte. Die Steuerelektronik sitzt zwischen den Flügeln, wo auch die Akkus mit Klebeband angebracht werden. Vor den Flügeln wird zwischen den beiden Alurohren der Gefechtskopf ebenfalls mit Klebeband befestigt. Ganz vorn sitzt, von einem Sperrholzteil gehalten, der Elektromotor mit Propeller.

Eine nach vorn gerichtete Videokamera an der Unterseite zwischen den Flügeln überträgt das Bild, mit dem ein Pilot die Drohne per FPV-Brille (Sicht aus der Ich-Perspektive, FPV, First-Person View) steuert.

Was die Molniya-Drohne kostet und leistet

Wohlwollend gezählt besteht die gesamte Struktur aus gerade einmal rund 15 verschiedenen Bauelementen – Schrauben und Flügelmuttern schon eingerechnet, mit denen die Flügel über eine Sperrholzplatte an den Alustangen festgemacht werden. Für den Bau dürften zwei bis vier Mannstunden nötig sein. Das flugfertige UAV mit Elektronik und Akkus kommt an Material vermutlich nicht einmal auf 400 Euro. Dabei befördert das Gerät einen bis zu fünf Kilogramm schweren Gefechtskopf über eine Distanz von bis zu 30 Kilometern.

Russische Molniya-Drohne
Die ukrainischen Soldaten wurden bereits früh davor gewarnt sich abgestürzten Molniyas zu nähern. Zumindest zum Teil sind die UAV mit Bewegungszündern versehen. · © Archiv

Belegt sind Molniya-Angriffe auf Fahrzeuge und Gerät, sowohl in Stellung als auch in Bewegung, außerdem auf ortsfeste militärische Ziele wie Gefechtsstände im Gelände oder in Gebäuden.

Zum ersten Mal tauchte der „Blitz“ im Frühjahr dieses Jahres auf, während der Schlacht um den Kessel Krynky am linken Ufer des Dnepr in der Oblast Cherson. Seitdem veröffentlicht die russische Seite immer häufiger Videos erfolgreicher Einsätze. Ukrainische Aufnahmen zeigen wiederum, wie Molniyas von FPV-Quadcoptern abgefangen oder von der ukrainischen elektronischen Kriegsführung wirksam gestört werden.

Das Video oben zeigt, wie die neue russische Molniya-Drohne startklar gemacht wird, abhebt, fliegt und ihr Ziel erfasst. Dazu kommen Szenen der Bekämpfung: das Abfangen mit FPV-Drohnen, elektronische Kampfmittel gegen Molniya und die Räumung abgestürzter Drohnen durch den ukrainischen Entminungsdienst.

Fotocredits

© Archiv
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