Seedrohne Magura V5 holt russischen Mi-8 vom Himmel – Premiere vor der Krim
Erstmals hat eine Seedrohne ein Luftfahrzeug abgeschossen: Am 31. Dezember 2024 traf eine ukrainische Magura V5 mit einer R-73 SeeDragon einen russischen Mi-8 nahe Kap Tarkhankut. Was das Boot kann und woher die Waffe stammt.

Den letzten Tag des Jahres 2024 nutzte die Spezialeinheit „Gruppe 13” des ukrainischen Verteidigungsnachrichtendienstes für einen Abschuss: Ihre Seedrohne vom Typ Magura V5 holte einen russischen Hubschrauber Mi-8 vom Himmel.
Auf dem veröffentlichten Video des Gefechts ist zu sehen, wie ein Hubschrauber mit seinen Bordwaffen auf die Magura V5 feuert; die Treffer der Projektile sind klar erkennbar. Dennoch gelang es der Drohne anschließend, den Hubschrauber mit einem Lenkflugkörper R-73 SeeDragon ins Visier zu nehmen und abzuschießen. Schauplatz war die Gegend um Kap Tarkhankut an der Nordwestspitze der Krim, die Russland besetzt hält.
A historic strike: @DI_Ukraine warriors destroyed an aerial target using a Magura V5 naval drone.
A russian Mi-8 helicopter was destroyed using R-73 “SeeDragon” missiles near Cape Tarkhankut in temporarily occupied Crimea.
Another enemy helicopter was damaged and returned to… pic.twitter.com/AMOiuVEzWe— Defense of Ukraine (@DefenceU) December 31, 2024
Vermutlich ist die Besatzung des Hubschraubers beim Abschuss ums Leben gekommen. Darauf deutet jedenfalls „Fighterbomber” hin, ein bekannter russischer Blogger aus dem Umfeld der Luftwaffe: Er beklagt den Verlust „der besten Crew” seit 2022.
Was die Seedrohne Magura V5 auszeichnet
Entwickelt und eingesetzt wird die Überwasserdrohne Magura V5 vom ukrainischen Militär. Ihren Namen hat sie von der Göttin des Krieges und des Sieges in der slawischen Mythologie. Verglichen mit dem Vorgängermodell Sea Baby ist sie kleiner und wendiger.
This is #Ukraine-developed and manufactured unmanned surface vessel (USV) MAGURA V5. It can carry up to 320 kg of explosives at 80 km per hour and have a range of 800 km from the launch side. This would cover much of the Black Sea:
pic.twitter.com/eOUk6flo28— Alexander Kokcharov (@alex_kokcharov) July 29, 2023
Ziele der Magura V5 sind nicht nur langsam fahrende oder vor Anker liegende Schiffe; auch Kriegsschiffe in Fahrt auf hoher See kann sie angreifen. Statt als Ladungsträger, der wie ein Torpedo an der Wasseroberfläche ins Schiff gesteuert wird, lässt sie sich unter anderem auch mit Fliegerabwehr-Lenkwaffen kurzer Reichweite bestücken.
Schon länger schützt Russland seine Seewege mit Hubschraubern und Flugzeugen gegen die ukrainischen Überwasserdrohnen. Dass die Magura V5 mit der R-73 ausgerüstet wird, wurde im Mai 2024 erstmals bekannt. Mehrfach hat die Ukraine seither versucht, den Gegner mit der Fliegerabwehr-Lenkwaffe in die Falle zu locken – bislang ohne Erfolg: Aus den Gefechten gingen stets die Russen als Sieger hervor.
Undated footage of the crew of a Russian BSF’s Kamov Ka-29 helicopter attempting to destroy a Ukrainian unmanned surface vehicle (USV), which appears to be equipped with a Soviet-era R-73 air-to-air missile (modified for launches from USVs).
As the video ends, the Ukrainian USV… pic.twitter.com/EbZdYIZsvA— Status-6 (Military & Conflict News) (BlueSky too) (@Archer83Able) October 23, 2024
Mit dem Einsatz vom 31. Dezember 2024 ist Kriegsgeschichte geschrieben: Nie zuvor hatte ein unbemanntes Wasserfahrzeug ein Luftfahrzeug abgeschossen.
Lenkflugkörper R-73 SeeDragon
Beim verwendeten Lenkflugkörper R-73 SeeDragon handelt es sich offenbar um eine Variante der infrarotgelenkten Wympel R-73 (NATO-Code: AA-11 Archer), die eigens an die extremen Bedingungen auf See angepasst wurde. Rund 110 Kilogramm schwer, ist sie mit westlichen Typen wie der AIM-9X Sidewinder oder der Iris-T von Diehl Defence vergleichbar.

Als erste hoch agile Fliegerabwehr-Lenkwaffe kurzer Reichweite mit großem Erfassungsbereich war die R-73 schon Mitte der 1980er-Jahre ihren westlichen Pendants in jeder Hinsicht überlegen. Bei Kriegsbeginn hatte die Ukraine einen großen Vorrat an R-73-Lenkflugkörpern.
Zuletzt dienten Magura-V5-Drohnen auch als Träger für FPV-Drohnen (FPV: First-Person View, Sicht aus der Ich-Perspektive). So können sie Ziele auf See wie an Land wirksam bekämpfen. Im Sommer griffen Magura-V5-Drohnen zudem Öl- und Gasplattformen des Unternehmens Tschornomornaftogaz an. Diese Anlagen gehörten früher der Ukraine; nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 beschlagnahmten prorussische Besatzungsbehörden sie. Seither überwacht das russische Militär von dort aus den See- und Luftraum.
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