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Industry News / Aerial Drones

Drohnenproduktion an der Front: Wie Nordyn mit mobilen Mikrofabriken die Kriegslogistik verändert

Nordyn verlegt die Drohnenproduktion samt Montage und Wartung in mobile Mikrofabriken auf Fahrzeugen und Anhängern. Technikchef Vitalii Pogrebniak erklärt, warum verteilte Einheiten schwerer zu treffen sind – und woran es tatsächlich hakt.

Drones produced by Nordyn.
© Nordyn

Dass Drohnen längst auch Verbrauchsgüter und nicht bloß Wirkmittel sind, beweist der Krieg in der Ukraine seit Jahren. Damit gewinnen Fertigung und Instandsetzung in der Nähe der Truppe an Gewicht. An diesem Punkt knüpft Nordyn mit dem Konzept einer frontnahen Drohnenproduktion an.

Über das Versuchsstadium ist dieser Ansatz längst hinaus, wie mehrere aktuelle Beispiele belegen. So erhielten in der Ukraine etwa mit Nebokrai mobile Werkstätten die Zulassung, in denen Copter-Drohnen repariert, gewartet und montiert werden. Bei der Übung „Salaknib 2025” auf den Philippinen zeigte zudem die US Army, wie sich Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) mithilfe mobiler Engineering- und Manufacturing-Ansätze nahe der Front fertigen und reparieren lassen. Der Trend ist eindeutig: Produktion, Instandsetzung und Anpassung wandern näher an den Einsatzraum.

Militärisch bringt das einen offensichtlichen Vorteil: Wer lange Nachschubwege verkürzt, gewinnt viel, zumal sich die Logistik ohnehin immer schwerer sichern lässt – Stichwort „Gläsernes Gefechtsfeld”. Die Rüstungsindustrie ersetzen kann eine frontnahe Produktion allerdings nicht, sie ergänzt sie eher. Denn Halbleiter, Sensoren, Kameras und Batterien müssen weiterhin aus industriellen Strukturen im Hinterland an die Front gelangen, diese Abhängigkeit bleibt bestehen.

Dezentrale Drohnenproduktion statt großer Ziele

Trotzdem steckt in solchen „Mini-Fabriken” ein grundlegender Vorteil: ihre dezentrale Systematik. Im Gefecht bieten stationäre Fabriken, Depots und Werkstätten lohnende Ziele, während sich ein verteiltes Netz aus kleinen Einheiten kaum zur Gänze ausschalten lässt. Vitalii Pogrebniak leitet die Technikabteilung bei Nordyn, das genau solche dezentralen Drohnenfabriken konstruiert. Er beschreibt es so: „Wird eine riesige Fabrik getroffen, kommt die Produktion zum Erliegen. Wird eine unserer Einheiten getroffen, verlieren wir zwar 30 Drohnen pro Tag, aber zehn andere Einheiten laufen weiter.” Und nach einem Beschuss? „Wir tauschen die Einheit aus und halten die Linie am Laufen.”

Von Nordyn produzierte Drohnen.
© Nordyn
Von Nordyn produzierte Drohnen.
© Nordyn
Von Nordyn produzierte Drohnen.
© Nordyn

Das Unternehmen selbst spricht von einem Netzwerk mobiler, autonomer Mikrofabriken auf Allradfahrzeugen und Anhängern, mit dem sich High-Tech-Montage und Wartung direkt am Einsatzort erledigen lassen. Im Zentrum steht dabei kein einzelner Container voller 3D-Drucker. Gemeint ist vielmehr ein dezentrales System, das sich rasch verlegen lässt, beim Ausfall eines Knotens weiterläuft und mit dem Tempo der Front mithält. Hervorzuheben ist, wie autark die Einheiten arbeiten. Pogrebniak dazu: „Wir verfolgen einen hybriden Ansatz: Generatoren für die Schwerstarbeit einerseits und Batteriespeicher mit Solar-Panelen für Stealth-Fähigkeiten und mehr Autonomie andererseits. Eine Einheit kann damit tagelang ohne Nachschubfahrzeug auskommen.”

Für den Chef-Techniker ist das aus der Not entstandene Modell ein Fingerzeig auf die nahe Zukunft: „Das Zeitalter der großen, statischen Ziele ist vorbei. Künftige Konflikte werden von jenen gewonnen, die ihre Produktionsstätten verstecken und gegebenenfalls schneller verlegen können, als eine Rakete sie ins Visier nehmen kann.” Hinzu kommen niedrige Kosten. Ein Marschflugkörper kostet nach Angaben von Nordyn mehr als das Zehnfache einer solchen Mini-Fabrik.

In der Ukraine sind bereits einige Einheiten der Fabriken im Einsatz – wie viele, gibt das Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht bekannt. Weder am Konzept noch an den Maschinen hapert es demnach, sondern am Personal, das sie bedienen kann. „Es ist eine Herausforderung, Personen zu finden, die sowohl die Denkweise eines Ingenieurs als auch die eines Soldaten vereinen“, sagt Pogrebniak. „Wir brauchen Leute, die einen CNC-Fräser um drei Uhr morgens reparieren und einen Flight Controller im Regen kalibrieren können.” Ganz oben auf der Prioritätenliste dürften daher nicht langwierige Prüf- und Freigabeprozesse stehen, sondern eher die unmittelbare Bereitstellung.

Gedacht ist der Ansatz dabei nicht nur für das Militär, sondern auch für zivile Zwecke. Universell einsetzbar sind die „Factories in a box” aus Sicht von Nordyn etwa in Katastrophenlagen, für die Wasseraufbereitung oder für Notunterkünfte. Auch Zukunftspläne gibt es: Laut Pogrebniak soll das System so weit entwickelt werden, dass Personal nur noch für logistische Aufgaben gebraucht wird. „Vollautomatische Produktion ist der einzige Weg, um die Nachfrage nach Massenproduktion zu decken.”

Blick in die mobile Drohnen-Fertigungsstätte von Nordyn.
© Nordyn
Drone production at the front: how Nordyn is changing war logistics with mobile micro-factories
Blick in die mobile Drohnen-Fertigungsstätte von Nordyn.
© Nordyn

Nordyn steht damit für einen Trend, bei dem die letzten Stufen der militärischen Wertschöpfung – Montage, Anpassung und Instandsetzung – an die Front heranrücken. Mikro-Einheiten, die dezentral und autark produzieren und dank Mobilität und Tarnung schwerer anzugreifen sind, dürften strategisch künftig mehr Bedeutung bekommen.

Welchen Rat würde der Chef-Entwickler von Nordyn den leitenden Ingenieuren westlicher Rüstungskonzerne geben? Seine Antwort fällt ehrlich und drängend aus und lässt sich auch als Appell lesen, schnell unbürokratische Lösungen zu suchen:

Verlassen Sie Ihr Büro, ziehen Sie sich Arbeitshandschuhe an und gehen Sie raus ins Feld. Wenn Sie Ihr eigenes Produkt diesen Monat nicht mindestens zehn Mal zerstört haben, betreiben Sie keine Innovation – Sie dokumentieren lediglich.— Vitalii Pogrebniak, Leiter der Technikabteilung bei Nordyn

Fotocredits

© Nordyn
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