Abfangdrohnen in einem Jahr: Fünf NATO-Länder starten das Programm LEAP
Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Großbritannien wollen kostengünstige Abfangdrohnen und autonome Plattformen gemeinsam entwickeln. Hinter LEAP steht die Frage, wie sich günstige Drohnen ohne teure Raketen abwehren lassen.

Abfangdrohnen sollen innerhalb eines Jahres in Produktion gehen – mit diesem Ziel startet ein gemeinsames Programm von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Großbritannien. Die fünf NATO-Mitglieder, gemeinsam als „E5-Länder” bezeichnet, haben beschlossen, kostengünstige Effektoren und autonome Plattformen zusammen zu entwickeln. Der Name „LEAP”, zu Deutsch „Sprung”, ist ein Akronym von „Low-Cost Effectors and Autonomous Platforms”.
Worin das Problem liegt, umriss der britische Vizeverteidigungsminister Luke Pollard: Relativ kostengünstige Raketen, Drohnen und andere Bedrohungen müssten wirksam abgefangen werden. „Wir müssen sicherstellen, dass die Kosten der Bedrohungen den Kosten der Verteidigung entsprechen”, sagte Pollard.
Today I represented the United Kingdom at the E5 meeting in Poland of Europe’s five largest defence powers.
We announced a new joint low cost effector we will develop jointly to take out drones and air threats.
We also reinforced our collective support for Ukraine. pic.twitter.com/vvsruRhm0a— Luke Pollard MP (@LukePollard) February 20, 2026
Abfangdrohnen statt teurer Luft/Luft-Raketen
Mehrere NATO-Staaten verzeichneten im Zuge des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine Verletzungen ihres Luftraums. Eindringende Drohnen wurden dabei von Kampfflugzeugen mit teuren Luft/Luft-Raketen bekämpft. Dass Abfangdrohnen eine effiziente Technik zum Abfangen von Kamikazedrohnen sind, weil sie wenig kosten und sich skalieren lassen, hat die Ukraine bewiesen. Dort steuern Piloten die Abfangdrohnen fern. Das „A” für Autonom in LEAP legt dagegen den Schluss nahe, dass das Programm auch auf selbststeuernde Drohnen abzielt.

Den Anstoß zu LEAP gab Großbritannien. Die Initiative trägt dem Umstand Rechnung, dass Drohnen die Strategien auf dem Schlachtfeld in der Ukraine revolutioniert haben – laufend erscheinen neue Typen und KI-Integrationen auf dem Markt. Verändern will das Programm die „Ökonomie der Kriegsführung”: Die Kosten der Verteidigung sollen sich an den relativ geringen Kosten drohender Drohnen- und Raketenangriffe orientieren.

Zur autonomen, günstigen Abfangdrohne scheint es denn auch keine Alternative zu geben. Zum einen nimmt sie dem einzelnen Soldaten das Steuern der Drohne ab – eine Aufgabe, die viel Training und Erfahrung verlangt. Seit etwa über drei Jahren investiert die Ukraine in die Ausbildung ihrer Drohnenexperten; wie viele echte Elitepiloten es unter diesen Fachleuten gibt, lässt sich dennoch nicht beliebig steigern.
Dazu kommt, dass lokale Schwarmangriffe die vor Ort verfügbaren Drohnenpiloten bei der Abwehr schnell überfordern können. Ein weiterer Faktor sind freie Funkfrequenzen, die für die Steuerung nötig sind. Sie stehen nicht in beliebiger Zahl gleichzeitig zur Verfügung und können letztlich blockiert sein – durch feindliche Maßnahmen der elektromagnetischen Kampfführung ebenso wie durch Verteidigungsbemühungen eigener Eloka-Kräfte.
Einige tausend Euro kostet eine Abfangdrohne in der Ukraine derzeit. Damit ist sie weit billiger als selbst die günstigsten Flugabwehrraketen: Im MANPADS-Bereich beginnen die Preise bei rund hunderttausend Euro pro Stück, größere, nicht mehr tragbare Flugabwehrraketen kosten jeweils rund eine Million Euro.

Um die Technologieentwicklung zu beschleunigen, sagen die E5-Mitglieder jeweils mehrere Millionen Euro zu. Herauskommen soll ein wirksamer Effektor, der binnen eines Jahres in Produktion geht und belegt, dass die E5-Gruppe greifbare Ergebnisse für die nationale Sicherheit liefern kann.
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