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Counter-UAS

„Wir bauen Europas größten Drohnenschutzschild“

Cezary Tomczyk ist stellvertretender Verteidigungsminister Polens und verantwortet den Aufbau der umfassendsten Drohnenabwehr Europas. Ein Gespräch über Milliarden, Polens Streitkräfte und den Schutz der Ostgrenze.

"We're building Europe's largest drone defense shield"
© Poland MoD

Herr Tomczyk, gestatten Sie mir, zunächst Premierminister Donald Tusk zu zitieren. Der sagte kürzlich: „SAN wird das größte und modernste Anti-Drohnen-System in Europa sein.” Das erinnert ein wenig an den Stil von Donald Trump, der gerne behauptet, etwas sei das Größte oder Beste. Was verbirgt sich tatsächlich hinter SAN?
Premierminister Donald Tusk hat recht – wir bauen einen polnischen Drohnenschutzschild, der Teil des Projekts „Schutzschild Ost” werden soll. Wir sprechen hier von 15 Milliarden Zloty (3,45 Milliarden Euro). Kein anderes europäisches NATO-Land baut derzeit ein solches System oder stellt ähnliche Mittel für die Abwehr von Drohnen bereit. SAN wird aus 18 Batteriemodulen bestehen, die an der östlichen und nordöstlichen Grenze Polens – an den Grenzen zu Russland, Belarus und der Ukraine – stationiert werden. Das System wird über 700 verschiedene Elemente umfassen, darunter Radarsysteme, Effektoren sowie Soft-Kill- und Hard-Kill-Lösungen, die die unterste Schicht unseres Luftraums schützen sollen. An dieser Lösung haben wir viele Monate lang gearbeitet. Ihr Hauptverantwortlicher ist General Michal Marciniak, Beauftragter des Verteidigungsministers für Luftverteidigung. Drohnen sind eine Sache, aber Polen investiert seit Jahren intensiv in die Luftverteidigung. Wir sehen heute deutlich, wie wichtig solche Fähigkeiten sind. Könnte die Ukraine die Zeit zurückdrehen, würde sie sicherlich viel mehr in deren Entwicklung investieren.

Sie entwickeln eine ganze Reihe neuer Systeme, darunter auch solche, die bisher auf dem Markt nicht erhältlich waren. Der größte Lieferant ist die polnische Industrie.
Wenn wir über SAN sprechen, also über die Abwehr gegen Drohnen, entfallen über 60 Prozent der Wertschöpfung auf die polnische Industrie. Das Prinzip ist einfach: Wenn es ein polnisches Produkt oder Projekt gibt, entscheiden wir uns für genau diese Lösung. Gibt es jedoch – wie im Fall der 30-Millimeter-­Kanone – keine solche polnische Lösung, greifen wir auf einen ausländischen Partner zurück. Hier ist dies das norwegische Unternehmen Kongsberg. Auf polnischer Seite sind zwei Unternehmen an dem Projekt beteiligt: PGZ und APS.

Polnische Rüstungsunternehmen genießen einen guten Ruf. Manchmal mangelt es ihnen jedoch an Größe und damit an ausreichenden Produktionskapazitäten. Ist die polnische Industrie tatsächlich in der Lage – und das in kurzer Zeit –, ein so großes Projekt zu bewältigen?
Ich habe keinerlei Zweifel an den Verträgen, die wir unterzeichnet haben. Das Ganze basiert auf einem klar definierten Plan und wir setzen weitgehend auf Lösungen, die bereits auf dem Markt verfügbar sind – denn heute ist Tempo von entscheidender Bedeutung. Deshalb entscheiden wir uns für Systeme, die schnell eingeführt werden können. Ein Beispiel dafür ist die 35-Millimeter-Kanone, die bisher auf Schiffen montiert wurde und heute auch auf Landplattformen installiert werden kann. Ein weiteres Beispiel ist das sogenannte „Monster aus Tarnów”: eine Minigun, die bis zu 3.600 Geschosse pro Minute abfeuern kann. Parallel dazu stärken wir die Produktionskapazitäten der Industrie.

Können Sie dafür Beispiele nennen?
Im Belma-Werk in Bydgoszcz haben wir die Produktionskapazitäten für Panzerabwehrminen im Vergleich zum Zeitraum von 2015 bis 2023 um das 35-Fache gesteigert. Polen ist zudem der größte Lieferant der US-Armee im Bereich TNT. All dies sind bereits existierende und verfügbare Lösungen, die es ermöglichen, die Verteidigungsfähigkeit des Staates schnell zu stärken. Unser Ziel ist der Aufbau eines möglichst umfassenden, mehrschichtigen Verteidigungssystems. Wir lernen aus den Erfahrungen der Ukraine. Es gibt kein einziges System, das hundertprozentigen Schutz gewährleistet. Deshalb ist das Zusammenspiel vieler verschiedener Lösungen entscheidend. Wenn eine nicht funktioniert, setzt das System die nächste ein.

„Wenn wir eine Schwachstelle haben, wird der Gegner versuchen, diese auszunutzen.“

Auch die übrigen Europäer beobachten die Ukraine und versuchen, Lehren aus diesem Krieg zu ziehen. Polen ist jedoch ein Frontstaat und liegt wesentlich näher am Geschehen. Welche konkreten Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Kampfhandlungen in der Ukraine?
Wenn wir eine Schwachstelle haben, wird der Gegner versuchen, diese auszunutzen. Deshalb ist unsere Luftverteidigung mehrschichtig. Sie besteht aus drei großen Programmen. Das erste davon ist Wisla – also eine Luftverteidigung mittlerer Reichweite, die vor allem auf Patriot-Raketen basiert. Das nächste ist Narew, das gemeinsam mit Großbritannien entwickelt wird, sowie Pilica und Pilica Plus, also Kurzstrecken-Luftabwehrsysteme. Uns fehlte jedoch die unterste Verteidigungsschicht, jene, die für die Bekämpfung von Drohnen zuständig ist. Diese Lücke schließen wir gerade. Pilica dient in erster Linie dem Schutz der eigenen Truppen. SAN hingegen wird die Grenze, die Soldaten und das polnische Staatsgebiet schützen. Es handelt sich um ein wirklich groß angelegtes Projekt. Ich möchte auch betonen, dass es sich um ein System handelt, das für Kriegszeiten bestimmt ist. In Friedenszeiten – es sei denn, wir hätten es mit einem massiven Einsatz von Drohnen gegen Polen zu tun – werden die Möglichkeiten von SAN nur teilweise genutzt.

Fotocredits

© Poland MoD
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