Aufklärungsdrohnen über dem Schwarzen Meer: Russland will gegen US-Drohnen vorgehen
Verteidigungsminister Andrey Belousov fordert vom Generalstab schnelle Reaktionen auf US-Drohnenflüge über dem Schwarzen Meer. Russische Militärblogger warnen vor einem Abschuss und verweisen auf die Grenzen in großer Flughöhe – auch bei Aufklärungsdrohnen.

Gegen US-Aufklärungsdrohnen über dem Schwarzen Meer soll der Generalstab der russischen Armee „schnelle Reaktionsmaßnahmen” ergreifen. Diese Anweisung erteilte Verteidigungsminister Andrey Belousov – „da ihre zunehmende Aktivität die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen im Luftraum erhöhe”.
Zuletzt sind die US-Drohnen im internationalen Luftraum über dem Schwarzen Meer häufiger geflogen. Gleichzeitig hat die Ukraine ihre Angriffe verstärkt, die sich vor allem gegen Flugabwehrstellungen auf der besetzten Halbinsel Krim richten.
Auch bemannte Aufklärungsflüge entlang der türkischen Nordküste gehören zum Repertoire der NATO. Vor wenigen Tagen etwa war auf flightradar24 eine RC-135W Rivet Joint der Royal Air Force zu sehen, eskortiert von zwei Eurofightern. Moskau vermutet, dass die Ukraine bei ihren Angriffen auf Informationen zurückgreift, die von den US-Aufklärern stammen.
Abschuss gilt in Russland als Tabu
Einen Abschuss einer US-Drohne hält der bekannte russische Militärjournalist Boris Rozhin aka „Colonelcassad” jedoch für ausgeschlossen, wie er auf seinem Telegram-Kanal schreibt. Das wäre „ein Akt der Aggression. Mit allen Konsequenzen”, argumentiert Rozhin und fragt: „Sind Sie bereit für eine Generalmobilisierung, leere Ladenregale, ein zusammengebrochenes Internet und tagelange Schlangen für Benzin an der Tankstelle?”
Stattdessen erwartet Rozhin, dass die russischen Luftstreitkräfte „unbewaffneten Einfluss” auf die US-Drohnen zu nehmen versuchen. Bekannte Störmaßnahmen sind dichte Vorbeiflüge, bei denen schwere Turbulenzen entstehen, oder das Ablassen von Kerosin in den Flugweg der Drohnen.
Als „unsichere und unprofessionelle Manöver” bezeichnen die US-Luftstreitkräfte derartige Flüge. Der jüngste solche Vorfall ereignete sich am 14. März 2023 im internationalen Luftraum und betraf eine MQ-9 Drohne der US Air Force.
Aufklärungsdrohnen in großer Höhe schwer zu stören
Deutlich schwieriger wäre ein solches Vorgehen bei der RQ-4 Global Hawk und der MQ-4 Triton, die von Sigonella/Sizilien aus zu ihren Aufklärungsmissionen über dem Schwarzen Meer aufbrechen. Ihre Flughöhe liegt bei 56.000 Fuß (17.000 Meter). Jagdflugzeuge, die so hoch fliegen können, gibt es zwar – in dieser Höhe ist aber jedes Luftfahrzeug nur eingeschränkt manövrierfähig. Weil die Luft dort dünn ist, wächst das Risiko eines Strömungsabrisses enorm, und zwar nicht nur an Flügel und Steuerflächen, sondern auch im Triebwerk.
Für extrem hoch hält auch „fighterbomber”, ein weiterer bekannter russischer Militärkanal, die Unfallgefahr. Rettungsschiffe würden deshalb im Operationsraum gebraucht – vermutlich auch, um allfällig abgestürzte Drohnen bergen zu können.
????Update: Report that a Russian MiG-31 fighter jet shot down the US RQ-4B Global Hawk over the Black Sea near Crimea where the US surveillance drone was providing targeting information to NATO missiles in Ukraine!! pic.twitter.com/SQemDNP00X
Anfang der vergangenen Woche hatten russische Propaganda-Kanäle gemeldet, ein russischer MiG-31 Jäger habe eine RQ-4B Global Hawk über dem Schwarzen Meer abgeschossen. Eindeutig falsch, wie sich herausstellte: Nach dem Einsatz landete die Drohne wahrnehmbar in Sigonella.
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