Drohnen-Testgebiet über der Nordsee: Niederlande schaffen Luftraum für BVLOS-Flüge
Zwischen Katwijk und dem Rotterdamer Hafen soll ein permanentes Drohnen-Testgebiet entstehen, gestartet wird im Unmanned Valley. Staatssekretär Gijs Tuinman hat dazu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, erste Testflüge sind für Ende 2026 geplant.

Ein neues, permanentes Drohnen-Testgebiet über der Nordsee plant der niederländische Verteidigungs-Staatssekretär Gijs Tuinman. Damit sollen die inzwischen sehr vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen vorangetrieben und besser erforscht werden – Drohnen bringen heute Medikamente oder Organe von Krankenhaus zu Krankenhaus, überwachen Deiche, Brücken und Windkraftanlagen, unterstützen Katastrophenhilfe und Rettungsaktionen und dienen ebenso militärischen Zwecken.
Dieses Gebiet ist das erste seiner Art. Den Startschuss gab Tuinman mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung im Drohnen-Testzentrum Unmanned Valley, das auf dem früheren Marineflugplatz Valkenburg liegt. Mitunterzeichner waren Robert Tieman, Minister im Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, sowie die südholländischen Abgeordneten Meindert Stolk und Arne Weverling. Das Verteidigungsministerium steuert sein Wissen bei und investiert zusätzlich einmalig 100.000 Euro in das Testgebiet.

Eingerichtet wird der spezielle Luftraum vor der Küste zwischen Katwijk und dem Rotterdamer Hafen; Start und Landung der Drohnen erfolgen im Unmanned Valley. Vorgesehen ist das Gebiet für Flüge außerhalb der Sichtweite (BVLOS, Beyond Visual Line of Sight) – die Drohnen dürfen sich also auch dort bewegen, wo der Pilot sie nicht mehr sieht.
Dank BVLOS lassen sich längere Strecken zurücklegen und Aufgaben erledigen, die heute vielfach noch zu gefährlich, zu zeitaufwändig oder zu teuer sind. In einer Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums heißt es dazu: „Mit dieser Technologie wird die Gesellschaft sicherer, nachhaltiger und effizienter”.
Wie wichtig unbemannte Systeme für die Streitkräfte sind, unterstrich Tuinman ebenso wie ihre Bedeutung für die Ukraine bei ihrem Abwehrkampf gegen Russland: „Drohnen sind für unsere Sicherheit unverzichtbar geworden. Noch wichtiger sind sie jedoch für die ukrainischen Soldaten. Sie kämpfen derzeit aus schlammigen Schützengräben und unter Anti-Drohnen-Netzen für unsere Freiheit. Sie erhalten diese neuen und besseren Drohnen vielleicht nur ein paar Stunden früher. Und damit macht jeder zusätzliche Schritt hier buchstäblich den Unterschied zwischen Leben und Tod dort aus.”
Warum das Drohnen-Testgebiet in Südholland liegt
Ausgewählt wurde die Provinz Südholland, weil dort ein starker Luft- und Raumfahrtsektor mit vielen Unternehmen und Wissensinstitutionen an innovativen Technologien arbeitet. An der Entwicklung wirken mehrere Organisationen mit, darunter MovingDot, AirHub, To70 und das Niederländische Luft- und Raumfahrtzentrum (NLR).
Für den Abgeordneten Stolk bringt das Projekt Wirtschaft, Innovation und Verteidigung zusammen: „Es stärkt unsere Position als Vorreiter in der Luftfahrttechnologie und bietet neue Chancen für Beschäftigung und Wissensentwicklung.”
Voraussichtlich Ende 2026 sollen die ersten Testflüge stattfinden. Auf Basis der dabei gesammelten Erfahrungen sollen anschließend nationale Vorschriften für BVLOS-Flüge entstehen. Die Niederlande rücken damit im Drohnenbereich in Europa zu den Vorreitern auf.
Fotocredits
© Mediacentrum DefensieWeiterlesen

Loitering Munition Virtus von Stark: Panzerbrigade 45 „Litauen“ erprobt das System bei „Freedom Shield 2026“

Drohnenstationen für die Seeüberwachung: Rift beginnt Tests vor der französischen Küste

Seedrohnen für die Ostsee: Schweden kauft Überwachung von Saildrone als Dienstleistung

Seedrohnen: Eviden stellt mit SMX einen elektromagnetischen Navigationssensor vor

