Kamikaze-Drohnen für die US-Streitkräfte: Pentagon will 30.000 Stück bestellen
Nach der „Gauntlet”-Erprobung in Fort Benning stehen die Gewinner fest, die Bestellung von 30.000 Kamikaze-Drohnen ist in Vorbereitung. Ziel: günstige Systeme bis in jede Infanteriegruppe – Kritik aus dem Senat inklusive.

Kurz vor der Bestellung von 30.000 Kamikaze-Drohnen, sogenannten One-Way-Angriffsdrohnen, steht das US-Verteidigungsministerium. Beschafft werden sie im Zuge der Initiative „Drone Dominance”: Das Pentagon will die US-Streitkräfte damit schnell mit preiswerten Drohnen ausrüsten, die sich in großer Zahl einsetzen lassen.
Zum Zug kommen die Hersteller, deren Systeme sich bei der jüngst abgeschlossenen „Gauntlet”-Erprobung auf dem Fort Benning (Georgia) behauptet haben. 25 Drohnenunternehmen hatten sich in den vergangenen zwei Wochen den Tests gestellt. Bewertet wurden ihre Systeme unter realitätsnahen Gefechtsbedingungen von rund 100 Soldaten der US Army, des Marine Corps und der Spezialkräfte.
Unter anderem galt es für die unbemannten Systeme nachzuweisen, dass sie Ziele auf bis zu zehn Kilometer Entfernung präzise treffen. Für die Einweisung in jedes System hatten die Bediener nur zwei Stunden Zeit – ein bewusst so angelegtes Szenario, mit dem sich Bedienbarkeit und Einsatzreife unter realistischen Bedingungen prüfen ließen.
Der Wettbewerb ist vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. In den nächsten Tagen werden wir die Gewinner bekannt geben und entsprechende Bestellungen platzieren— Travis Metz, Programmmanager für Drone Dominance im Pentagon, vor dem Senatsausschuss für Streitkräfte
Insgesamt 30.000 kleine Einweg-Angriffsdrohnen werden die erfolgreichen Hersteller liefern; binnen der nächsten fünf Monate sollen sie bei den militärischen Einheiten ankommen.
Kamikaze-Drohnen sollen billiger werden
In der ersten Programmphase rechnet das Pentagon aktuell mit etwa 5.000 Dollar (rund 4.600 Euro) je Drohne. Bei 30.000 Systemen ergibt das ein Gesamtvolumen von 150 Millionen Dollar (etwa 138 Millionen Euro). Auf Dauer soll der Stückpreis allerdings spürbar fallen, und zwar auf rund 2.000 Dollar (etwa 1.840 Euro).
Schon für August ist eine zweite Testphase angesetzt. Das Umfeld wird dann deutlich fordernder: Auf die Systeme warten unter anderem GPS- und Kommunikationsstörungen, elektronische Kampfführung und weitere Gegenmaßnahmen gegen Drohnen. Daneben sucht das Pentagon nach Lösungen, mit denen die kognitive Belastung der Bediener sinkt.
Das Verteidigungsministerium verfolgt dabei gezielt einen offenen Innovationsansatz und schreibt den teilnehmenden Unternehmen keine bestimmten technischen Lösungen vor. US-Firmen ebenso wie internationale Anbieter sollen eigene, innovative Wege finden, um die Herausforderungen zu lösen.
Ziel: jede Infanteriegruppe mit Drohnen ausrüsten
Ihren Ursprung hat „Drone Dominance” in einem Memorandum, das US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Juli 2025 vorlegte. Darin, unter dem Titel „Unleashing US Military Drone Dominance”, verlangte er, bis Ende des Haushaltsjahres 2026 jede Infanteriegruppe der US Army mit kleinen Einweg-Angriffsdrohnen auszustatten.
Als ersten Schritt dorthin gab das Pentagon im Februar die „Gauntlet”-Erprobung bekannt.
Vorbild Ukraine
Der US-Senat begrüßte das Programm im Grundsatz, äußerte aber auch Kritik. So beanstandeten die Senatoren Jeanne Shaheen und Richard Blumenthal, dass das Pentagon zu wenig mit ukrainischen Drohnenherstellern kooperiere.
Shaheen berichtete von ihren jüngsten Gesprächen mit Produzenten in Odessa. Dort würden Drohnen dank der Erfahrungen aus dem Krieg teils alle zwei Wochen weiterentwickelt.
Metz hielt dem entgegen, an der „Gauntlet”-Erprobung hätten mehrere ukrainische Hersteller teilgenommen, die mittlerweile den Aufbau von Produktionskapazitäten in den USA planen. Manche von ihnen dürften auch unter den Unternehmen sein, die jetzt Aufträge bekommen.
Fotocredits
© Marine Corps Lance Corporal Victor GurrolaWeiterlesen

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