Skystriker: Loitering Munition aus dem Hause Elbit
Loitering Munition zählt zu den am schnellsten wachsenden Fähigkeiten auf dem modernen Gefechtsfeld. Sie verbindet Aufklärung und Präzisionsangriff in einem einzigen System. Auf der „DroneVation & Defence 2026” sprach Generalmajor a. D. Michael Edelstein, Executive Vice President für Strategie und Geschäftsentwicklung bei Elbit Systems, im Interview über die Loitering Munition Skystriker, die Rolle menschlicher Bediener in künftigen autonomen Systemen und darüber, wie aktuelle Konflikte die nächste Generation unbemannter Fähigkeiten prägen.

Herr Generalmajor, was zeichnet das System Skystriker aus?
Skystriker ist ein ausgereiftes Loitering-Munition-System, das entwickelt wurde, um Ziele zu bekämpfen, die nur kurzzeitig exponiert sind oder nur für eine begrenzte Zeit verfolgt werden können. Da die Munition bereits in der Luft ist, kann sie die Verbindung zwischen Sensor und Wirkung sehr schnell schließen. Der elektrische Antrieb sorgt für eine sehr geringe akustische Signatur. Dadurch kann das System in niedriger Höhe operieren und wird nur schwer entdeckt. Skystriker ist damit ein leises und hochpräzises Wirksystem, das Ziele überraschend bekämpfen kann. Das System kann entweder als einzelnes System oder als Teil eines Netzwerks aus mehreren miteinander verbundenen Systemen eingesetzt werden.
Wie lange kann das System in der Luft bleiben?
Wir bieten verschiedene Versionen an. Das Basismodell verfügt über eine Flugzeit von bis zu zweieinhalb Stunden und hat in der Regel eine Einsatzreichweite von 40 bis 60 Kilometern oder mehr – abhängig von der Kommunikationsverbindung. Das System ist modular aufgebaut. Je nach Auftrag kann es mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen oder zusätzlichen Batterien ausgestattet werden.
Wie viel Kontrolle behält der Mensch bei einem Angriff mit Loitering Munition?
Bei Elbit sind alle unsere Systeme so ausgelegt, dass sich ein Mensch in der Entscheidungskette befindet. Technologisch ist ein vollständig autonomer Einsatz bereits möglich. Unsere Systeme können Ziele mithilfe automatischer Zielerkennung (Automatic Target Recognition, ATR, Anmerkung) zuverlässig selbstständig erkennen und identifizieren. Unsere Systeme sind jedoch aus rechtlichen und ethischen Gründen auf menschliche Entscheidungsfindung ausgelegt. Der Gefechtskopf ermöglicht es, verschiedene Ziele zu bekämpfen – von gepanzerten Kampffahrzeugen über gegnerische Kräfte bis hin zu Zielen hinter Mauern.
Der Krieg in der Ukraine gilt als Labor für den Drohnenkrieg. Lernen Sie aus Konflikten im Nahen Osten?
Wir konzentrieren uns nicht nur auf einen einzelnen Konflikt. Wir untersuchen Entwicklungen weltweit, hören unseren Kunden zu und analysieren operative Erfahrungen aus unterschiedlichen Einsatzgebieten. Gleichzeitig investieren wir stark in Simulationen. Man kann ein System nicht nur für das heutige Gefechtsfeld entwickeln. Man muss versuchen, zukünftige Bedrohungen vorherzusehen. Technologie entwickelt sich kontinuierlich weiter, und beide Seiten lernen ständig dazu. Unser Ziel ist es immer, einen Schritt voraus zu sein.
Die Drohnentechnologie entwickelt sich extrem schnell. Die Ukraine kreiert neue Lösungen, Russland reagiert darauf, und dieser Zyklus setzt sich fort. Erschwert das nicht die Serienproduktion neuer Systeme?
Das Gefechtsfeld verändert sich schnell, aber nicht jede Technologie entwickelt sich im gleichen Tempo. Kleine Drohnen oder Kommunikationsprotokolle können sehr schnell entwickelt werden, während größere Waffensysteme mehr Zeit benötigen. Deshalb ist Flexibilität entscheidend. Wenn man ein System für ein sehr spezifisches Szenario entwickelt, kann es schnell veraltet sein. Stattdessen braucht man eine modulare Architektur, die es ermöglicht, neue Technologien im Laufe der Zeit zu integrieren. Heute basieren viele Fähigkeiten auf Software, wodurch sich Upgrades deutlich einfacher umsetzen lassen als in der Vergangenheit. Gleichzeitig integrieren unsere Ingenieure kontinuierlich neue Technologien in unsere Fertigungsprozesse, um die Anforderungen unserer Kunden frühzeitig zu erfüllen – etwa die Fähigkeit, die Produktion schnell hochzufahren oder andere spezifische Anforderungen umzusetzen.
Wenn Sie fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blicken: Wohin wird sich die Drohnentechnologie entwickeln?
Wir sind noch weit davon entfernt, die technologischen Grenzen unbemannter Systeme erreicht zu haben. Auf Ebene der Plattformen werden sich meiner Ansicht nach Sensoren weiter verbessern, sie werden kleiner, leistungsfähiger und vielfältiger werden. Die größere Entwicklung könnte jedoch darin liegen, dass verschiedene Systeme miteinander zusammenarbeiten – also bemannte und unbemannte Plattformen, unterstützt durch künstliche Intelligenz sowohl auf Plattform- als auch auf Systemebene. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, Ziele zu erkennen und zu bekämpfen. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Ziele zu identifizieren, Kollateralschäden zu minimieren und militärische Operationen effizienter und kostengünstiger zu machen. Ein Kampfflugzeug, das gemeinsam mit autonomen Drohnen als „Wingmen“ operiert, ist ein Beispiel dafür. Es wird jedoch weitere Anwendungen geben. Die Stärke von Elbit liegt darin, unterschiedliche Plattformen, Sensoren und Technologien zu einem kohärenten System zu verbinden – über Land, Luft und das gesamte Gefechtsfeld hinweg.
Fotocredits
© Unmanned Magazine/Sebastian FreilerWeiterlesen

Loitering Munition Virtus von Stark: Panzerbrigade 45 „Litauen“ erprobt das System bei „Freedom Shield 2026“

Drohnenstationen für die Seeüberwachung: Rift beginnt Tests vor der französischen Küste

Seedrohnen für die Ostsee: Schweden kauft Überwachung von Saildrone als Dienstleistung

Seedrohnen: Eviden stellt mit SMX einen elektromagnetischen Navigationssensor vor

