VTOL-Drohne AVALON: Polens Streitkräfte erproben neues System bei „Amber Defender-26”
Bei einer der größten Übungen des Jahres setzt Polen auf eine VTOL-Drohne aus heimischer Entwicklung: AVALON von Under Ant soll Aufklärung und Logistik übernehmen, im Schwarm fliegen und von einer mobilen Plattform aus automatisch starten.

Die polnischen Streitkräfte haben angekündigt, die neue AVALON-Drohne zu erproben – ein Fluggerät, das für Senkrechtstart und -landung (VTOL) ausgelegt ist. Rahmen dafür ist die groß angelegte nationale Übung „Amber Defender-26” („Bursztynowy Obrońca-26”). Im Fokus der Tests mit der VTOL-Drohne stehen Aufklärungs- und Logistikeinsätze, darüber hinaus aber auch das fortgeschrittene Zusammenwirken mehrerer Fluggeräte in einem Schwarm und der automatisierte Start von einer mobilen Plattform.

Laut dem Generalstab der polnischen Streitkräfte wird das unbemannte Flugsystem AVALON für Missionen der Aufklärung, der Überwachung und der logistischen Unterstützung genutzt – Frachttransport eingeschlossen. Vertreter der Pressestelle der polnischen Streitkräfte erklärten dazu:
„Die Entwicklung unbemannter Systeme erfordert regelmäßige Tests unter Bedingungen, die reale Szenarien simulieren. Gerade diese Tests ermöglichen es uns, die Lösungen zu bewerten, die den Anforderungen der polnischen Streitkräfte am besten entsprechen”— Vertreter der Pressestelle der polnischen Streitkräfte
Was die VTOL-Drohne von Under Ant leisten soll
Entwickelt wurde AVALON vom polnischen Drohnenhersteller Under Ant. Die fortschrittliche Drohne startet und landet senkrecht und ist als modulares unbemanntes Luftfahrzeug darauf ausgelegt, vollständig autonome Einsätze zu fliegen, „Schwarm”-Operationen eingeschlossen. Damit definiert sie die Einsatzmöglichkeiten sowohl auf dem modernen Schlachtfeld als auch im zivilen Bereich neu. Als Hauptanwendungen des AVALON-Systems gelten die Unterstützung von Streitkräften und Sonderdiensten, eine erleichterte taktische Aufklärung, das präzise Absetzen von Nutzlasten und das Neutralisieren von Bedrohungen, ohne dabei das Leben von Militärangehörigen aufs Spiel zu setzen.
Weil Drohnen große Gebiete in kurzer Zeit absuchen können, sind sie bei Such- und Rettungsmissionen äußerst effektiv und damit ideale Hilfsmittel in Katastrophengebieten. Gegenüber herkömmlichen Methoden lassen sich die Reaktionszeiten um bis zu 60 Prozent verkürzen. Hervorragend geeignet ist das System außerdem zur Überwachung kritischer Infrastruktur: Grenzpatrouillen sowie die Kontrolle von Stromleitungen oder Pipelines werden einfacher, günstiger und deutlich sicherer. Der Arbeitsaufwand kann durch automatisierte Inspektionen um bis zu 70 Prozent sinken.
Wichtig ist zudem die Logistik. Medizinisches Material, Ersatzteile und andere Güter kann AVALON präzise an schwer erreichbare Orte bringen. Ausgelegt ist das gesamte System darauf, Kosten und operative Risiken so weit wie möglich zu senken. Indem AVALON Aufgaben in Umgebungen automatisiert, die für Menschen gefährlich oder überhaupt nicht zugänglich sind, steigert es die Sicherheit des Personals ebenso wie die operative Effizienz erheblich.

Leistungsdaten und Schwarmfähigkeit
Mit 28 m/s – mehr als 100 km/h – erreicht die Drohne ihre Höchstgeschwindigkeit; die Flugdauer liegt bei bis zu 40 Minuten, die Reichweite bei 30 Kilometern. Geflogen wird in einem von zwei Hauptmodi, manuell oder vollautonom. Die Konstruktion erfüllt die Schutzart IP54 und ist damit gegen Staub und geringe Wassermengen geschützt. Eine Startbahn braucht die Drohne dank VTOL-Fähigkeit nicht, was sie sehr vielseitig macht: Einsetzen lässt sie sich in nahezu jeder Umgebung, von dicht bebauten Gebieten bis zu unwegsamem oder unebenem Gelände. Der modulare Aufbau und eine einfache, schnelle Einrichtung erlauben es, sie ohne komplexe Verfahren zügig einsatzbereit zu machen. Fortschrittliche Technik und praktischer Nutzen unter realen Einsatzbedingungen kommen bei AVALON so zusammen.
Hervorzuheben ist, dass das unbemannte System im Schwarm operieren kann. Proprietäre Koordinationsalgorithmen und Kommunikationssysteme in Echtzeit erlauben es mehreren Einheiten, synchron zu agieren und komplexe Szenarien mit beispielloser Präzision abzuarbeiten. Getragen wird diese Technologie maßgeblich von AVABOX, einer integrierten mobilen Startplattform. Die Plattform ist für den Einbau auf Pick-ups gedacht und bringt bis zu 12 AVALON-Drohnen automatisch und nacheinander in die Luft. Dort erledigen die Drohnen die vom Bediener festgelegten Aufgaben autonom und treten als einheitliches, geschlossenes Team auf. Einsatzreichweite, Präzision und Effizienz steigen durch diese Skalierbarkeit erheblich.
Großmanöver mit über 10.000 Soldaten
Zu den größten Übungen der polnischen Streitkräfte in diesem Jahr zählte die in Polen abgehaltene Übungsreihe „Amber Defender-26”. Beteiligt waren über 10.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte und Hunderte Militärfahrzeuge, unter ihnen K2-Panzer, Borsuk-Schützenpanzer und K9-Selbstfahrhaubitzen. Koordiniert hat die Übungen der Generalstab der polnischen Streitkräfte, die Durchführung lag beim Generalkommando der verschiedenen Teilstreitkräfte.
Das Szenario umfasste ein Spektrum über mehrere Domänen hinweg. Operative und taktische Aktivitäten der Truppen wurden im Rahmen regionaler Pläne gleichzeitig weiterentwickelt und in das nationale Abschreckungs- und Verteidigungsprogramm „Eastern Shield” eingebunden. Neue Angriffs- und Aufklärungsplattformen kamen zum Einsatz, und Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine wurden praktisch umgesetzt. Abgedeckt war damit das gesamte Spektrum moderner Kampfhandlungen, von konventionellen Bodenoperationen bis zu Cyberoperationen. Darüber hinaus trage das Manöver dazu bei, die Verteidigungsfähigkeiten Polens und der NATO zu stärken und die Bereitschaft zu kollektiver Verteidigung und Abschreckung zu zeigen.
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