Belgien und Japan rücken militärisch zusammen: Militärattachés, Seltene Erden und Drohnen-UTM
Erstmals reiste ein belgischer Verteidigungsminister offiziell nach Japan. Belgien und Japan tauschen künftig Militärattachés aus, sprechen über Tiefseebergbau – und bei der Drohnenkoordination ist mit Unifly bereits ein japanisch kontrolliertes Unternehmen für Brüssel tätig.

Euro-atlantischer Raum und Indopazifik wachsen sicherheitspolitisch immer enger zusammen – und Österreich ist nicht das einzige EU-Land, das deshalb erstmals einen Militärattaché in Tokio stationieren wird. Auch Belgien und Japan bauen ihre Beziehungen im Verteidigungsbereich aus.
In Tokio kam der belgische Verteidigungsminister Theo Francken am 31. August mit seinem japanischen Amtskollegen Shinjiro Koizumi zu bilateralen Gesprächen zusammen. Noch nie zuvor hatte ein Verteidigungsminister Belgiens Japan offiziell besucht.
Dass Belgien erstmals einen Militärattaché nach Japan entsendet, hatte Francken schon vor der Abreise angekündigt, und zwar in einem Interview mit dem japanischen Rundfunksender NHK. Umgekehrt wird an der japanischen Botschaft in Belgien künftig ebenfalls ein japanischer Militärattaché tätig sein.
Übungen, Lagebild und Rüstungsindustrie
Ziel des Treffens war es, die Verteidigungszusammenarbeit mit Japan zu vertiefen. Geplant sind gemeinsame Militärübungen sowie ein besserer Informationsaustausch mit dem japanischen Verteidigungsministerium, der die Lagebildgewinnung über den indopazifischen Raum erleichtern soll.
Francken ist zugleich Außenhandelsminister. Im Interview nannte er außerdem den Wunsch, mit der wachsenden Verteidigungsindustrie Japans zu kooperieren. Seit die japanische Regierung im April die Exportbeschränkungen für Verteidigungsausrüstung inklusive tödlicher Waffen aufgehoben hat, befassen sich mehr Unternehmen mit Dual-Use-Produkten und stecken verstärkt Geld in relevante Technologien und Innovationen.

Rohstoffe vom Meeresboden
China hat die Exportbeschränkungen für Seltene Erden und andere Rohstoffe verschärft – gegenüber Japan, aber auch gegenüber Unternehmen aus europäischen Ländern. Für Francken ist es deshalb äußerst wichtig geworden, die Bezugsquellen zu diversifizieren. Er verwies darauf, dass in Belgien große Tiefseebergbau-Unternehmen ansässig sind, und kündigte an, bei seinem Besuch unter anderem Kooperationsmöglichkeiten in dieser Branche zur Sprache zu bringen. Japan hatte Anfang dieses Jahrs rohstoffhaltigen Schlamm im Meeresboden aufgefunden und will 2027 einen Versuch zum Abbau von Seltenen Erden auf dem Meeresboden unternehmen.
Belgien und Japan beim Drohnenflugmanagement
Schon im Juli war die engere Verteidigungskooperation beider Länder sichtbar geworden: Das belgische Verteidigungsministerium beauftragte damals Unifly mit der Einführung einer UTM-Plattform (Unmanned Traffic Management). Unifly ist eine Tochter des japanischen Drohnenherstellers Terra Drone.
Terra Drone entwickelt und liefert Drohnen sowie Gesamtlösungen für deren Betrieb und greift dabei auf praktische Einsatzerfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zurück. Bei Unifly handelt es sich um einen Hersteller von Systemen für Drohnenflugmanagement (UTM) mit Sitz in Belgien; 51 Prozent der Anteile hat Terra Drone 2023 übernommen.
Rund 1,15 Millionen Euro ist der Auftrag nach Angaben von Terra Drone wert. Er sieht eine integrierte UTM-Plattform vor, über die der Drohnenbetrieb der belgischen Land-, See- und Luftstreitkräfte zentral gesteuert und überwacht werden soll. Bei der Einführung des Systems und beim Aufbau der Betriebsinfrastruktur wird Unifly das Verteidigungsministerium unterstützen. Bislang koordinierten die Teilstreitkräfte ihre Drohnenflüge jeweils für sich; künftig werden diese Daten mit digitalen Technologien an zentraler Stelle zusammengeführt. Das soll Sicherheit und Effizienz verbessern.



Einsetzbar ist das UTM-System von Unifly als Dual-Use-Plattform sowohl für Militärdrohnen als auch im zivilen Bereich. Vorgesehen ist, das neue UTM-System für die Verteidigung mit dem schon bestehenden zivilen System zu verbinden.
Über diese Vernetzung lassen sich zivile und militärische Nutzungsdaten in Echtzeit austauschen. Verdächtige Drohnen können so schneller identifiziert werden; gemeinsam mit Systemen zur Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge ist auch eine raschere Reaktion bis hin zur rechtzeitigen Ausschaltung möglich.
In Belgien haben das NATO-Hauptquartier und wichtige EU-Institutionen ihren Sitz – für Terra Drone ist der Auftrag von dort das erste Projekt dieser Art in Europa. Weil die Verteidigungsausgaben in Europa steigen und immer mehr Drohnen UTM-Plattformen benötigen, erkennt das Unternehmen einen Wachstumsmarkt und will seine Aktivitäten dort ausweiten.
Fotocredits
© Japan MoD · © Terra DronesWeiterlesen

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