Drohnenkrieg bei Hedgehog 2025: Ukrainische Piloten schalten ganze NATO-Bataillone aus
Zehn ukrainische Drohnenpiloten, 17 simuliert zerstörte Panzerfahrzeuge an einem halben Tag: Die Übung in Estland zeigt, wie der Drohnenkrieg das Gefechtsfeld durchsichtig macht – und warum das Ergebnis die NATO aufschreckt.

Im simulierten Drohnenkrieg der Übung „Hedgehog 2025” in Estland sind die Truppen der NATO dramatisch an ihre Grenzen gestoßen. Das geht aus einem aufsehenerregenden Artikel des angesehenen Wall Street Journal (WSJ) hervor. Auf der einen Seite standen demnach 16.000 NATO-Soldaten aus 12 Staaten, auf der anderen ukrainische Drohnenteams. Ein NATO-Kommandeur zog danach ein nüchternes Fazit: „Wir sind am Arsch.”
Mit der ukrainischen Art der Drohnenkriegsführung kamen die Allianztruppen offenbar überhaupt nicht zurecht. So soll in einem Szenario ein ukrainisches Team aus zehn Personen binnen eines halben Tages 17 gepanzerte NATO-Fahrzeuge simuliert zerstört und zusätzlich 30 Angriffe geflogen haben. Zwei komplette NATO-Bataillone verloren an nur einem Übungstag ihre Kampffähigkeit.

Wie die Ukrainer den Drohnenkrieg führten
Gesetzt wurde auf Echtzeitinformationen, eine rasche Identifizierung von Zielen, den Austausch von Daten und kurze Sensor-Shooter-Ketten. Für die NATO-Soldaten zeigte sich dabei, dass es kein Versteck gibt – und das schon bei einer Drohnendichte, die nur halb so hoch war wie im Alltag an der Front in der Ukraine.
Wie durchsichtig Kleindrohnen das Gefechtsfeld machen, ließ die NATO-Kampfgruppe außer Acht. Die ukrainische Seite baute ihre Ausrüstung auf und setzte verschiedene Drohnen nach jenen Methoden ein, die sie sich in vier Kriegsjahren angeeignet hatte. Zum Einsatz kam auch Delta, ihr eigenes Gefechtsfeldmanagementsystem: Es sammelt eingehende Informationen, wertet große Datenmengen KI-gestützt in Echtzeit aus und koordiniert Angriffe auf identifizierte Ziele über die Grenzen von Kommanden und Einheiten hinweg.
Als wichtigste Lehre nennt Sten Reimann, Reservemajor der estnischen Streitkräfte, im estnischen Journal err.ee: „Die alten Manövertaktiken – das Vorrücken in großen Konvois am Tag – sind auf dem Schlachtfeld einfach nicht mehr praktikabel. Im schlimmsten Fall könnten wir bis zum Abend eine ganze Brigade oder zumindest den Großteil ihrer Kampfausrüstung verlieren.”
Genau darauf dürfte die Übung auch abgezielt haben. Nach Angaben von Oberstleutnant Arbo Probal, der das Programm für unbemannte Systeme der estnischen Streitkräfte leitet, bildete sie ein „umkämpftes und stark frequentiertes” Schlachtfeld ab. Die Einheiten sollten maximal belastet und in ihren kognitiven Fähigkeiten überfordert werden; auf diese Weise wollte man prüfen, wie gut sie sich an laufend wechselnde Bedingungen anpassen.

Für die NATO ist das Ergebnis ein Schock. Maria Lemberg von der ukrainischen NGO Aerorozwidka – Herz und Hirn hinter Delta – ortet bei der Allianz nach wie vor ein „grundlegendes Missverständnis des modernen Schlachtfelds”. Aus ihrer Sicht liegt die Herausforderung im Tempo, mit dem Entscheidungen fallen; der Zugang zu sensiblen Informationen bremse die Angriffskette. Mit Delta wird dagegen eine schnelle Tötungskette möglich: Zwischen dem Erkennen des Feindes, der Weitergabe der Information und dem Angriff liegen nur wenige Minuten.
Lemberg hofft, dass die Übung als Weckruf wirkt und zur Grundlage für einen intensiveren Wissensaustausch zwischen Kiew und den westlichen Partnern werden kann.
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