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Unmanned Systems / Aerial Drones

Drohnenkrieg in der Ukraine: Magyar erwartet „wirklich unbemannten Krieg“ in sechs bis acht Monaten

Beim Yalta European Strategy Forum sprach Kommandeur Robert Brovdi alias Magyar über seine „Birds of Madyar“, die Kosten im Drohnenkrieg und eine Zukunft ohne Piloten. Zwei Botschaften richtete er direkt an die Partner der Ukraine.

Drone war in Ukraine: Magyar expects a “truly unmanned war” within six to eight months
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Einer der wichtigsten Vertreter des modernen Drohnenkriegs stand vor wenigen Tagen beim Yalta European Strategy (YES) Forum auf der Bühne. Gefragt war seine Sicht auf die eigene Einheit, auf den laufenden Krieg in der Ukraine und auf die Entwicklung der nahen Zukunft. Vorweggenommen: Magyar sagt der Drohnentechnologie eine rasante technologische Weiterentwicklung voraus.

Robert Yosypovych Brovdi beim Yalta European Strategy (YES) Forum
Robert Yosypovych Brovdi beim Yalta European Strategy (YES) Forum. · © Archiv

Freund und Feind kennen Robert Yosypovych Brovdi vor allem als Magyar (auch Madyar/Мадяр). Als Kommandeur führt er das 414. separate Angriffsregiment für unbemannte Luftfahrtsysteme, das zum Marinekorps der ukrainischen Streitkräfte gehört und kurz „Birds of Madyar” heißt.

Ihren Anfang nahm die Geschichte im April 2022 bei Cherson: Zwölf Mann einer Schützeneinheit probierten dort zivile Drohnen aus. Binnen zweieinhalb Jahren wuchs daraus schrittweise mehr – zunächst ein Zug unbemannter Luftfahrzeuge innerhalb einer Kompanie, dann eine Kompanie, ein Bataillon, ein eigenständiges Bataillon und heute schließlich ein eigenständiges Regiment. Rund 400 aktive Soldaten, nur teilweise Kampfpiloten, sowie 600 Rekruten gehören ihm inzwischen an.

Wer nicht selbst Drohnen fliegt, unterstützt die Einheit mit einem breiten Spektrum an Leistungen: Gefertigt werden eigene Munition und elektrische Sprengkapseln samt Montage, die Drohnen werden angepasst und verbessert. Hinzu kommen selbst gebaute Systeme für die elektronische Kampfführung (EloKa) bis hin zu elektronischen Aufklärungssystemen. Jeder einzelne Soldat erhält außerdem einen persönlichen Spektrumanalysator und alle nötige Ausrüstung, die Leben retten soll – denn das Personal ist das wichtigste Kapital der Einheit.

Laut Magyar baut die Ukraine heute die weltweit besten unbemannten Luftfahrzeuge. Das liege am direkten Einsatz im Gefecht: Jede neue Herausforderung, jeder Bedarf an Modernisierung führe unmittelbar zu einer Reaktion. Gleichwohl arbeite das Land mit exakt denselben Mitteln wie sein Gegner, da beide Seiten sich parallel entwickeln. Lange dürfte das nicht mehr so bleiben, meint Magyar: Binnen anderthalb Monaten werde man spüren, dass China die Lieferung von Drohnen-Komponenten beschränkt.

Drohnenkämpfer Magyar
Magyar auf der Bühne des Yalta European Strategy Forums: „Wir bezahlen für den Mangel an Munition, für den Mangel an Waffen mit dem Leben unserer Soldaten.” · © Archiv

Was der Drohnenkrieg kostet

Bei den Kosten greift Magyar zu drastischen Vergleichen. Ihm sei kein Hersteller außerhalb der Ukraine bekannt, der Monat für Monat 300 bis 500 geflügelte Drohnen fertigen könne – mit einer Eindringtiefe von bis zu 900 Kilometern ins feindliche Gebiet, 60 Kilogramm oder mehr Sprengstoff an Bord und einem Preis von lediglich 50.000 Euro je Exemplar.

Westliche Partner liefern der Ukraine 82-Millimeter-Werfergranaten für 1.100 bis 1.300 Euro pro Stück. Im Vergleich dazu kostet eine fünf Kilogramm schwere Panzerabwehrmine, die das Regiment mittlerweile selbst baut und mit der sich jedes feindliche Fahrzeug vernichten lässt, rund 55 Euro. Über die Hälfte dieses Betrags machen chinesische Elektronikteile aus – die Ukraine wird sie allerdings bald selbst herstellen, für etwa sieben Euro.

„die Technologie schreitet so schnell voran, dass dieser schon jetzt unbemannte Krieg nach meiner Einschätzung in den nächsten sechs bis acht Monaten zu einem wirklich unbemannten Krieg werden wird.“— Magyar

Zwei Botschaften an die Partner

An die Partner der Ukraine richtete Magyar im Gespräch auch zwei Botschaften. Die erste formulierte er so: „Die erste ist, dass angesichts der rasanten Entwicklung unbemannter Luftfahrzeuge, die heute 50 Prozent aller Angriffsaktivitäten in diesem Krieg ausmachen, die Technologie so schnell voranschreiten wird, dass dieser schon jetzt unbemannte Krieg nach meiner Einschätzung in den nächsten sechs bis acht Monaten zu einem wirklich unbemannten Krieg werden wird”. Und weiter: „Hunderte von Systemen mit künstlicher Intelligenz werden gleichzeitig entwickelt, ohne dass Piloten daran beteiligt sind.”

Konkret bedeutet das für Magyar: „In sechs Monaten wird man keine Piloten mehr brauchen. Wir werden Leute brauchen, die die Drohne einfach einen Meter über den Boden heben. Und dann wird die Drohne je nach Entwicklung entscheiden, was sie trifft, wie sie einen „Schiguli” (Fahrzeugreihe des Automobilherstellers Awtowas) von einem Panzer trennt, aber sie wird ganz sicher nicht einen Ukrainer von einem Feind unterscheiden können.” Daraus folgert er: „Diese Herausforderungen müssen sehr ernst genommen werden und wir müssen in Technologien investieren, in denen die Ukraine die höchste Kompetenz hat.”

Drohnenkämpfer Magyar
Magyar: „Hunderte von Systemen mit künstlicher Intelligenz werden entwickelt und getestet.” · © Archiv

Ein Versprechen an den Westen bildet die zweite Botschaft: „Auf Kosten von Menschenleben, Erfahrungen und Jahren im Kampf erhält die gesamte vernünftige Weltgemeinschaft, die die Ukraine unterstützt, eine praktisch kostenlose Schmiede von Spezialisten, die morgen in alle ihre Länder gehen und ihre Armeen ausbilden werden, denn es stehen noch viele Kriege bevor. Und dies wird ein Element unserer praktischen Dankbarkeit für ihre Hilfe in unserem Kampf für unsere Freiheit, für unser Land, für unsere Familien sein.”

Zum Hintergrund: Yalta European Strategy (YES) versteht sich als führende Plattform, auf der über die europäische Zukunft der Ukraine im globalen Kontext diskutiert wird. Das Forum treibt neue Ideen voran, vernetzt das Land mit internationalen Partnern, stärkt dort die Kräfte des Wandels und knüpft rund um den Globus Unterstützernetzwerke für eine neue Ukraine.

Fotocredits

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