Unterwasserdrohnen aus Plymouth: Helsing errichtet „Resilience Factory” in England
350 Millionen Pfund investiert das deutsche Start-up Helsing in Großbritannien: In Plymouth sollen Unterwasserdrohnen vom Typ SG-1 Fathom samt KI-Software Lura entstehen, die ersten Systeme noch heuer ausgeliefert werden.

Im englischen Plymouth will das deutsche Defence- und IT-Start-up Helsing in einer „Resilience Factory” Unterwasserdrohnen produzieren. Zugleich kündigt das Unternehmen an, seine Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) in Großbritannien zu beschleunigen.
Eröffnet werden soll die Fabrik im Südwesten Englands noch heuer; Helsings britisches Geschäft wächst damit auf die doppelte Größe. Mit der Investition von 350 Millionen Pfund (408 Millionen Euro) soll das Trinity-House-Abkommen gestärkt werden, das die britische Neuausrichtung gegenüber Europa ausdrückt. Ziel ist es, verbündete Seestreitkräfte mit KI-gesteuerten Miniatur-U-Booten auszustatten, die kritische Unterwasserinfrastrukturen schützen.
SG-1 Fathom: Unterwasserdrohnen als leise Aufklärer
Bereits im Mai 2025 hatte Helsing SG-1 Fathom präsentiert, einen Unterwasser-Gleiter aus gepresstem Kunststoff mit 195 Zentimetern Länge und 60 Kilogramm Gewicht. Ohne Propeller bewegt er sich durch Luftumwälzung fort – nahezu lautlos und mit 1 bis 2 Knoten. Mit Hydrophonen sammelt die Drohne Aufklärungsinformationen, beispielsweise über gegnerische U-Boote oder andere Aktivitäten unter Wasser.
Die Auswertung der Daten übernimmt die von Helsing entwickelte KI-Software Luca, die auf der umfassenden Erfahrung des Unternehmens in der Luft- und Landüberwachung aufbaut.
Gegründet wurde Helsing 2021 in München; inzwischen unterhält das Unternehmen Büros in Berlin, London und – seit 2025 – in Plymouth. Mit der Bundeswehr kooperiert Helsing seit 2023, um KI-basierte Entscheidungsunterstützung für taktische Operationen bereitzustellen, zum Beispiel bei der Echtzeit-Analyse von Drohnendaten.

Ozeane digitalisieren und verteidigen
Um vor den zunehmenden Bedrohungen unter Wasser zu schützen, muss die Verteidigung nach Ansicht von Amelia Gould, General Manager von Helsing Maritime, künftig anders gestaltet werden: „Bei Helsing wissen wir, wie wichtig es ist, aus jedem Einsatz zu lernen und sich anzupassen. Lura und SG-1 werden einen sich ständig weiterentwickelnden Missionszyklus bilden und aus jedem Einsatz lernen, um mit der Bedrohung Schritt zu halten – eine echte Verteidigungsfähigkeit des 21. Jahrhunderts.”
Im Zentrum von Helsings Lura steht ein akustisches neuronales Netzwerk, das ähnlich wie große Sprachmodelle funktioniert. Laut Gould ist Lura dadurch imstande, akustische Signaturen – also Geräusche, die Schiffe und U-Boote erzeugen – mit „bislang unerreichter Empfindlichkeit und Genauigkeit zu klassifizieren und zu lokalisieren”. Erfassen lassen sollen sich so selbst Unterschiede zwischen einzelnen Schiffen derselben Klasse; erkannt werden nun akustische Signale, die bis zu zehnmal leiser sind als bei herkömmlichen Systemen.
Hunderte Gleiter im Verbund
Eingesetzt wird Lura auf der SG-1 Fathom. Nach Herstellerangaben kann der neue autonome Unterwassergleiter bis zu drei Monate ununterbrochen patrouillieren, etwa um kritische Infrastruktur wie Pipelines und Unterseekabel zu überwachen.
Helsing zufolge lassen sich Missionen mit Hunderten von SG-1 Fathoms durchführen. Gould erläutert: „Das kombinierte System bildet eine Konstellation mobiler Sensoren unter der Wasseroberfläche – vergleichbar mit Satelliten im Orbit – und digitalisiert somit die Meeresumwelt.”
Ein Zehntel der Kosten bemannter Patrouillen
Ein einziger Bediener kann den Gleiterschwarm steuern, und das zu nur zehn Prozent der Kosten herkömmlicher bemannter U-Boot-Abwehrpatrouillen. Einsetzbar sein sollen Lura und SG-1 von Nord- und Ostsee bis in die Tiefseegebiete von Atlantik und Indopazifik.
Weil ihre Produktion vergleichsweise wenig kostet, lassen sich die Unterwasser-Gleiter in großer Stückzahl fertigen. Angesichts wachsender Bedrohungen durch die russische und die chinesische Marine ist eine umfassende Überwachung maritimer Gebiete von entscheidender Bedeutung.
Damit die ersten in der Hafenstadt Plymouth gebauten Lura und SG-1 noch heuer ausgeliefert werden können, arbeitet Helsing mit Blue Ocean Marine Tech Systems, Ocean Infinity und Qinetiq zusammen.
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