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Industry News / Aerial Drones

Drohnenhersteller Quantum Systems will Defence-Prime werden: Florian Seibel setzt auf Zukäufe und neue Märkte

Vom Drohnenhersteller zum großen Hauptauftragnehmer in Europa: Co-CEO Florian Seibel schildert, wie Quantum Systems mit Übernahmen, Märkten wie Japan und dem Fluggerät P19 wachsen will – und warum ihn die Versorgung mit Chips umtreibt.

© Quantum Systems

Weit über Aufklärungsdrohnen hinaus soll das Portfolio von Quantum Systems künftig reichen: Der deutsche Drohnenhersteller strebt an, zu einem der führenden Rüstungsunternehmen Europas heranzuwachsen. Florian Seibel, Mitgründer und Co-CEO, baut dabei auf Übernahmen und neue Märkte.

Bei einer Produktdemo auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr äußert er sich am Rande zu Aufträgen aus der Ukraine für die Drohnenabwehr, zum bemannt wie unbemannt nutzbaren Fluggerät P19 und zu möglichen Akquisitionen.

Auf dem Weg zum Defence-Prime

Florian Seibel
Unternehmensgründer und CEO Florian Seibel bei der Produktdemo auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. · © Quantum Systems

Sein Ziel benennt Florian Seibel ohne Umschweife: „Wir arbeiten daran, einer der Defence-Primes in Europa zu werden.” Damit ist der Aufstieg in die Riege der großen Rüstungsanbieter gemeint, die als Hauptauftragnehmer umfangreiche Programme verantworten.

Dazu soll das Unternehmen, das derzeit 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, technologisch breiter werden und mehr Teile der Wertschöpfung selbst übernehmen. Quantum Systems entwickelt und produziert unbemannte Systeme für Luft, Boden und Wasser, ergänzt um Software, mit der sich die verschiedenen Plattformen vernetzen und steuern lassen. Als Felder einer weiteren Expansion zieht Seibel auch Space und Strike in Betracht.

Etablierte Hersteller samt ihren Produkten vollständig zu verdrängen, ist dabei nicht seine Absicht. „Die brauchen wir auch. Wir brauchen noch Panzer und wir brauchen auch noch Kampfjets, aber wir brauchen auch zu einem großen Teil eben auch unbemannte Systeme.” Einen größeren Teil dieses Marktes will Quantum Systems für sich gewinnen – und verlangt dafür, dass sich die staatlichen Beschaffungsausgaben verschieben.

Drohnenhersteller setzt auf Akquisitionen

Eine zentrale Rolle beim Ausbau zum breiter aufgestellten Rüstungsanbieter kommt Zukäufen zu. Übernommen wurde bereits zu Jahresbeginn der deutsche Motorenhersteller Hacker Motor. Die Bandbreite reicht dabei von Luftschrauben-Herstellern bis zu Softwareunternehmen.

Für Seibel kommt es naturgemäß darauf an, Zukauf und Eigenentwicklung gegeneinander abzuwägen: „Mit wie viel Geld kann ich wie viel Entwicklungsarbeit überspringen, indem ich zukaufe?” In erster Linie sollen Übernahmen demnach Zeit sparen und Fähigkeiten verfügbar machen, die Quantum Systems sonst selbst aufbauen müsste.

Erschwert werden mögliche Abschlüsse jedoch durch hohe Preisvorstellungen. „Der Markt ist sehr heiß momentan”, sagt Seibel, der die Erwartungen potenzieller Übernahmekandidaten an den eigenen Unternehmenswert als „grenzenlos” bezeichnet. Weitere Zukäufe in den kommenden Monaten stellt er dennoch in Aussicht.

Auch kritische Komponenten sind Teil der Expansion. Bei Batterien verweist Seibel auf eine verlässliche Fertigung in Europa, abhängig bleibt man dagegen bei Chips, Rohstoffen und Grundchemikalien. Vor allem die Versorgung mit Halbleitern sieht er als Aufgabe, die Quantum Systems mit eigenen Mitteln nicht bewältigen kann: „Das Chipthema ist noch was, was mich persönlich umtreibt. Das sollte auch andere Leute in der Regierung umtreiben. Ich alleine werde es nicht lösen können.”

Neue Märkte: Japan, Taiwan und die Golfregion

Niederlassungen hat Quantum Systems bereits in den USA, in Australien, Spanien, Großbritannien und im Baltikum, hinzu kommt die Tätigkeit in der Ukraine. Den nächsten Schritt der Expansion sieht Seibel in Japan: Dort hat das Unternehmen eine Tochtergesellschaft gegründet und baut ein Büro auf. Hintergrund ist, dass Anfang dieses Jahres die japanische Beschaffungsbehörde ATLA das Unternehmen für ein Proof-of-Concept-Programm zur Abwehr unbemannter Systeme ausgewählt hat.

Zu den Märkten, die Quantum Systems bearbeitet, zählt auch Taiwan. „Da sind wir über unsere amerikanische Niederlassung aktiv”, so Seibel.

Im Nahen Osten ortet er vor allem Bedarf an zusätzlicher Luftabwehr, um kritische Infrastruktur zu schützen. „Da sprechen wir selbstverständlich mit allen relevanten Playern am Golf, die auch ihre Infrastruktur dann eben durch Angriffe aus der Luft künftig verteidigen müssen.” Für diese Märkte nennt Seibel weder konkrete Kunden noch Vertragsabschlüsse.

Drohnenabwehr-Auftrag aus der Ukraine

Im Vordergrund steht für Quantum Systems in der Ukraine derzeit, Aufklärungs- und Kampfdrohnen rasch bereitzustellen. Erst kürzlich erhielt das deutsch-ukrainische Joint Venture Quantum Frontline Industries (QFI) einen Folgeauftrag, der unter anderem mehrere Zehntausend Drohnen der Typen Linza und Zoom umfasst.

„Ebenso haben wir einen Auftrag über mehrere zehntausend Einheiten von Counter-UxS-Systemen erhalten, mit denen die Ukraine die Geran-5-Drohnen beherrschen kann“, verrät Seibel. Auf die Funktionsweise will er nicht näher eingehen.

Einen Fingerzeig gibt in diesem Zusammenhang allerdings ein Geschwindigkeitsrekordversuch mit einer batterieelektrisch angetriebenen Drohne, den Quantum Systems im Oktober im Rahmen der Demo auf dem deutschen Truppenübungsplatz unternommen hat. Das Fluggerät Apex Recordhunter kam dabei auf 777 km/h. Zum offiziell bestätigten Weltrekord reichte es jedoch nicht, weil der erfolgreiche Flug in Gegenrichtung fehlte.

Was mit dieser „Formel-1-Abfangdrohne” gelernt wurde, soll unter anderem helfen, die Leistung der hauseigenen Abfangdrohne Skyron zu steigern. Diese erreicht derzeit bis 400 km/h, künftig sollen um 200 km/h mehr möglich sein. Gegenüber einer Geran-5 mit Jetantrieb und rund 550 km/h wäre sie damit jedenfalls ein ernst zu nehmender Gegner. Technologie und Komponenten für den Weltrekordversuch steuerten Porsche, Liebherr und EOS bei.

Dass daraus ein dauerhafter Vorsprung entsteht, erwartet Seibel allerdings nicht: „Russland entwickelt etwas, die Ukraine kontert es und dann beginnt das Katz-und-Maus-Spiel wieder von vorne.”

Pulse P19 als Träger, bemannt wie unbemannt

Neue Wege beschreitet Quantum Systems mit dem Fluggerät Pulse P19, das sich derzeit in Entwicklung befindet. Optisch erinnert es an eine Propellermaschine wie die Pilatus PC-7 – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass es optional unbemannt betrieben werden kann. „Unser Approach ist, zuerst manned, danach auch unmanned zu fliegen”, erklärt Seibel. Wegen der Regulatorik in der Luftfahrt sei es einfacher, das Flugzeug zunächst mit Pilot starten zu lassen und den unbemannten Modus schrittweise einzuführen – vor allem dann, wenn verschiedene Lufträume durchflogen werden.

P19
Mit der Pulse P19 entwickelt Quantum Systems eine perspektivisch unbemannte Plattform mit hoher Nutzlastkapazität, die gezielt für die Drohnenjagd ausgelegt ist. · © Quantum Systems

Denkbar ist etwa, dass die P19 bis zu 36 Abfangdrohnen transportiert. Als fliegender Träger soll sie so größere Räume abdecken und massierte Drohnenangriffe abwehren können – im Idealfall unmittelbar nach dem Grenzübertritt. Bodengebundene Lösungen stoßen nach Seibels Worten nämlich an praktische Grenzen: „Ich kann ja nicht alle zwei Kilometer eine Batterie von Flugabwehrsystemen hinstellen.” Mit dem fliegenden Träger soll sich die Zahl der benötigten Abfangeinrichtungen verringern lassen, zugleich sollen größere Bereiche rasch überwacht werden.

Rund 4,5 Tonnen wiegt das bewaffnungsfähige System, der Erstflug wird für Mitte 2027 erwartet.

Finanzierung über Venture Capital

Finanziert wird Quantum Systems über Venture Capital namhafter Fonds. Erst im Sommer dieses Jahres wurde eine Finanzierungsrunde von gut einer Milliarde Euro abgeschlossen, an der sich unter anderem Airbus mit einem Investment beteiligte. Einen Börsengang bezeichnet Seibel als „Option”.

Worin sich das Modell vom klassischen, staatlich finanzierten Entwicklungsauftrag unterscheidet, bringt Seibel so auf den Punkt: „Der Bund bezahlt nicht das, was wir tun. Der bezahlt unsere Produkte.” Das Entwicklungsrisiko liegt damit zunächst beim Unternehmen selbst. Seiner Ansicht nach entsteht so ein Anreiz zu Tempo und geringen Kosten. Aufgehen kann das allerdings nur, wenn der Entwicklung auch Bestellungen folgen. „Wir sind dann natürlich aber darauf angewiesen, dass der Bund dann trotzdem irgendwann als Ankerkunde zu uns kommt.”

Fotocredits

© Quantum Systems
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