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Industry News / Aerial Drones

Drohnenindustrie: Anduril und Edge Group setzen mit Joint Venture auf Omen

Ein gemeinsames Werk in den VAE, Zugriff auf die Lattice-Software und 50 vorbestellte Omen-Systeme: Edge und Anduril bündeln ihre Kräfte. Was das Joint Venture für die Drohnenindustrie im Nahen Osten vorsieht.

Good omen: Anduril and Edge establish drone joint venture
© Anduril

Neue Allianz in der Drohnenindustrie: Das US-Unternehmen Anduril und die Edge Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gründen ein Joint Venture, mit dem Konzeption, Entwicklung und Produktion autonomer Systeme vorangetrieben werden sollen. Im Vordergrund stehen zivile wie militärische Missionen im Nahen Osten und in den Nachbarregionen. Ganz allgemein will man den Zugang zu fortschrittlichen, softwaredefinierten Technologien ausweiten.

Teil des Vorhabens ist eine neu gegründete gemeinsame Gesellschaft für Produktion, Vertrieb und Wartung: Die Edge–Anduril Production Alliance soll in der Region als Zentrum moderner kommerzieller und militärischer Fertigung fungieren. Die Detailvereinbarungen dazu werden derzeit finalisiert – abgestimmt auf die nötigen Genehmigungen aus den USA und den VAE.

Zusammengeführt werden sollen dabei die regionale Präsenz von Edge und das Vertrauen, das sich das Unternehmen im Nahen Osten erarbeitet hat, sowie das Know-how von Anduril bei softwaregesteuerter Entwicklung und Großserienfertigung. Bestätigt haben die Partner bereits ein erstes Projekt, nämlich die Entwicklung der Omen-Systeme. Auch eine erste Bestellung liegt schon vor: 50 dieser Systeme wollen die VAE beschaffen – und das, obwohl Omen nach Firmenangaben erst Ende 2028 serienreif sein soll. Der frühe Auftrag sichert dem Joint Venture die Produktion und gibt der Entwicklung künftiger Gemeinschaftssysteme Tempo.

S.E. Faisal Al Bannai, Vorsitzender der Edge Group, äußerte sich so zur Kooperation mit Anduril: „Unsere strategische Partnerschaft mit Anduril eröffnet Edge neue Wege, um einige der fortschrittlichsten autonomen Systemtechnologien der Welt zu nutzen. Die Einbettung dieser Fähigkeiten in den VAE beschleunigt grundlegend die Art und Weise, wie wir Systeme der nächsten Generation innovieren, bauen und einsetzen. Omen ist ein Beispiel für diesen Wandel und kombiniert umfassende Autonomie, operative Intelligenz und lokale Produktion, um die Position der Vereinigten Arabischen Emirate an der Spitze der autonomen Luftfahrt zu stärken.”

UAV Omen von Anduril
UAV Omen auf der Dubai Airshow 2025. · © Georg Mader
UAV Omen von Anduril
UAV Omen auf der Dubai Airshow 2025. · © Georg Mader
UAV Omen von Anduril
UAV Omen auf der Dubai Airshow 2025. · © Georg Mader
UAV Omen von Anduril
UAV Omen auf der Dubai Airshow 2025. · © Georg Mader

Drohnenindustrie über Grenzen hinweg: ein Portfolio für Militär und Zivil

Geplant ist, bei festgelegten Projekten zu kooperieren, die zugehörige Geschäftsentwicklung weltweit abzustimmen und auf diese Weise ein gemeinsames Angebot autonomer Systeme für militärische und zivile Zwecke zu schaffen. Anduril-Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender Trae Stephens unterstrich: „Innovation im Verteidigungsbereich wird nicht an Ideen gemessen, sondern daran, wie schnell diese Ideen in Fähigkeiten umgesetzt werden. Mit Edge passen wir die Produktionsmittel an die Dringlichkeit moderner Abschreckungsmaßnahmen an.”

Edge bekommt über das Joint Venture Zugriff auf Lattice, die Softwareplattform von Anduril. Die Plattform bildet eine Grundebene für KI-gesteuerte Befehls- und Kontrollfunktionen, die im Rahmen des Projektumfangs neue wie bestehende Systeme des Joint Ventures prägen soll. Anduril wiederum gewinnt mit der Partnerschaft eine vertrauenswürdige Fertigungsbasis im Nahen Osten: Eigene Systeme lassen sich so in Abu Dhabi für Kunden aus der Region entwerfen, anpassen und bauen. Eine gemeinsame Philosophie haben beide Firmen laut Presseaussendung auch: „Schnell handeln, vorausschauend investieren und echte Leistungsfähigkeit liefern.”

Omen: Schwebeflug, Reiseflug und Lattice an Bord

Omen, wie es die VAE bestellt haben, ist ein autonomes Luftfahrzeug (AAV), das schweben und im Reiseflug operieren kann. Ausdauer, Nutzlast und Autonomie größerer Systeme vereint es mit der Flexibilität eines kompakten Systems, das ohne Startbahn auskommt. Grundlage sind 725 Millionen Euro, die Anduril in Mission-Autonomy-Technologie und die Entwicklung von Group-3-Systemen mit Senkrechtstart und -landung (VTOL) investiert hat, ergänzt um neue Investitionen von Edge in Höhe von rund 170 Millionen Euro. In der Aussendung heißt es dazu: „Gemeinsam werden die Unternehmen das Flugzeug bis Ende 2028 von der Entwicklung zur Serienreife bringen”.

Der Rahmen ist leicht und faltbar. Zwei Personen genügen daher, um das System binnen weniger Minuten und ohne besondere Infrastruktur zu transportieren, aufzubauen und zu starten. Das Einsatzspektrum soll von maritimer Überwachung und logistischer Versorgung über die Überwachung im Rahmen der Luftverteidigung bis zu Kommunikationsrelais reichen. Mit Lattice als Antrieb können mehrere Fluggeräte ihre Routen abstimmen, Sensordaten teilen und ihr Verhalten in Echtzeit anpassen.

Dank offener, modularer Architektur lässt sich Omen für unterschiedliche Aufgaben in Verteidigung und Zivilbereich umrüsten. Optimiert wird das System auch für zahlreiche kommerzielle Missionen jenseits des Militärs. Denkbar wäre etwa ein Einsatz als fliegender Mobilfunkmast, der nach Naturkatastrophen die Verbindung wiederherstellt, oder als Mittel für humanitäre Hilfe und die Versorgung abgelegener Gebiete, wenn Landwege abgeschnitten sind.

Durch die Bestellung von 50 Omen-Systemen haben die VAE eine Produktionsbasis samt Fertigungssystem geschaffen. Vorgezeichnet ist damit auch ein klarer Weg von der gemeinsamen Entwicklung über die Serienfertigung bis zum operativen Einsatz und zum späteren Export an Kunden in der Region und weltweit.

Fertigung in den VAE und in Ohio

Ordern die VAE selbst oder andere Staaten im Nahen Osten, wird künftig lokal bei der Edge-Anduril Production Alliance in den VAE produziert. Aufträge aus den USA dürften dagegen im Anduril-Werk Arsenal-1 in Ohio abgearbeitet werden.

Neben den vorgesehenen Produktions- und Wartungsstätten der Allianz baut Anduril in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine dauerhafte Präsenz auf: ein 50.000 Quadratmeter großes Zentrum für Forschung, Entwicklung und virtuelle Simulation, das eigens für Ausbau und Weiterentwicklung künftiger Programme ausgelegt ist. Als regionale Drehscheibe für Technik, Design und Prototypenbau soll die Anlage Entwicklung, Integration und Tests autonomer Systeme samt zugehöriger Hardware unterstützen.

Fotocredits

© Anduril · © Georg Mader
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