Drohnenabwehr für kritische Infrastruktur: EKO Cobra, ORF, Frequentis und Red Bull Ring auf der DroneVation
Ohne Drohnenabwehr ist der Schutz kritischer Infrastruktur nicht mehr denkbar – darin waren sich Praktiker auf der DroneVation & Defence 2026 in Wien einig. Sie berichteten vom Eurovision Song Contest, vom Red Bull Ring und aus der Ukraine; Österreich erarbeitet derweil eine nationale Strategie.

Zivile Sicherheit und militärische Verteidigung lassen sich beim Schutz kritischer Infrastruktur immer schwerer voneinander trennen. Welche Lehren Europa aus dem Krieg in der Ukraine ziehen muss und weshalb Österreich nun an einer nationalen Strategie zur Drohnenabwehr arbeitet, war Thema einer Diskussion beim Symposium „DroneVation & Defence 2026” in Wien. Auf dem Podium saßen Vertreter von EKO Cobra, ORF, Frequentis und dem Red Bull Ring sowie internationale Sicherheitsexperten.
Christian Kunstmann vom Bundesministerium für Inneres moderierte die Runde. Mit ihm sprachen Chefinspektor Thomas Vahrner (EKO Cobra), der Sicherheitsexperte Markus Piendl, ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz, Andreas-Anoar Adomeit von Frequentis und Jakob Berger vom Red Bull Ring. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo sich zivile und militärische Bedrohungsszenarien immer stärker überlappen – und weshalb kritische Infrastruktur heute nicht mehr ohne die Abwehr von Drohnen zu schützen ist.
Gesamtstaatliche Strategie in Arbeit
Für Österreich ist das Thema keine Frage der Zukunft mehr, wie Chefinspektor Thomas Vahrner klarstellte. Schon seit 2008 nutzt die EKO Cobra Drohnen im Einsatz; mit ihrer Abwehr befasst sie sich seit zwölf Jahren intensiv.
Aktuell erarbeitet eine interministerielle Arbeitsgruppe eine gesamtstaatliche Drohnenabwehrstrategie. Beteiligt sind das Innen-, das Verteidigungs-, das Verkehrs- und das Wirtschaftsministerium, aber auch Betreiber kritischer Infrastruktur. Angestrebt werden neue technische Konzepte, organisatorische Anpassungen und – vor allem – Änderungen der Gesetze.

Wir arbeiten derzeit an einer gesamtstaatlichen Drohnenabwehrstrategie— Thomas Vahrner, EKO Cobra
Künftig sollen Betreiber kritischer Infrastruktur nach seinen Worten ihre Anlagen deutlich besser selbst schützen können. Damit Detektion und Abwehr auf einer sauberen rechtlichen Grundlage stehen, seien zugleich Anpassungen im Luftfahrt- und im Fernmeldegesetz notwendig.
Drohnenabwehr beim ESC: 22 Drohnen erkannt, zwei Eingriffe
Welche Bedeutung das Thema schon jetzt hat, illustrierte Vahrner mit dem Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Mehrere Veranstaltungsorte wurden dabei von der Cobra gemeinsam mit anderen Kräften aus der Luft gesichert.
Detektiert wurden 22 Drohnen, zweimal waren Abwehrmaßnahmen erforderlich. Zu einer konkreten Gefährdung kam es zwar nicht, doch der Einsatz mache die Schwierigkeit sichtbar: Im zivilen Umfeld gelte es ständig, harmlose Freizeitpiloten von potenziellen Angreifern zu unterscheiden.
Noch komplexer sei es bei Großereignissen wie dem Hahnenkammrennen oder der Formel 1. Dort teilen sich Drohnen von Polizei, Medien und Veranstaltern den Luftraum mit Hubschraubern. Zwischen „gut” und „böse” zu unterscheiden, zähle zu den größten Herausforderungen moderner Drohnenabwehr.

Red Bull Ring: Größeres Problem sind oft Touristen
Jakob Berger, am Red Bull Ring als Manager Safety, Security & Events tätig, machte deutlich, dass Risiken nicht nur von feindlichen Drohnen ausgehen.
Im internationalen Motorsport habe sich das Sicherheitsdenken grundlegend gewandelt, seit Huthi-Rebellen nahe dem Formel-1-Rennen in Saudi-Arabien eine Aramco-Anlage angegriffen hatten. Sorgen bereiten in Spielberg allerdings häufig ganz andere Fluggeräte.
Zahlreiche Besucher starten ihre privaten Kameradrohnen von Campingplätzen oder von den Hügeln in der Umgebung, um spektakuläre Bilder einzufangen. Dass sie damit in einen hochsensiblen Luftraum eindringen, ist ihnen dabei nicht bewusst. Bei einem Grand Prix sind dort gleichzeitig TV-Hubschrauber, Broadcasting-Drohnen, die Polizei und viele VIP-Flüge unterwegs.
Wir setzen deshalb auf eine Kombination unterschiedlicher Sensoren – von RF-Detektion über Radar bis zu Kameras. Die eine Lösung für alles gibt es derzeit nicht— Jakob Berger, Red Bull Ring

Piendl: Früherkennung zählt mehr als das Ausschalten
Einen bemerkenswerten Akzent setzte Markus Piendl. Der deutsche Sicherheitsexperte hat unter anderem Sicherheitskonzepte für die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland mitentwickelt. Aus über einem Jahrzehnt Praxis zog er vor allem einen Schluss: Am schwierigsten sei nicht, eine Drohne auszuschalten, sondern sie früh genug zu erkennen.
Augenzwinkernd brachte er es auf die Formel „Weniger Hollywood ist mehr Hollywood”. Die eigentliche Kunst liege darin, den Piloten aufzuspüren, Flugmuster zu analysieren und Daten klug auszuwerten. Dazu müssten Radar, Funkdetektion, Kameras sowie Audio- und Remote-ID-Systeme in einem gemeinsamen Lagebild zusammenlaufen.
Mit nur einem Sensor sei das nicht zu leisten. Den Ausschlag gebe vielmehr, wie intelligent unterschiedliche Technologien kombiniert werden.

Frequentis: Alle Beteiligten auf einem Lagebild
Für einen ganzheitlichen Ansatz sprach sich auch Andreas-Anoar Adomeit von Frequentis aus. Der frühere Bundeswehr-Soldat erinnerte daran, dass im Auslandseinsatz noch vor wenigen Jahren Drohnen zum Teil anhand einfacher Bestimmungskarten klassifiziert worden seien. Heute dagegen gehe es darum, zivile, behördliche und militärische Informationen in einem gemeinsamen digitalen Lagebild zu bündeln.
Polizei, Militär und Betreiber kritischer Infrastruktur müssten künftig gleichermaßen auf dieselben Informationen zugreifen können, damit sie schnell und koordiniert reagieren. Eine Rolle spiele dabei ein modernes Uncrewed Traffic Management (UTM) ebenso wie automatisierte Systeme, die große Areale überwachen.

Christian Wehrschütz: Drohnen als persönliche Lebensgefahr
Besonders eindringlich geriet die Debatte, als ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz von seinen Erfahrungen in der Ukraine berichtete (-> Christian Wehrschütz: „Besser früher aufstehen als früher tot sein”).
Kritische Infrastruktur umfasse für sein Team längst mehr als Stromversorgung oder Kommunikationsnetze. In der Ukraine gelte inzwischen auch der ORF selbst als kriegswichtige Infrastruktur – damit sollen Mitarbeiter vor der Einberufung geschützt und der Sendebetrieb aufrechterhalten werden können.
Vor allem aber stellten Drohnen eine unmittelbare Lebensgefahr dar. Wehrschütz berichtete von einem Angriff im November des Vorjahres: Bei einer Evakuierungsfahrt nahe der Front wurde sein Team von einer glasfaser-gesteuerten FPV-Drohne (Sicht aus der Ich-Perspektive, First-Person View) mit einer Panzerabwehrwaffe angegriffen. Über Leben und Tod entschieden nur Sekunden. Journalisten hätten in einer solchen Lage keine Möglichkeit, sich aktiv zu verteidigen.

Für uns ist die Drohne eine reale, ganz persönliche Bedrohung— Christian Wehrschütz, ORF
Mehr Vernetzung, weniger Insellösungen
Zum Schluss des Panels waren sich alle Teilnehmer einig, dass Gesetzgebung und Beschaffungsprozesse mit dem Tempo der technischen Entwicklung nicht mithalten.
Als zentrale Lehre gilt deshalb nicht der möglichst rasche Kauf neuer Abwehrsysteme. Vielmehr sollen Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur, Industrie und Forschung enger zusammenrücken – nur dann ließen sich neue Bedrohungen früh erkennen und wirksam bekämpfen.
Moderator Christian Kunstmann zog am Ende folgendes Fazit:
Information, Austausch und Vernetzung zwischen Behörden, Unternehmen und Experten sind heute wichtiger denn je.— Christian Kunstmann, Bundesministerium für Inneres
Fotocredits
© Unmanned Magazine/Sebastian FreilerWeiterlesen

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