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Counter-UAS

Drohnenabwehr bei Saab: Von Giraffe 1X über Nimbrix bis Loke und RBS 70 NG

Billige Drohnen, teure Abwehr: Wie Saab die Drohnenabwehr bezahlbar machen will, zeigen Giraffe 1X, die Rakete Nimbrix und das in 84 Tagen realisierte Loke-Konzept. Ein perfektes System gibt es laut Per Järbur nicht.

Loke-Konzept
© Saab

Was einst als Randerscheinung galt, ist für Streitkräfte inzwischen eine ernste Gefahr: Unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) haben sich in den letzten Jahren zu einer zentralen Bedrohung entwickelt – und damit ist auch die Drohnenabwehr in den Fokus gerückt. Am deutlichsten wird das im Ukraine-Krieg. Dort treffen günstige Drohnen wirkungsvoll die verschiedensten Ziele, von Infrastruktur über mechanisierte Verbände bis zu einzelnen Soldaten. Bezahlbare Gegenmittel sind schwer zu finden, unmöglich ist es aber nicht. Wie der schwedische Rüstungskonzern Saab das Problem angeht, zeigt eine Spurensuche.

Sensor, Führung, Effektor: der Aufbau bodengebundener Luftverteidigung

Drei Komponenten bilden den Kern eines bodengebundenen Luftverteidigungssystems (Ground Based Air Defence, GBAD):

  • Sensoren, die als Augen der Operation dienen,
  • Führung und Steuerung (C2) in einem Führungs- und Kontrollzentrum, das als Gehirn arbeitet,
  • Effektoren, gleichsam die Muskeln, mit denen eine Bedrohung abgewehrt wird.

Schon heute können moderne Sensoren – etwa das Radarsystem Giraffe 1X von Saab – selbst kleinste Ziele präzise erkennen und klassifizieren. Je nach Zieltyp, Distanz und Umgebungsbedingungen werden Objekte erfasst, deren Radarquerschnitt unter 0,01 Quadratmetern liegt. Mit dieser hohen Empfindlichkeit wächst allerdings auch die Datenmenge laufend an.

Verarbeiten lassen sich diese Daten trotzdem in Sekundenbruchteilen, und zwar mit der Rechenleistung moderner C2-Systeme, die künftig durch Künstliche Intelligenz unterstützt werden. Das so entstehende hohe Lagebewusstsein erlaubt rasche Entscheidungen und die bestmögliche Wahl des Effektors.

Zwei Wege, eine Drohne auszuschalten

Grundsätzlich kennt die Luftverteidigung zwei Ansätze: Soft Kill (elektronische Abwehr) und Hard Kill (physische Zerstörung). Bei Angriffen mit Drohnen kommt es auf diese Unterscheidung besonders an, denn UAV dienen sowohl der Aufklärung als auch als Präzisionswaffe.

Per Järbur, Experte für Luftverteidigung bei Saab, formuliert die Ausgangsfragen so: „Wenn wir über C-UAS sprechen, müssen wir zuerst klären, ob wir Systeme zur Sicherung ziviler Infrastruktur in Friedenszeiten meinen – oder jene, die an der Front Schwärme von Drohnen bekämpfen sollen. Sprechen wir über militärische MOTS-Lösungen oder kommerzielle COTS-Produkte – und wie unterscheiden sich deren Kosten?”

Als Gegenmaßnahmen kommen elektronische Kampfführung und Cyberabwehr ebenso infrage wie kinetische Waffensysteme. Eine zentrale Schwierigkeit bleibt das Verhältnis der Kosten: Nur wenige Hundert Euro kostet eine Drohne, moderne Abwehrsysteme hingegen können Millionen kosten – und sind häufig erst nach langer Produktionszeit verfügbar.

Nimbrix Einsatzszenario
. Mit einer Reichweite von bis zu fünf Kilometern und einem Air-Burst-Modus soll Nimbrix auch in der Lage sein, Drohnen-Schwärme effektiv zu bekämpfen. · © Saab

Nimbrix: kleine Rakete zu geringen Kosten

Einen möglichen Ausweg hat Saab erst vor Kurzem mit Nimbrix vorgestellt. Entwickelt wird die Fire-and-Forget-Rakete mit Zielsuche, Hard-Kill-Gefechtskopf und kleinem Footprint, und das zu vergleichsweise niedrigen Kosten. Bei einem Gewicht unter drei Kilogramm soll sie Ziele in bis zu fünf Kilometer Entfernung erfassen. Im Air-Burst-Modus ist die Sprengladung in der Lage, ganze Schwärme zu neutralisieren. Ausgeliefert werden sollen erste Exemplare 2026; einsetzen lässt sich Nimbrix allein oder eingebunden in größere Luftverteidigungssysteme.

Drohnenabwehr in 84 Tagen: das Loke-Konzept

Alle drei bis vier Monate wandeln sich in der Ukraine die Einsatzmuster von Angriffs- und Aufklärungsdrohnen. Ebenso schnell muss die Abwehrtechnik nachziehen. Wie zügig das gehen kann, belegt eine bemerkenswerte Zusammenarbeit von schwedischer Luftwaffe, Beschaffungsbehörde FMV und Saab: Binnen nur 84 Tagen entstand das Loke-Konzept, ein mobiles und modulares System für Kampftruppen.

Zusammengeführt werden darin das Radar Giraffe 1X, eine leichte C2-Lösung nach dem SHORAD-Prinzip sowie Effektoren, darunter eine kleinkalibrige Kanone auf der Trackfire Remote Weapon Station. Eingebaut werden kann das System an Land ebenso wie auf See, beispielsweise auf dem Combat Boat 90.

Järbur beschreibt den Ansatz so: „Bei Loke haben wir bewusst keinen jahrelangen Entwicklungszyklus verfolgt, sondern vorhandene Systeme umfunktioniert und neue Technologien integriert. So konnten wir in Rekordzeit reagieren”. Skalierbar und anpassbar ist Loke, und auch während der Bewegung bleibt es einsatzbereit.

Trackfire Remote Weapon Station
Saab hat die Trackfire Remote Weapon Station mit einem X1-Radar und einer C2-Lösung zu einer interessanten Drohnenabwehrlösung kombiniert. · © Saab

Die eine Lösung fehlt

Für den Hard-Kill-Bereich hat Saab außerdem das RBS 70 NG im Angebot. Die Lenkwaffe erreicht 9.000 Meter Reichweite und 5.000 Meter Flughöhe und lässt sich nicht stören. Zugleich sieht das Unternehmen großes Potenzial bei Soft-Kill-Lösungen, etwa bei Störsendern, Netzen oder Hunter-Drohnen. Nach Angaben des schwedischen Rüstungsherstellers werden gemeinsam mit Start-ups und Industrie neue Konzepte erforscht.

„Es gibt keine goldene Lösung, kein perfektes C-UAS-System, das alle Bedrohungen abwehrt – weder heute noch morgen”, unterstreicht Järbur. Nötig sei, dass Streitkräfte die jeweilige Bedrohungslage genau analysieren und auf den Verbund mehrerer Systeme setzen. Unverzichtbar sei ebenso eine gemeinsame NATO-Luftverteidigung, die bisher allerdings noch Zukunftsmusik ist.

Die Technik gibt es – es kommt auf die Geschwindigkeit an

Klar ist, dass in den nächsten Jahren an Systemen der Drohnenabwehr (C-UAS) kein Weg vorbeiführt. Ein entscheidender Vorteil wären Kooperation und Interoperabilität in der gesamten NATO. Noch wichtiger als die Technik ist jedoch, beim „Cost per Kill” das richtige Gleichgewicht zu finden: Der zunehmenden Bedrohung gilt es dauerhaft auch mit leitbaren – und schnell nachzuproduzierenden – Mitteln entgegenzutreten.

Fotocredits

© Saab
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