Drohnenabwehr und Schwarmaufklärung: Autonomous Teaming Solutions zeigt drei Systeme beim KSK-Symposium
Ein Aufklärungsschwarm, ein Waffenturm gegen kleine Luftziele und ein Fahrzeugschutz gegen FPV-Drohnen: Das 2024 gegründete Münchner Unternehmen ATS rüstet zugekaufte Plattformen für Aufklärung und Drohnenabwehr mit Software, Sensorik und KI aus.

Gleich mehrere Systeme für unbemannte Plattformen und für die Drohnenabwehr gegen kleine Drohnen präsentierte Autonomous Teaming Solutions (ATS) auf dem KSK-Symposium in Deutschland. Gegründet wurde das Münchner Unternehmen 2024. Es sieht sich als Verteidigungsunternehmen, dessen Kernfähigkeiten in erster Linie aus Software, Sensorintegration und künstlicher Intelligenz hervorgehen sollen.
Die Drohnenplattformen selbst baut ATS nicht komplett im eigenen Haus. Sie werden zugekauft und anschließend mit Sensorik, Software und missionsspezifischen Komponenten aus eigener Entwicklung ausgestattet. Drei Projekte standen im Mittelpunkt: AT-Hive als Aufklärungsschwarm, AT-Defender als Counter-sUAS-System und AT-Ulma als taktische Lösung zum Fahrzeugschutz. Abgedeckt sind damit drei eng verzahnte Felder – Aufklärung in einem gestörten elektromagnetischen Umfeld, Abwehr kleiner Drohnen und direkter Schutz mobiler Plattformen.
AT-Hive: Schwarm klärt ohne Dauersteuerung auf
Konzipiert ist AT-Hive als sich selbst organisierender Schwarm unbemannter Luftfahrzeugsysteme (UAS). Indem visuelle und akustische Sensordaten zusammengeführt werden, sollen mehrere Drohnen im Verbund agieren, gegnerische Ziele finden und Meldungen abgeben.
Vorgesehen ist das System vor allem für die Aufklärung in Einsatzräumen ohne Zugriff auf ein globales Satellitennavigationssystem (GNSS), die zudem stark von elektronischer Kampfführung geprägt sind – Signale der Satellitennavigation wie GPS sind dort gestört, manipuliert oder gar nicht verfügbar. Parallel dazu plant ATS eine robuste Kommunikationsarchitektur mit redundanten Systemen, um die Verbindung auch bei hoher Störanfälligkeit so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.
Zugrunde liegt ein „Launch-and-Forget”-Konzept: Ist der Schwarm einmal gestartet, soll er seinen Aufklärungsauftrag weitgehend autonom abarbeiten. Bis zu fünf Stunden Ausdauer nennt ATS für die Systeme. Interessant könnte AT-Hive damit besonders dort werden, wo über längere Zeit aufgeklärt werden muss, ohne dass ein Operator jede einzelne Drohne ständig steuert.
AT-Defender: VSHORAD-Turm für die Drohnenabwehr im Nahbereich
AT-Defender ist ein softwaredefinierter Waffenturm zur Luftverteidigung, der auf Fahrzeugen montiert wird. Ausgelegt ist er als VSHORAD-Lösung, also zur Bekämpfung von Luftbedrohungen im unmittelbaren Nahbereich, wobei vor allem kleine unbemannte Luftfahrzeuge im Visier stehen.

Im Zentrum steht eine Multisensorfusion über 360 Grad. Zusammengeführt werden dabei eine dreidimensionale Verfolgung mehrerer Ziele, ein Laserentfernungsmesser und eine Detektion samt Entfernungsmessung, die ohne Funkfrequenzen auskommt. Auf diese Weise soll AT-Defender auch Bedrohungen erfassen, die gar keine oder nur schwer auswertbare Funksignale abstrahlen. Als Detektionsreichweite für Drohnen sind rund 500 Meter angegeben.
Für die Klassifizierung eines Ziels braucht das System nach Angaben von ATS rund 30 Millisekunden, für den Aufbau einer dreidimensionalen Zielverfolgung etwa 50 Millisekunden. Über die offene, API-fähige Softwarearchitektur soll sich AT-Defender außerdem an bestehende Führungs- und Kontrollsysteme anbinden lassen. Grundsätzlich ist damit sowohl ein Betrieb als eigenständige Fähigkeit als auch die Einbindung in vorhandene Strukturen möglich.
Als Effektor dient ein Granatmaschinengewehr Heckler & Koch GMG im Kaliber 40 × 53 Millimeter. Zusammen mit Airburst-Munition von Rheinmetall sollen kleine Luftziele über einen programmierten Luftzerlegepunkt bekämpft werden. Schnelle Sensorik, automatisierte Zielverfolgung und ein leistungsfähiger kinetischer Effektor werden so für die Abwehr von Drohnen im Nahbereich kombiniert.
AT-Ulma soll taktische Fahrzeuge mobil halten
Für schnelle und spezialisierte Kräfte ist vor allem AT-Ulma interessant. Gedacht ist das System für den Nahbereichsschutz taktischer Fahrzeuge in einem Einsatzraum, in dem Drohnen mit Sicht aus der Ich-Perspektive (FPV, First-Person View) dominieren. Die Plattform soll mobil bleiben, damit die Mission auch bei unmittelbarer Bedrohung durch Drohnen weiterlaufen kann.
Mehrere Komponenten greifen bei AT-Ulma ineinander: Detektion und Verfolgung von Bedrohungen erledigt ein Multisensorsystem autonom. Hinzu kommen eine robotische Waffenstation und ein kinetischer Effektor – in der derzeitigen Konfiguration eine halbautomatische Schrotflinte vom Typ Benelli M4.
Aktuell ist eine Detektion auf bis zu 100 Meter vorgesehen. Bevor gewirkt wird, bestätigt nach wie vor ein menschlicher Operator. Das System beruht damit auf einem „Man-in-the-Loop”-Ansatz: Während Sensorik und Software den Bediener bei Zielerfassung und Verfolgung unterstützen sollen, trifft der Mensch die abschließende Entscheidung über die Bekämpfung.
Laut ATS wurde ein erster Versuch vor rund zwei Monaten durchgeführt. Die Entwicklung des Systems ist noch nicht abgeschlossen.
Fotocredits
© Militär Aktuell/BendlWeiterlesen

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