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Counter-UAS

Interview: SCILT von Mehler als Nahbereichsschutz gegen Drohnen

Mehler Protection Platform Armour entwickelt mit SCILT ein aktives Hardkill-System für den Nahbereichsschutz gegen Drohnen und Loitering Munition. Im Gespräch erklärt Denis Weber, Business Development Director bei Mehler Protection Platform Armour, wie das System aus der erkannten Lücke im „last layer of defence” entstand, warum es sowohl für Landfahrzeuge als auch maritime Plattformen und stationäre Einrichtungen ausgelegt ist und die angestrebte Automatisierung mit KI-Unterstützung.

Denis Weber is the Business Development Director at Mehler Protection Platform Armour.
© Mehler Protection

Herr Weber, wie kam es zur Entwicklung von SCILT? Waren von Anfang an verschiedene Plattformen – maritim und bodengebunden – angedacht?
Bereits vor dem Ukraine-Krieg waren wir uns der anstehenden Bedrohung durch Drohnen bewusst und haben uns entsprechende Gedanken zu verschiedenen Abwehrmaßnahmen gemacht. Die folgenden Entwicklungen und Erkenntnisse aus den Krisengebieten führten dazu, dass wir als Mehler Protection Platform Armour beschlossen haben, mit Nachdruck der Verwirklichung unserer Ideen nachzugehen. Während es im Fern- und Mittelstreckenbereich Ansätze gab, die stetig weiter verbessert werden, so mussten wir feststellen, dass es im Nahbereich keine funktionierenden Lösungen gibt. Für diesen „last layer of defence” kam schlussendlich nur ein Hardkill-System mit Streumunition in Frage, welches bei maximaler Abdeckung auch in der Lage ist simultane Bedrohungen abzuwehren. Verschiedene Abwägungen hinsichtlich Wirksamkeit, Verlässlichkeit und Robustheit, sowie Gefahrenbereichsabwägungen führten zur Lösung, welche grundsätzlich in verschiedenen Szenarien, ob maritim, bodengebunden, in der Luft oder auch für stationäre Einrichtungen anwendbar ist, wenn auch mit spezifischen Anpassungen.

Ist SCILT als Nachrüstung für bestehende Plattformen gedacht, als Teil eines Neubauprogramms oder bewusst für beide Wege ausgelegt?
Uns war von vornherein bewusst, dass es für SCILT beide Integrationsmöglichkeiten braucht. Plattformen welche nicht über entsprechende Aufklärungstechnologie verfügen, verlangen ein Gesamtsystem, welches Mehler Protection ganzheitlich anbietet. Plattformen, seien es maritime oder bodengebundene, welche bereits über ausreichende Aufklärungstechnologien verfügen, dürfen und können nicht mit Zusatzsystemen überfrachtet werden. Hier ist es nur sinnvoll in die bestehenden Systeme zu integrieren, weswegen wir uns für eine offene CAN-Bus Systemarchitektur (Anmerkung: „Controller Area Network”-Bus: ein gemeinsames digitales Kommunikationsnetz) entschieden haben. Somit kann SCILT alleinstehend, integrativ oder auch ergänzend ausgerüstet werden.

Welche Drohnenbedrohungen standen bei der Entwicklung im Vordergrund: einzelne FPV-Drohnen, koordinierte Angriffe mehrerer Systeme, Loitering Munition oder besonders schnelle beziehungsweise schwer erkennbare Ziele?
Bei der Effektorik haben wir uns bewusst für ein Kaliber entschieden, welches durch seine Bandbreite an Wirkmitteln das Potential hat, verschiedene Bedrohungen abzuwehren und dabei dennoch marktverfügbar, günstig und zuverlässig ist. Die Bedrohungen reichen von kleinen FPV-Drohnen bis zu Loitering Munitions. Die Abwehrfähigkeit koordinierter Angriffe mehrerer Bedrohungen resultiert aus der anpassungsfähigen und skalierbaren Gesamtsystemauslegung. In Szenarien mehrerer auf kurze Distanz auftauchender Bedrohungen gilt es einen zuverlässigen Schutz zu generieren, wenn alle anderen Abwehrsysteme nicht mehr in der Lage sind zu reagieren oder diese überwunden wurden.

SCILT kombiniert Sensorik, Effektoren und Bedienlogik. Wie funktioniert das Zusammenspiel im konkreten Ablauf von der Detektion bis zur Wirkung?
SCILT als Gesamtsystem verfügt über ein Sensornetzwerk zur Erkennung und Verfolgung der Bedrohung. Das Sensorsystem bestehend aus Tagsicht- sowie IR-Kameras und LIDAR erkennt eine Bedrohung. Dies führt zu einem Detektionsalarm in der Bedienlogik. Die Bedrohung wird durch eine Software getrackt und führt zu einem zweiten „Annäherungsalarm” in der Bedienlogik, wenn sich die Bedrohung im Angriffsvektor auf die Plattform befindet. Eine dritte Alarmstufe empfiehlt die Auslösung des Systems.

Denis Weber ist Business Development Director bei Mehler Protection Platform Armour.
Denis Weber ist Business Development Director bei Mehler Protection Platform Armour. · © Mehler Protection

SCILT arbeitet zunächst im „Man-in-the-Loop”-Modus. Welche Gründe sprechen bei einem Nahbereichssystem dafür, die finale Wirkentscheidung beim Menschen zu belassen?
Grundsätzlich ist dies ein Thema, welches wir in Deutschland und Europa schon lange diskutieren. Es ist vor allem eine Frage der Zulassung. Hierbei müssen, unter Berücksichtigung der Entwicklungsgeschwindigkeit im Ukrainekonflikt, die NATO-/europäischen Zulassungsverfahren in Hinblick auf Geschwindigkeit und ein angepasstes Risikomanagement bewertet werden, um schneller autonome Funktionen in Anwendung zu bekommen.

Wie weit könnte die geplante Automatisierung künftig gehen? Denken Sie eher an automatisierte Zielverfolgung und Priorisierung oder perspektivisch auch an automatisierte Auslösung unter klar definierten Einsatzregeln?
Klares Ziel ist zukünftig eine vollautonome Zielidentifikation, Tracking und Auslösung der Gegenmaßnahme umzusetzen. Hierbei spielt der Einsatz von KI-Systemen in der Zielpriorisierung und Bekämpfungstaktik eine wesentliche Rolle.

Besteht ein Unterschied im Drohnenschutz, ob SCILT stationär oder mobil eingesetzt wird?
Das Wirkprinzip ist das gleiche. Lediglich die Aufklärung ist mobil anspruchsvoller. Moderne Aufklärungssensorik und -Software können dies jedoch leisten.

SCILT Naval von Mehler Protection.
SCILT Naval von Mehler Protection im Einsatz zum Schutz vor Drohnen. · © Mehler Protection

Worin unterscheidet sich SCILT Naval technisch und konzeptionell am deutlichsten von der Landvariante SCILT?
SCILT Naval verfügt über einen Autolader, um die Verfügbarkeit auch bei längeren Einsätzen sicherzustellen. Der Bauraum auf Schiffen lässt dies zu. Im Vergleich zu SCILT Land verfügt es zudem über eine erhöhte Wirkreichweite, um den maritimen Anforderungen gerecht zu werden.

Welche nächsten Entwicklungsschritte planen Sie für SCILT und SCILT NAVAL – etwa bei Sensorik, Automatisierung, Reichweite, Vernetzung oder der Abwehr koordinierter Mehrfachangriffe?
Erst kürzlich haben wir die Effektorik von SCILT Land sehr erfolgreich im dynamischen Umfeld erprobt, sprich mit fahrender Plattform und fliegendem Ziel. Bis Ende des Jahres 2026 wollen wir zum einen ein Gesamtsystem der Landvariante mit teilautonomen Funktionen erproben, sowie die Funktionstests der SCILT Naval Effektorik abschließen. Erste integrierbare Systeme von SCILT NAVAL planen wir für Mitte 2027.

Fotocredits

© Mehler Protection
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