Quantum Systems: Die Vernetzung umbemannter Systeme
Auf der „DroneVation & Defence 2026” sprach Thomas Haber, Director Programs & Products bei Quantum Systems, im Interview über die Softwareplattform Mosaic UXS, die Vernetzung unbemannter Systeme sowie die Lehren aus dem Ukraine-Krieg.

Auf der „DroneVation & Defence 2026” sprach Thomas Haber, Director Programs & Products bei Quantum Systems, im Interview über die Softwareplattform Mosaic UXS, die Vernetzung unbemannter Systeme sowie die Lehren aus dem Ukraine-Krieg.
Herr Haber, was kann Mosaic UXS?
Quantum Systems ist ein Multi-Domain-Anbieter. Neben unbemannten Drohnen (UAV) und Bodensystemen (UGV) entwickeln wir künftig auch seegehende unbemannte Systeme. Alle diese Plattformen werden durch unsere Softwareplattform Mosaic UXS vernetzt. Die Plattform ist modular, sicher und in sich geschlossen, bietet aber zugleich offene Schnittstellen. Dadurch lassen sich sowohl unsere eigenen Systeme als auch Hard- und Software anderer Hersteller integrieren. Unser Ziel ist ein offenes Ökosystem, in dem der Nutzer unterschiedlichste unbemannte Systeme über eine gemeinsame Software steuern kann.
Wenn Sie von unbemannten Systemen sprechen: Arbeiten diese autonom?
Ja. Unsere Systeme erhalten zunächst eine Missionsplanung mit Wegpunkten. Dabei lässt sich genau festlegen, welche Route geflogen wird, wo das System kreisen soll und wie es sich während der Mission verhält. Darüber hinaus können wir auch lediglich einen Point of Interest definieren und festlegen, wie ein Gebiet überwacht werden soll. Das System plant die Mission anschließend selbstständig.

Das geht in Richtung Einsatz von Schwärmen?
Mehrere Systeme können sowohl in der Luft als auch gemeinsam mit Bodensystemen im Schwarm zusammenarbeiten. Sie koordinieren sich gegenseitig und bleiben auch dann handlungsfähig, wenn die Verbindung zur Bodenkontrollstation unterbrochen ist. Auf dem Gefechtsfeld tauschen sie Informationen untereinander aus und versuchen Aufklärungsergebnisse an den Gefechtsstand zu übermitteln – entweder, sobald wieder eine Funkverbindung besteht, oder indem eine Drohne in einen Bereich mit stabiler Verbindung zurückfliegt. Die Systeme können zudem untereinander sowie mit Systemen anderer Hersteller kommunizieren. Ebenso lassen sich Wirksysteme anderer Hersteller anbinden. Dadurch können wir den gesamten Aufklärungs- und Wirkverbund in unserer Software abbilden oder Zielkoordinaten an ein externes Führungs- und Waffeneinsatzsystem übergeben.
Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Systeme konkret vorstellen?
Ich erkläre das an einem Beispiel. Eine Drohne überwacht ein Gebiet, während ein unbemanntes Bodenfahrzeug vorrückt. Das UGV kann unterschiedliche Nutzlasten mitführen, etwa einen Multicopter eines Drittanbieters oder seismische Bodensensoren. Entdeckt die Drohne beispielsweise eine Brücke, kann das UGV den Auftrag erhalten, diese näher zu untersuchen. Es fährt zur Brücke, setzt den Multicopter aus und lässt sie aus einem Nest starten. Der Multicopter erstellt Bilder der Brücke und übermittelt sie über das vom UGV aufgebaute Relaisnetz an die Drohne. Diese leitet die Daten an den Gefechtsstand weiter. Dort kann entschieden werden, ob die Brücke sicher genug ist, um sie mit Panzern oder anderen Fahrzeugen zu überqueren.
Wir sprechen bisher über Aufklärungsmissionen. Ist auch die Bekämpfung von Zielen möglich?
Ja. Das gilt sowohl für den Aufklärungs- und Wirkverbund als auch für den Einsatz von Counter-UAS Interceptoren. Bei Counter-UAS würden wir beispielsweise ein Radar eines Drittanbieters über Mosaic UXS integrieren, die Sensordaten in unserer Software zusammenführen und anschließend unsere Quantum Interceptor ansteuern, um etwa eine Shahed-Drohne abzufangen. Beim Einsatz von Wirkmitteln hängt der Ablauf von der jeweiligen militärischen Doktrin ab. Zunächst wird ein Aufklärungsergebnis erzeugt und einem Soldaten zur Entscheidung vorgelegt. Erkennt dieser ein hochwertiges Ziel, kann der gesamte Wirkeinsatz über Mosaic UXS gesteuert werden – einschließlich der Festlegung des Loitering-Bereichs und der anschließenden Schadensbewertung (Battle Damage Assessment, Anmerkung) durch eine Drohne.
Und wie sieht die Kompatibilität mit C2-Systemen aus?
Alternativ kann Mosaic UXS die Zielkoordinaten über eine standardisierte Schnittstelle an ein externes C2-System übergeben. Dieses führt den Wirkeinsatz durch, während unsere Drohnen anschließend die Schadensbewertung übernehmen. Auf diese Weise können wir den gesamten Ablauf abbilden. Theoretisch könnte dieser Prozess vollständig autonom erfolgen, indem Aufklärungs- und Wirksysteme direkt miteinander kommunizieren. Die meisten Streitkräfte schreiben jedoch eine menschliche Entscheidung vor. Dieser Freigabeschritt ist deshalb ebenfalls in unser System integriert.
Die Ukraine gilt als Testfeld für neue Drohnentechnologien. Fließen diese Erfahrungen in Ihre Entwicklung ein?
Ja. Unser gesamtes Portfolio basiert auf Erfahrungen, die wir im Einsatz sammeln – unter anderem in der Ukraine. Mit unseren Systemen wurden inzwischen mehr als 250.000 Flugstunden absolviert. Unsere Produkte entwickeln wir kontinuierlich anhand des Feedbacks der Operateure. Gerade die ukrainischen Streitkräfte liefern uns wertvolle Rückmeldungen. Wir stehen in engem Kontakt mit den Nutzern, entwickeln unsere Systeme fortlaufend weiter und veröffentlichen regelmäßig neue Softwareversionen.
Könnten Sie uns dazu ein Beispiel nennen?
Ein Beispiel ist unsere Aufklärungsdrohne Vector. Im Einsatz zeigte sich, dass sie häufig Ziel von FPV-Drohnen wurde. Gemeinsam mit unserem ukrainischen Team haben wir deshalb Schutzmaßnahmen entwickelt. Diese Verbesserungen fließen anschließend in unser gesamtes Produktportfolio ein. So profitieren auch andere Kunden von den Erfahrungen aus den Einsatzgebieten.
Wohin entwickelt sich der Drohnenmarkt? Geht der Trend eher zu größeren, leistungsfähigeren Systemen oder zu kleinen, skalierbaren Lösungen?
Ich glaube, entscheidend ist die Skalierbarkeit. Unabhängig davon, ob es sich um High-End- oder Low-Cost-Systeme handelt. Beide werden künftig gemeinsam eingesetzt. Bestimmte Nutzlasten, etwa Radare oder andere hochwertige Sensoren, sind teuer und benötigen größere Trägerplattformen. Diese Systeme müssen besonders gut gegen Jamming geschützt werden, möglichst unauffällig operieren und auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Solche Plattformen bleiben unverzichtbar, weil sie kleinere Systeme überhaupt erst in die Lage versetzen, ihre Aufgaben effizient zu erfüllen. Deshalb setzen wir auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Plattformen. Genau dafür haben wir Mosaic UXS entwickelt: Die Software verbindet unsere eigenen Systeme mit Lösungen anderer Hersteller zu einem gemeinsamen Ökosystem.
Welchen Netzwerkgedanken verfolgt Mosaic UXS?
Beim vorhin genannten Szenario können sowohl neue als auch bereits eingeführte Systeme eingebunden werden. Unser Ziel ist es, bestehende Plattformen im Sinne einer Software Defined Defence in ein gemeinsames Netzwerk zu integrieren. Für den Nutzer muss die Komplexität dabei im Hintergrund bleiben. Der Operateur soll nur die Informationen erhalten, die er tatsächlich benötigt. Das System muss sich auch unter Stress intuitiv bedienen lassen. Welche Plattformen letztlich angebunden werden – günstige oder hochwertige Systeme –, hängt vom jeweiligen Einsatzszenario ab.
Fotocredits
© Unmanned Magazine/Sebastian FreilerWeiterlesen

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