Bodendrohnen an der Front: Russlands Mehrzweck-Sturmroboter Kurier im Porträt
Rund 1.500 russische gegen bis zu 15.000 ukrainische UGV – zahlenmäßig liegt Russland bei Bodendrohnen klar zurück. Mit dem Kurier hat es aber ein bemerkenswertes Modell im Einsatz: vom Minenleger über die Logistik bis zur Feuerunterstützung, inklusive Starlink-Option.

Bei Bodendrohnen hat die Ukraine laut ukrainischen Medienberichten deutlich die Nase vorn: Heuer sollen bis zu 15.000 unbemannte Landfahrzeuge (UGV) an die Front gelangen. Russland kommt trotz einer gegenüber dem Vorjahr verdreifachten Produktion nur auf rund 1.500 Systeme. Unter ihnen findet sich mit dem Kurier jedoch ein technologisch sehr bemerkenswertes Modell.

Vom Bastelprojekt zur Serie
Seinen Anfang nahm das Kurier-Projekt in einer ersten Phase bei einem Unternehmen aus Ulan-Ude. Unterstützung kam später von der Volksfront – einer „russische Bürgerbewegung”, die 2011 auf Initiative des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegründet wurde und überwachen soll, wie präsidentielle Vorgaben umgesetzt werden.

Dem Projekt schlossen sich zudem bekannte Militärblogger an, darunter Boris Rozhin („Oberst Cassad”) und Chingis Dambiev. Seinen Namen Kurier erhielt der Roboter ebenso wie die bis heute gültige Typisierung als HTPK (Landgestützter Robotikkomplex).
Anfang 2024 zeigte man den HTPK Kurier erstmals öffentlich, im April desselben Jahres folgte ein Feldversuch im Raum Awdijiwka. 50 Einheiten gingen im Oktober 2024 in die sogenannte „Sonderoperationszone”. Seitdem sind Kurier-Roboter immer wieder in Videos zu sehen; plausibel erscheint eine monatliche Produktion in ähnlicher Größenordnung.

Im Herbst riefen die Entwickler Erfinder und Ingenieure aus ganz Russland zur Mitarbeit auf. An den gezeigten Fahrzeugen lässt sich eine wiederholbare Fertigungsqualität ablesen: Erkennbar hat das Projekt die Bastelwerkstatt hinter sich gelassen und ist in die industrielle Produktion übergegangen.
Bei einer Sitzung der Militärindustriekommission in St. Petersburg wurde das System Präsident Putin vorgestellt. Wie zuvor schon die Lancet-Drohnen rückt auch der Kurier immer stärker in den Fokus großer russischer Medien.

Technik: Kette, Minenschienen und Starlink
Bei 1,4 Metern Länge, 1,2 Metern Breite und 58 Zentimetern Höhe bringt der Kurier 250 Kilogramm auf die Waage. Zwei Elektromotoren mit je 6 kW beschleunigen ihn auf bis zu 35 km/h. Angegeben wird eine Betriebsdauer von 12 bis 72 Stunden.
Mehrere Varianten der Kommunikation sind offenbar aus dem Aufruf an die Ingenieure hervorgegangen. Dokumentiert sind eine Funkverbindung mit einer Reichweite von 3 bis 10 Kilometern und eine Steuerung über Glasfaserkabel. Besonders hervorzuheben ist die mittlerweile offiziell angebotene Möglichkeit, den Roboter über Starlink-Satelliteninternet zu betreiben.
Als Fahrwerk dienen zwei Gummiketten, jede mit sechs Laufrollen, einem Antriebs- und einem Führungsrad. Nach russischen Quellen und Videomaterial dürfte die Konstruktion zumindest Treffer kleinerer Antipersonenminen überstehen. Offen ist, ob das nur auf PFM-1 „Schmetterlingsminen” zutrifft oder auch auf stärkere Modelle.




Vorne ist je eine elektrische Winde verbaut, seitlich laufen beidseitig Ablaufschienen für jeweils vier Panzerminen vom Typ TM-62 oder TM-83. Über den Schienen lässt sich wahlweise ein Transportkorb oder ein Waffenmodul anbringen.
Hinten sitzt eine Anhängerkupplung. Dort dürfte auch die Steuerelektronik untergebracht sein, ebenso wie Funkantenne, Datenantennen sowie mehrere elektrooptische und IR-Kameras. Für die Starlink-Antenne ist meist ein Radom über der linken Minenablaufschiene vorgesehen. Zu sehen war dieses Modul erstmals bei der Übung „Sapad-2025”, inzwischen wird es an der Front eingesetzt.


Bewaffnung der Bodendrohnen
Zu den Waffen, die eingesetzt oder erprobt werden, zählen unter anderem:
- AGS-17 Plamja und AGS-30 Atlant (30×29 Millimeter, je bis zu 150 Schuss)
- RPG-Hohlladungswerfer
- ATGM-Panzerabwehrraketen
- NSWT 12,7-Millimeter-Maschinengewehr (250 Schuss)
- PKT 7,62 Millimeter (900 Schuss)
- RPO-A Schmel (Einweg-Flammenwerfer)
Darüber hinaus sind in neuen Videos ein Lasermodul und Konzepte für einen Einsatz als EloKa-Fahrzeug zu sehen.

Logistik, Minenräumung, Feuerunterstützung
Derzeit dient der Kurier vor allem der Frontlogistik. Nach dem Beladen bringt ein Klein-Lkw die Roboter zur Absetzstelle, von wo sie ferngesteuert bis zur Truppe fahren, oft mit einem Einachsanhänger im Schlepp. Mehrmals wurde der Kurier außerdem bei der Räumung von Minenfeldern beobachtet.

Auf einem Bild ist eine gepanzerte Rettungskapsel zu sehen, mit der Verwundete evakuiert werden. Dass das System als Plattform zur Feuerunterstützung dient, belegen Übungsvideos, etwa von „Sapad-2025”; zumindest Tests an der Front gab es. Ausgearbeitet sind zudem Konzepte, den Kurier als Träger elektronischer Kampfführung einzusetzen.
Für Logistikaufgaben genügen je nach Hintergrund des Bedienpersonals wenige Tage Ausbildung. Ebenso wie die Ukraine entwickelt Russland Verfahren, mit denen UGVs tief in Gefechtsführung und Taktik eingebunden werden sollen. Auf breite oder standardisierte Einsatzkonzepte lassen die bisherigen Versuche an der Front aber noch nicht schließen.
International macht Russland dennoch schon Werbung für das System: Beim ersten russisch-sri-lankischen Manöver „Wolverine Path 2025” im Oktober wurde der Kurier offiziell präsentiert.
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