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Unmanned Systems / Aerial Drones

Unbemanntes Kampfflugzeug im Schnellverfahren: GKN Aerospace und Schweden testen neuen Entwicklungsweg

Auf der Malmen Air Base zeigte GKN Aerospace erstmals Mock-up und Turbojet seines UAV-Demonstrators. Schweden geht es um mehr als ein unbemanntes Kampfflugzeug: um schnellere Prozesse, günstige Fertigung und europäische Lieferketten.

UAV concept by GKN Aerospace
© Unmanned Magazine/Zacharias

Nur 18 Monate sollen vergehen, bis aus einem militärischen Bedarf ein fliegender Demonstrator wird: Auf der Malmen Air Base hat GKN Aerospace sein neues UAV-Projekt zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Ob daraus einmal ein unbemanntes Kampfflugzeug wird, ist offen – den Schweden geht es um weit mehr als eine einzelne Drohne. Im Test stehen ebenso neue Entwicklungsprozesse, eine kostengünstige Fertigung und eine europäische Lieferkette, die möglichst souverän sein soll.

Neben einem Full-Scale-Mock-up des neuen unbemannten Luftfahrzeugs (UAV) stellte GKN dort auch ein Turbojet-Triebwerk vor, das speziell für diese Plattform entwickelt wurde.

Bemerkenswert ist vor allem das Tempo. Den Entwicklungsauftrag hatte die schwedische Beschaffungsbehörde FMV erst im November 2025 an GKN Aerospace vergeben. In gerade einmal 18 Monaten sollen nun ein vollständig neu entwickelter UAV-Demonstrator und ein neuer Turbojet entstehen und die Flugerprobung anlaufen.

Vor einem Jahr war das eine Idee und eine Ambition. Heute präsentieren wir das erste greifbare Ergebnis dieser Arbeit— Joakim Andersson, President Engines bei GKN Aerospace

Ermöglicht habe diese Geschwindigkeit laut Andersson die enge Kooperation mit FMV und den schwedischen Streitkräften, außerdem die Bündelung verschiedener Kompetenzen im Konzern.

Demonstrator für Technik und Prozesse

Es geht also nicht in erster Linie darum, ein bestimmtes Einsatzsystem so rasch wie möglich zu entwickeln. Vorerst ist die Plattform ausdrücklich als Demonstrator für Technologie und Prozesse ausgelegt. Schweden möchte damit klären, wie sich neue militärische Fähigkeiten in Zukunft schneller, einfacher und günstiger entwickeln, herstellen und in die Streitkräfte eingliedern lassen.

Mit den herkömmlichen Beschaffungsabläufen wird dafür bewusst gebrochen. Anstatt erst über Jahre detaillierte Anforderungen festzulegen, setzt die Entwicklung beim militärischen Problem und bei der angestrebten Wirkung an.

Darin liegt auch aus Sicht der schwedischen Luftwaffe ein entscheidender Vorteil. Neue Fähigkeiten müssten heute erheblich schneller bereitstehen. Angesichts des Tempos, mit dem sich Technologie verändert, genüge der klassische Weg nicht mehr: Bedarf formulieren, Studien anfertigen, Entwicklungsprogramme starten und erst Jahre später Konstruktion und Produktion in den Blick nehmen.

Vielmehr sollen von Anfang an militärische Taktik und Einsatzerfahrung, das technische Know-how der Industrie und die Expertise der Beschaffungsbehörde zusammenkommen. Die Entwicklungsschritte verlaufen dadurch immer öfter parallel statt nacheinander.

Am Ende will die schwedische Luftwaffe operative Erfahrungen direkt mit dem verknüpfen, was die Industrie technologisch leisten kann, und so Fähigkeiten schaffen, die sich laufend anpassen lassen.

UAV-Konzept
Erstmals öffentlich gezeigt: Auf der Malmen Air Base präsentierte GKN Aerospace anlässlich der Feierlichkeiten zu „100 Jahre schwedische Luftstreitkräfte“ einen Full-Scale-Mock-up seines UAV-Demonstrators. · © GKN Aerospace

Bezahlbarkeit und Stückzahl

Zweiter Kernpunkt sind die Kosten. Aus aktuellen Konflikten zieht Schweden damit eine Lehre: Luftstreitkräfte der Zukunft können nicht allein aus wenigen, hochkomplexen und daher teuren Systemen bestehen. Ergänzend braucht es günstigere Plattformen, die sich schnell herstellen und in größerer Zahl bereitstellen lassen.

Folgerichtig bezeichnet FMV die Plattform auch als Versuch, Einfachheit, Kosten und militärische Wirkung in die richtige Balance zu bringen.

Zumindest teilweise hebt sich der Ansatz so von hochentwickelten Collaborative Combat Aircraft ab, an denen derzeit etwa Saab arbeitet (-> Saab zeigt neue unbemannte CCA-Plattform). Dort geht es vor allem um leistungsstarke, überschallschnelle autonome Plattformen, die Gripen und Global Eye ergänzen. Das GKN-Programm fragt dagegen eher, wie sich kosteneffiziente unbemannte Fähigkeiten rasch skalieren lassen.

Welche konkrete militärische Rolle sich daraus ergeben könnte, ist allerdings noch nicht entschieden. GKN und FMV unterstreichen, dass es vorerst um einen Demonstrator geht. Welche Fähigkeiten für ein späteres Einsatzsystem abgeleitet werden können, soll sich erst in der Erprobung zeigen.

Turbojet aus eigener Entwicklung

Technisch geht das Programm weit über eine Flugzeugzelle hinaus. Verantwortlich ist GKN Aerospace für das Gesamtsystem, darunter ein eigens entwickeltes Turbojet-Triebwerk, die Avionik und die Systemintegration.

Der Konzern stützt sich dabei auf Kompetenzen mehrerer europäischer Standorte. Das Triebwerk beruht zu einem wesentlichen Teil auf schwedischem Know-how aus Trollhättan. GKN hat an diesem Standort jahrzehntelange Erfahrung mit militärischen Flugtriebwerken und betreut dort unter anderem die Triebwerke der Gripen-Flotte.

Großes Gewicht haben additive Fertigungsverfahren, also industrieller 3D-Druck, mit dem sich Triebwerkskomponenten erheblich schneller entwickeln und herstellen lassen sollen. Parallel arbeiten GKN-Teams in den Niederlanden und in Großbritannien an Flugzeugzelle, Avionik sowie an Systemen für Steuerung, Überwachung und Navigation.

Damit soll das Vorhaben auch demonstrieren, wie vorhandene industrielle Fähigkeiten in Europa kurzfristig für neue militärische Systeme gebündelt werden können.

Kontrolle über die Lieferkette

Hohen Stellenwert hat für FMV die Versorgungssicherheit. Geprüft wird deshalb, wie viel von einem solchen System sich in Schweden oder Europa entwickeln und fertigen lässt.

Im Mittelpunkt stehen Technologien und Lieferketten, die Schweden und seine europäischen Partner so weit wie möglich selbst kontrollieren. Strategisch bedeutsam ist dabei gerade ein eigenes Triebwerk, denn Antriebe gehören zu den technisch anspruchsvollsten und zugleich kritischsten Bauteilen moderner Luftfahrzeuge.

Aus Sicht von GKN ist das Programm deshalb Teil einer umfassenderen Entwicklung. Luftstreitkräfte dürften künftig aus einer Mischung verschiedener bemannter und unbemannter Plattformen bestehen – vom komplexen Kampfflugzeug bis zum günstigeren unbemannten System, das sich in größeren Stückzahlen bauen lässt. Auch die Antriebe sollen daher skalierbar werden.

Noch Demonstrator, kein unbemanntes Kampfflugzeug

Die Plattform ist somit ebenso ein Flugzeugprojekt wie ein Testfall für neue Abläufe in Beschaffung und Entwicklung. Erfahrungen sammeln will FMV bei Technologieentwicklung, Anforderungsmanagement, Vertragsgestaltung, Erprobung, Fertigung und der Kooperation mit der Industrie.

Ausschlaggebend sei, den Weg vom operativen Bedarf zu einem System, das tatsächlich produziert und erprobt werden kann, drastisch abzukürzen.

Über eine spätere Serienproduktion ist deshalb noch nicht entschieden. Verläuft das Demonstratorprogramm erfolgreich, könnten die Erkenntnisse den schwedischen Streitkräften allerdings als Basis für weitere Entscheidungen dienen. Welche Plattform am Ende daraus hervorgeht und für welche Aufgaben, soll von den Erprobungsergebnissen und vom künftigen militärischen Bedarf abhängen.

Genau hier liegt für FMV der Wert des Vorhabens: Mit einem Demonstrator lassen sich Technologien rasch testen, Unsicherheiten verringern und Optionen eröffnen, ohne dass man sich schon am Anfang auf ein endgültiges System festlegen muss.

Damit fügt sich der Ansatz in eine Entwicklung, die bei den Feierlichkeiten auf der Malmen Air Base auch anderswo sichtbar wurde: Schweden will militärische Innovation massiv beschleunigen. Ob beim neuen autonomen Kampfjet von Saab oder beim ganz anders ausgerichteten Demonstrator von GKN – künftig sollen schnelle Iterationen, frühe Hardware und sofortige Erprobung den Takt bestimmen statt jahrelanger Spezifikationsphasen.

Fotocredits

© Unmanned Magazine/Zacharias · © GKN Aerospace
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